China verzeichnete im zweiten Jahr in Folge eine höhere Dekarbonisierungsrate als jede der großen Volkswirtschaften der Welt, wie aus einem aktuellen Bericht der Londoner Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (bekannt als PwC) hervorgeht. China hat seine Kohlenstoffintensität im Jahr 2017 um 5,2 Prozent reduziert, stellte PwC in seinem jährlichen Low Carbon Economy Index der G20-Mitglieder fest. Die Kohlenstoffintensitätsraten werden gemessen, indem die Treibhausgasemissionen mit dem Energiebedarf einer Nation und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) verglichen werden.

Während die Emissionslevel in China im vergangenen Jahr zwar um 1,4 Prozent gestiegen sind, war dieser Anstieg im Vergleich zu einer hohen BIP-Wachstumsrate von 6,9 Prozent und einem steigenden Energiebedarf gering. Das Vereinigte Königreich schnitt im Index ebenfalls gut ab: Es verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen durchschnittlichen Rückgang der Kohlenstoffintensität um 3,7 Prozent, und schnitt damit als bestes Land von allen untersuchten Ländern ab. Im Jahr 2017 fiel die Kohlenstoffintensität im Vereinten Königreich um 4,7 Prozent, dies war der viertbeste Wert der G20 hinter China, Mexiko und Argentinien.

Insgesamt stellte PwC fest, dass die weltweiten Emissionen mit 1,1 Prozent nun wieder steigen und in den vergangenen drei Jahren ihren Höhepunkt erreichten. Die globale Energienachfrage ist im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent gestiegen, mehr als doppelt so hoch wie 2016, und der größte Teil des gestiegenen Energiebedarfs wurde mit fossilen Brennstoffen gedeckt, wie es in dem Bericht heißt. „Der Abstand zwischen der aktuellen Dekarbonisierungsrate und der zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius erforderlichen Rate wird größer“, heißt es in dem Bericht. „Es scheint fast keine Chance zu geben, die Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, das Hauptziel des Pariser Abkommens.“

Die PwC-Studie fiel mit der Veröffentlichung eines Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC) zusammen, der besagt, dass die Welt nur zwölf Jahre Zeit hat, um eine Klimakatastrophe zu begrenzen. Außerdem hat diese Woche die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften den Sveriges Riksbank-Preis für Wirtschaftswissenschaften – der allgemein als Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gilt – an die US-amerikanischen Ökonomen William Nordhaus und Paul Romer für ihre Arbeit zur Integration des Klimawandels in makroökonomische Analysen verliehen. In Bezug auf den aktuellen IPCC-Bericht forderte Romer die Regierungen und die Öffentlichkeit auf, nicht in Pessimismus zu versinken. „Sobald wir anfangen, die CO2-Emissionen zu reduzieren, werden wir überrascht sein, dass es nicht so schwer war, wie wir es erwartet hatten“, sagte Romer gegenüber der Presse. „Die Gefahr von sehr alarmierenden Prognosen ist, dass die Menschen sich apathisch und hoffnungslos fühlen werden.“

PwC stellte fest, dass im vergangenen Jahr in China die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 25 Millionen Tonnen Öläquivalent – eine Messung des Energieverbrauchs, auch bekannt als MTOE – angestiegen ist. Dies wurde durch einen Anstieg der Solarenergie um 71 Prozent und einen Anstieg der Windenergie um 20 Prozent angetrieben. Der Kohleverbrauch in China stieg im vergangenen Jahr um ein Prozent, nachdem der Verbrauch mehrere Jahre lang zurückgegangen war. PwC führte den Anstieg des Kohleverbrauchs auf die Eröffnung von Kohlekraftwerken zurück. „Trotz dieses Wachstums deuten politische Signale nicht darauf hin, dass der Kohleverbrauch in China wieder langfristig steigen wird, schließlich steht die Kontrolle der Umweltverschmutzung auf der politischen Agenda ganz oben“, heißt es in dem Bericht. China verzeichnete mit 15 Prozent auch den höchsten prozentualen Anstieg des Erdgasverbrauchs. Dies ist vor allem mit der Beheizung von Wohnungen und kleinen Industriekesseln verbunden, die von Kohle auf Gas umstellen. „Trotz des Wachstums fossiler Brennstoffe hat sich China als globaler Motor für den Einsatz erneuerbarer Energien positioniert“, heißt es in dem Bericht. „Das Land hat bedeutende Fortschritte gemacht, um sein Versprechen unter dem Abkommen von Paris zu erfüllen, 2030 ganze zwanzig Prozent seiner Energie aus kohlenstoffarmen Quellen zu gewinnen.“