Die fünften deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen haben gezeigt, wie wichtig und vorteilhaft die Ausweitung der Zusammenarbeit ist. Kritiker, die China vorwerfen, eine versteckte Agenda für Europa zu haben, sollten sehen, dass die Kooperation gerade in diesen Zeiten unerlässlich für den Kampf gegen den von Amerika geführten Handelskrieg ist.

Am Ende der fünften Runde der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen wurde eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Verantwortliche Partner für eine bessere Welt" veröffentlicht, die die bedeutenden Ergebnisse von Premierminister Li Keqiangs Besuch in Deutschland verdeutlichte. Während des Besuchs unterzeichneten China und Deutschland diverse Abkommen im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Beide Seiten äußerten einstimmig ihren Wunsch, die Zusammenarbeit in den Bereichen Finanzen und Wirtschaft zu vertiefen sowie den Handelsprotektionismus zu bekämpfen und stattdessen für den freien Handel einzutreten.

Jeder Kontakt zwischen China und europäischen Politikern erregt wegen des derzeitigen US-Handelskriegs mit sowohl China als auch Europa eine hohe Aufmerksamkeit. Einige deutsche Medien haben eine komplizierte Einstellung gegenüber China. Speziell nach dem Beginn des Handelskrieges sprechen sie häufig darüber, die Zusammenarbeit zwischen China und Europa auszubauen, aber zur selben Zeit äußern sie Zweifel daran und manche fürchten sogar, dass China Europa in "eine Falle" locken wolle. Sie sind der Meinung, dass vor allem China wegen des enormen Drucks der USA gerade jetzt sehr interessiert daran ist, mit Europa zu kooperieren. Dabei ist Li Keqiangs Besuch in Deutschland in Wahrheit ein lange geplantes Treffen im Rahmen der jährlich stattfindenden Regierungskonsultationen und keineswegs eine "Hilfsreise", hervorgerufen durch den Handelskrieg. Kein Chinese würde sagen, „China und die EU verbünden sich gegen die USA.“ Chinesen sind sich der Komplexität der dreigliedrigen Beziehungen zwischen China, den USA und Europa bewusst. Gleichzeitig sind sie davon überzeugt, dass es die Pflicht aller ist, den Freihandel aufrechtzuerhalten und dass dieser im Interesse sowohl Chinas als auch Europas ist.

Der Handelskrieg der Trump-Regierung gegen den Rest der Welt ist extrem unpopulär und der Widerstand dagegen kommt von allen Seiten. Das gibt den Leuten viel Raum, um über die Beziehung zwischen den verschiedenen Fronten gegen die USA zu diskutieren und spekulieren.

Tatsächlich könnten die deutsch-chinesischen Beziehungen jedoch die Einfachheit der Vergangenheit bewahren, ihre Zusammenarbeit zum beidseitigen Nutzen ausweiten und gleichzeitig weiterhin Handel gemäß ihrer jeweiligen Eigeninteressen betreiben. Sie sollten keine Angst davor haben, dass ihre Zusammenarbeit „missverstanden“ wird. Beide Seiten sollten die Frage, wie weit ihre Kooperation reichen kann, mit einer positiven Haltung angehen. Auf chinesischer Seite wird wenig über die genaue Natur der Beziehungen mit Europa diskutiert. Für gewöhnlich wird die Zusammenarbeit mit Europa positiv gesehen und eine weitere Ausweitung unterstützt. Im Gegensatz dazu ist die öffentliche Meinung in Europa oft ambivalent und es wird unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Wirtschafts- und Handelsinteressen, Menschenrechtskonflikten oder geopolitische Standpunkte viel diskutiert.

Li Keqiangs Besuch in Deutschland hatte einige Höhepunkte: Neben der allgemeinen Vereinbarung zur Stärkung der strategischen Kooperation haben die beiden Seiten auch eine Reihe konkreter Ergebnisse erzielt, von denen viele verdeutlichen, dass China zu seinem Versprechen zur weiteren Öffnung steht. Deutschland gehört zu den ersten Nutznießern, weil es früh angefangen hat, mit China zusammenzuarbeiten. Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit ist ein Modell für den Widerstand gegen den Handelskrieg.

Es ist ein starkes Signal, dass China sich gerade in diesen Zeiten, in denen wegen des Handelsprotektionismus der Trump-Regierung weltweit Misstrauen und Zweifel dominieren, weiter für das Ausland öffnet. Obwohl die Beziehungen zwischen China und Europa in diesen besonderen Zeiten öffentlich unterschiedlich kommentiert wird, sind die Interessen zum Nutzen beider Seiten doch realer als alles andere. Sie sind jetzt noch schneller in der Lage, zueinanderzufinden. Die fünfte Runde der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen hat dies ganz klar gezeigt.

Verglichen mit den großen Errungenschaften in den Abkommen, die China und Deutschland unterzeichnet haben, sind die öffentlichen Kommentare, die Chinas „Vorhaben" in Europa anzweifeln, zu vernachlässigen. Diese Kommentare oder solche, die China als Bedrohung darstellen, kann man als ideologisch motiviert deuten. Sowohl für China als auch für Europa ist die Beibehaltung und Ausweitung der Zusammenarbeit von Vorteil. Die Streitpunkte, die es zwischen beiden Seiten auch gibt, sollten nicht komplizierter gemacht werden. Dies liegt im Interesse beider Seiten. Diese Tatsache bildet die Grundlage für die sino-europäischen Beziehungen. Gelegentlich nimmt man in Europa den Druck aus den USA wahr, gegen China aggressiver aufzutreten. Einige Leute machen China dafür verantwortlich, dass die Trump-Regierung Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte erhoben hat und droht, diese auch für europäische Autos zu erhöhen. Europa sollte jedoch stark genug sein, um nicht auf diese Fallen hereinzufallen.

Es sollte zu erwarten sein, dass China und Europa ihre Zusammenarbeit in der Zukunft weiter stärken. Während Chinas Markt groß ist und viel Potential hat, verfügen einige europäische Länder über Technologien, die China nicht hat. Diese Komplementarität sollte eine treibende Kraft für Zusammenarbeit sein und kein Grund für gegenseitiges Misstrauen. Der Handelskrieg sollte China und Europa dazu ermutigen, sich gegenseitig zu unterstützen, denn diese Zusammenarbeit wird in der Zukunft noch wertvoller sein.