Chinas Internetnutzer werden immer jünger. Eltern und Lehrer sind sich uneins über die Folgen dieses Trends. Manche betonen den schnelleren Zugang zu Informationen, andere fürchten um die gesundheitlichen Auswirkungen eines zu frühen Handykonsums.

75 Prozent der Kinder in China nutzen das Internet bereits vor dem zehnten Lebensjahr.

Immer mehr Kinder in China surfen im Internet. Fast jedes dritte Kind gab laut einer Studie an, bereits vor dem zehnten Lebensjahr im Netz gesurft zu haben. 2010 waren es noch 55,9 Prozent.

Der Jährliche Bericht über Internetnutzung und Leseverhalten von Minderjährigen in China für die Jahre 2017 und 2018, der am Montag veröffentlicht wurde, beziffert den Anteil der Minderjährigen mit Interneterfahrung auf 98,1 Prozent. Im Landesdurchschnitt liegt die Quote bei 57,7 Prozent.

Die Studie wurde von mehreren Organisationen unter Leitung des Medienzentrums der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften durchgeführt. Sie zeigt, dass Kinder aus urbanen Gegenden früher mit dem Internet in Kontakt geraten als Kinder vom Land. Diejenigen, die aus einem alleinerziehenden Haushalt kommen, oder aus Familien, deren Eltern über keinen weiterführenden Schulabschluss verfügen, nutzen das Internet bereits in jüngerem Alter.

Die Ergebnisse beruhen auf einer Umfrage unter mehr als 6000 Schülern zwischen sieben und achtzehn Jahren, die von Oktober bis Februar durchgeführt wurde. 45 Prozent der Befragten waren männlich und 67 Prozent stammten aus dem ländlichen Raum. 40 Prozent waren Grundschüler und 41 Prozent Einzelkinder.

Drei von Vier Schülern aus der Stadt besaßen demnach ein Mobiltelefon, verglichen mit 67 Prozent der Schüler vom Land. Unter Grundschülern betrug die Quote 64 Prozent, bei den Mittel- und Oberschülern lag der Anteil bei 71,3 beziehungsweise 86,9 Prozent.

WeChat ist die beliebteste Plattform für Kinder, um an Informationen zu gelangen. 49 Prozent gaben an, die Social-Messaging-App als primäre Informationsquelle zu nutzen. An zweiter Stelle folgt das Fernsehen mit 45 Prozent.

Obwohl mehr als die Hälfte angab, das Internet helfe beim Lernen, sagten auch 30 Prozent, dass sie während des Studiums nach Inhalten suchten, die nicht relevant seien, was sie von den Schularbeiten ablenke. Schüler machen sich zudem vermehrt Sorgen über den negativen Einfluss, den das Internet auf die körperliche Gesundheit habe, beispielsweise Verschlechterung der Sehkraft.

Zhong Fuhai, ein Grundschullehrer aus Macheng, einer Stadt im ländlichen Hubei, sagte, es sei ganz normal, dass Kinder an seiner Schule früh mit dem Internet in Kontakt gerieten. „Die Sieben- bis Achtjährigen sind meistens zurückgelassene Kinder, also deren Eltern in anderen Städten arbeiten. Den Kindern alles zu kaufen, was sie begehren, ist eine übliche Art des Ausdrucks elterlicher Zuneigung“, sagte er zum steigenden Smartphonekonsum.

Obwohl das Internet auch neue Lernmöglichkeiten biete, äußerte der Lehrer Sorgen über negative Effekte, darunter Spielsucht und Inhalte, die für Kinder unangemessen seien. „Ich glaube nicht, dass Handys notwendig sind für Kinder, auch nicht für Sekundarschüler. Eltern können auch auf andere Weise mit ihren Kindern Kontakt aufnehmen“, sagte er. Internetnutzung ohne Aufsicht durch die Eltern bedeute mehr Schaden als Nutzen für die Schüler.