von George N. Tzogopoulos

Auf dem vierten Eastern Economic Forum in Wladiwostok vom 11. bis 13. September möchte China mit seinen regionalen Partnern den Frieden, die Stabilität und den Handeln in Ostasien stärken. Zudem sollen vor allem mit Russland noch engere Handelsbeziehungen geknüpft werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin spricht am 7. September 2017 auf dem dritten Eastern Economic Forum in Wladiwostok, Russland.

Die ostasiatische Region ist enorm wichtig für China. Neben dem Einfluss der chinesischen Kultur ist Sicherheit eine historische Priorität, was in der Moderne durch Kriege mit Japan und Korea sowie den Grenzstreitigkeiten mit der Sowietunion veranschaulicht wurde. Sicherheit bleibt auch in diesem Jahr der wichtigste Programmpunkt. Die andauernde Nachkriegsmilitärpräsens der USA in Japan und Südkorea, die sino-japanischen Unstimmigkeiten, zum Beispiel über den Besitz der Diaoyu-Inseln, sino-russische Marine-Übungen im Ostchinesischen Meer und die Denuklearisierung auf der Koreanischen Halbinsel sind genug Beleg dafür.

Aber China geht es für Ostasien nicht nur um die Sicherheit. Handel und Investitionen sind ebenso wichtig. In diesem Kontext ist das Eastern Economic Forum in Wladiwostok von großer Bedeutung. Bereits zum vierten Mal bildet das Forum eine Plattform für einen Meinungsaustausch, der Organisation von Ausstellungen sowie der Unterzeichnung von Geschäftsdeals. Letztes Jahr haben zum Beispiel die Alibaba Group und die russische Nachrichtenagentur Sputnik eine Absichtserklärung zur strategischen internationalen Zusammenarbeit unterzeichnet.

Das Eastern Economic Forum 2018 vom 11. bis 13. September in Wladiwostok zieht zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich, weil es der erste Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping sein wird. Auf Einladung seines russischen Amtskollegen Wladimir Putin soll Xi sowohl an bilateralen wie auch an multilateralen Veranstaltungen teilnehmen.

Als starker Befürworter des Freihandels setzt sich China für die Schaffung einer ostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft ein. Inzwischen wurden bereits mehrere Integrationsprogramme diskutiert, an denen einige oder sogar alle ostasiatischen Länder und Russland teilnehmen können. Dies sind die Freihandelszone der asiatisch-pazifischen Region, die Xi auf APEC-Gipfeltreffen vorgeschlagen hat, die von China gelenkte regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) und der Kooperationsmechanismus der ASEAN mit China, Japan und Südkorea.

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, aus der Trans-Pacific-Partnerschaft (TPP) auszutreten, gibt Beijing die Möglichkeit, eine führende Rolle in der Region zu spielen.

Überdies ist China daran interessiert, die Seidenstraßeninitiative auszuweiten, welche ein inklusiver Mechanismus ist, dem viele Länder beitreten können. Sie unterstützt eine ökonomische Integration durch Instrumente wie die Asia Investment and Infrastructure Bank, in welcher Russland, die Mongolei und Vietnam Mitglieder sind und jeweils 6,5 Milliarden, 41 Millionen und 663 Millionen US-Dollar beisteuern.

Insbesondere Russland strebt eine stärkere Integration mit Ostasien und im weiteren Sinne mit der gesamten asiatisch-pazifischen Region an. Der Titel des Forums – Der Ferne Osten: Erweiterung der Möglichkeiten - ist bezeichnend für diese Ambition.

Aus einer anderen Perspektive ist Wladiwostok eine wichtige Stadt und ein wichtiger Ort für die Entwicklung der chinesisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Während der Eröffnung des chinesischen Konsulats im Jahr 2017 sagte Chinas Botschafter in Russland Li Hui, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Nordostchina und Russlands fernöstlichen und sibirischen Regionen in Wirtschaft, Kultur und Tourismus vertiefen könne.

Im vergangenen April identifizierten Vertreter aus China und Russland während des jährlichen Boao Forums für Asien auf der Insel Russki in Wladiwostok Immobilien, die Potenzial für ein gemeinsames Investitionsvorhaben bieten. Insgesamt wird die Präsenz von Xi in Wladiwostok und sein bevorstehendes Treffen mit Putin die chinesisch-russische Partnerschaft weiter stärken.

Laut chinesischen Statistiken könnte der bilaterale Handel in diesem Jahr 100 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Entscheidung der USA, wegen der Ukraine-Krise im Jahr 2014 Sanktionen gegen Russland zu verhängen, und der andauernde Handelskrieg gegen China, lässt die beiden Zielländer erfolgreich nach alternativen Absatzmärkten für ihre Produkte suchen.

Vor diesem Hintergrund wird erwartet, dass Xi und Putin gemeinsame Schritte unternehmen, um die Energiezusammenarbeit zu verbessern, die durch das Jamal-LNG-Projekt und die „Power of Siberia“-Strategie gekennzeichnet ist. Auch in diesem und dem folgenden Jahr wird die lokale Zusammenarbeit zwischen China und Russland den Weg für neue Freundschaftsinitiativen ebnen.

Erwähnenswert ist zudem, dass China in Wladiwostok eine Vorschau auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Beijing geben wird. Deshalb wurden zum ersten Mal zwei Sportgremien in das Wirtschaftsprogramm aufgenommen. In dieser Präsentation wird China nicht nur seine Pläne für eine erfolgreiche Veranstaltung vorstellen, sondern auch seine Vision skizzieren, wie das olympische Ideal als treibende Kraft für Frieden und Stabilität in einer turbulenten Region genutzt werden soll.