Wirtschaftsexperten aus China und den USA haben große Sorgen gegenüber der jüngsten Eskalation im Handelsstreit zwischen den beiden Ländern geäußert. Nicht nur die gesamte globale Wirtschaft werde darunter leiden, sondern auch die USA selbst füge sich mit ihrer Politik großen Schaden zu.

US-Experten haben ihre tiefe Besorgnis über den Handelskrieg geäußert, den die US-Regierung unter Präsident Donald Trump gegen China führt und der ihrer Meinung nach sowohl die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) verletze als auch der eigenen Wirtschaft schade. Am Freitag nahm Trump den ersten Schritt, als er Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar erließ. Chinas entsprechende Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Gary Hufbauer, leitender Wissenschaftler am Peterson Institute for International Economics und ehemaliger stellvertretender Sekretär für internationalen Handel und Investitionspolitik beim US-Finanzministerium von 1977-1979, sagte, „Mobbing ist die richtige Beschreibung“ von Trumps Verhalten gegenüber China, Kanada, Mexiko und anderen Handelspartnern. Schon vor den China-Zöllen hatte die Trump-Regierung mit der Begründung der nationalen Sicherheit neue Zölle auf Stahl und Aluminium erhoben, die Gegenschläge von den US-Handelspartnern und Beschwerden bei der WTO nach sich zogen. Auch China reichte am Freitag eine Beschwerde gegen die neuesten Zölle bei der WTO ein.

„Leider gibt es zur Zeit keine effektive Gegenbewegung gegen die Zerstörung, die Trump an der internationalen Wirtschaftsordnung vornimmt“, sagte Hufbauer und fügte hinzu, dass die meisten Menschen in den USA und selbst viele Abgeordnete nicht vertraut mit den WTO-Regeln seien. Trump hatte die WTO wiederholt beschuldigt, die USA unfair zu behandeln und angeblich damit gedroht, die internationale Organisation zu verlassen. Wayne Morrison, Handels- und Finanzexperte am Forschungszentrum des Kongresses, sagte, dass unter US-Handelsexperten die große Befürchtung herrsche, dass Trumps unilaterales Handeln das von den USA selbst miterschaffene globale Handelssystem untergrabe.

Henry Levine, Berater am Albright Stonebridge Group und ehemaliger stellvertretender Sekretär für Handel in Asien in der George W. Bush-Regierung, sagte, dass Trumps Entscheidung für die Zölle auf chinesische Güter zwei seiner tiefsten Überzeugungen reflektiere: dass Handel ein Nullsummenspiel sei und dass andere Länder die USA mit ihren Handelsüberschüssen über Jahrzehnte ausgenutzt hätten. „Man kann diese zwei Sichtweisen nicht nur anhand der Zölle auf chinesische Güter sehen, sondern auch anhand der Zölle auf Produkte von US-Partnern”, erklärte er.

Ökonomen und Handelsexperten haben Trumps Interpretation widersprochen. Sie glauben, das US-Handelsdefizit sei hauptsächlich durch die amerikanische Fiskalpolitik, die geringe Sparrate und die Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung entstanden. „Trump ignoriert der Geschäftswelt. Er scheint darauf zu setzen, dass sein harter Ansatz gegen China seine politische Basis glücklich machen werde, obwohl diese Politik genau vielen von denen auf lange Sicht schaden wird”, sagte Morrison. „Ein Handelskrieg wäre sehr teuer für beide Länder sowie die globale Wirtschaft als Ganzes“, fügte er hinzu.

Eine Studie von Mary Lovely am Peterson-Institut zeigt, dass Trumps neue Zölle gegen China die nicht-chinesische Lieferkette sogar noch stärker treffen werden. Viele der chinesischen Exporte in die USA kommen von ausländischen Unternehmen, die in China Geschäfte machen.

Edward Alden, Wissenschaftler bei dem amerikanischen Think-Tank „Council on Foreign Relations“, sagte, dass die Trump-Regierung nur durch politischen Druck in der Heimat dazu gebracht werden könne, ihren Kurs zu ändern. „Meine Hoffnung ist, dass es dann eine Zeit der Reflektion gibt, in der alle beteiligten Länder einen Weg zurück an den Verhandlungstisch finden”, sagte er. Er schätze die aktuelle Lage wie folgt ein: „Ich glaube noch immer, dass noch Zeit bleibt, um eine weitere Eskalation dieses Handelskrieges zu vermeiden, aber wir befinden uns in einer gefährlichen Zeit.“ Am Freitag veröffentlichte der Handelsbeauftragte der USA einen Leitfaden für Unternehmen, der erklärte, wie sie sich um eine Ausnahme für die jüngst verhängten Zölle auf chinesische Produkte bewerben können. Demnach haben Unternehmen 90 Tage Zeit, um ihre Ausnahme zu beantragen.

„Das wirkliche Ziel der Trump-Regierung ist es, China abzuschrecken und dabei die negativen Folgen für ihre Anhängerschaft minimal zu halten“, erklärte Mei Xinyu, Forscher am Institut für Internationalen Handel und Wirtschaftskooperation des Handelsministeriums. „Tatsächlich würde der Druck auf die gesamte Wirtschaft nicht kleiner, auch wenn eine bestimmte Anzahl an US-Unternehmen die Ausnahme von den Zöllen erhalten würde. Die hohen Kosten für chinesische Güter würden irgendwann an die US-Verbraucher weitergegeben werden“, sagte Li Yong, Vizedirektor des China Association of International Trade Expert Committee.