Nach Ansicht von Experten, die ihre Auffassung mit statistischen Daten untermauern, sei das Interesse vieler Chinesen an einer Reise in die USA durch die wachsenden Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zurückgegangen. Stattdessen könnten sie nach Europa und Russland reisen, was dem amerikanischen Gastgewerbe und der übrigen Tourismusindustrie in den USA Schaden zufügen würde.

Die Reiseplattform Mafengwo.com hat der Global Times am Mittwoch Daten zur Verfügung gestellt, aus denen hervorgeht, dass im Juli – normalerweise die Hochsaison für Reisen in die USA – die Klickzahlen für beliebte Ziele in den USA, darunter Los Angeles, New York, San Francisco, Las Vegas und Boston, zurückgegangen seien. Stattdessen zeigten chinesische Touristen ein wachsendes Interesse an Städten in Russland und Europa. So seien zum Beispiel die Klickzahlen für Moskau um 78 Prozent und die für das französische Nizza um 31 Prozent gestiegen.

Jiang Yiyi, Direktor des Fachbereichs Entwicklung des internationalen Tourismus an der Beijinger China Tourism Academy, sagte am Mittwoch gegenüber der Global Times, dass China zwar nicht die meisten Touristen in den USA stelle, "unsere Kaufkraft allerdings ganz oben auf der Rangliste steht."

Nach einer Untersuchung der US Travel Association stellten im Jahr 2016 Chinesen die drittgrößte Gruppe ausländischer Touristen in den USA. Die Ausgaben von Besuchern und Studenten aus China, sowie die von chinesischen Reisenden in Flugzeugen amerikanischer Luftfahrtunternehmen lagen im Jahr der Erhebung bei 33,2 Milliarden US-Dollar und waren somit deutlich höher als die jeder anderen Gruppe ausländischer Touristen. Durchschnittlich gab 2016 der chinesische Tourist 6.900 US-Dollar und somit deutlich mehr als andere Besucher aus dem Ausland aus.

"Falls die Zahl chinesischer Touristen fällt, laufen ganze Bereiche der Dienstleistungsindustrie in den USA Gefahr, Schaden zu nehmen. In erster Linie wären davon der Einzelhandel, Luftfahrtgesellschaften und das Gastgewerbe betroffen," sagte Jiang.

Anfang des Monats war Brand USA, eine Organisation unter dem Travel and Tourism Act, die sich die Förderung des Tourismus in den USA verschrieben hat, mit einer Gruppe von acht Einrichtungen der amerikanischen Tourismusindustrie auf PR-Tour in Harbin, der Hauptstadt der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas.

Der Bericht der US Travel Association geht davon aus, dass im Jahr 2020 Touristen aus China die zweitgrößte Gruppe von Touristen aus Übersee stellen werden. Experten warnen jedoch davor, dass unter dem gegenwärtigen Zustand der sino-amerikanischen Handelsbeziehungen dieses Ziel verfehlt werden könnte.

"Die Einstellung des chinesischen Volkes gegenüber den USA wird sicherlich durch die amerikanische Chinapolitik beeinflusst werden. Ein alternatives Reiseziel zu finden, ist heutzutage für den Touristen mühelos möglich," meinte Jiang.

"Die Chinesen werden 'mit den Füßen abstimmen' wie sie es letztes Jahr während des Streits um die Stationierung des Raketenabwehrsystems in Südkorea getan haben."