Immer mehr Industrieunternehmen ziehen von der chinesischen Ostküste ins Landesinnere oder nach Westchina. Auf seinem Besuch in Hunan diese Woche forderte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang die zentralchinesische Provinz dazu auf, eine führende Rolle im Management dieses Industrietransfers einzunehmen.

Premierminister Li Keqiang besucht am Montag in Changsha, Provinz Hunan, eine Sektion der Online-Marktplattform „58.com“, die Babysitterinnen beschäftigt. 58.com bietet verschiedene Dienstleistungen wie Babysitten oder Hausputzen an und schafft damit jährlich etwa 2,1 Millionen Jobs.

Chinas Premierminister Li Keqiang fordert die chinesische Provinz Hunan auf, eine führende Rolle im industriellen Transfer aus dem Osten einzunehmen, da der Herstellungssektor aufgrund der dortigen geringeren Kosten langsam vom Osten ins Landesinnere zieht.

Während seines zweitägigen Aufenthalts in Hunan besuchte Li bis gestern einen Industriepark, einige Dörfer in Hengyang sowie eine Fabrik für Autokomponente, einen Maschinenproduzenten und eine Online-Marktplattform für den Austausch zwischen Konsumenten in der Provinzhauptstadt Changsha.

Im Baishazhou Industrial Park in Hengyang wurde ihm von Industrietransfers und vom technologischen Fortschritt berichtet. In den letzten fünf Jahren wanderten über 16.000 Industrieprojekte aus dem Osten nach Hunan, mit einer Gesamtinvestitionssumme von fast 1,7 Billionen Yuan (270 Milliarden US-Dollar). Dies schuf jährlich mehr als 700.000 Jobs.

Industrietransfers vom Osten nach Mittel- und Westchina befänden sich im Einklang mit den ökonomischen Gesetzen und einer ausbalancierten Entwicklung, erklärte Li. Die ganze Provinz Hunan solle eine führende Rolle für diesen Transfer einnehmen. Der Manager eines kleinen Unternehmens erzählte dem Premierminister, dass die Aufmerksamkeit der lokalen Regierungsvertreter gegenüber Unternehmen, die sich ins Inland bewegten, enorm dabei geholfen hätte, Unternehmen nach Hunan zu bringen. Li bestätigte daraufhin, dass Regierungsvertreter helfen sollten, Probleme zu lösen und eine einladende Geschäftsatmosphäre schaffen sollten. In diesem Zusammenhang forderte er eine noch einheitlichere Verwaltung und mehr Förderung von Marktaktivitäten, gepaart mit qualifizierten Services der lokalen Regierungen.

Zentral- und westchinesische Regionen sollten nun in Wettbewerb mit dem Osten treten, indem sie ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sowie vorzugspolitische Anreize setzen, sagte Li. Obwohl sie nicht über vergleichbare erstklassige Einrichtungen verfügen, könnten Zentral- und Westchina ein offeneres Geschäftsumfeld schaffen, genauso gut wie das im Osten, fügte er hinzu.

In Changsha besuchte Li die Bosch Automotive Products (Changsha) Co., ein Startup für intelligente Herstellung des deutschen Mutterkonzerns Bosch Global. China sei offen für fortgeschrittene Herstellungsstrategien aus anderen Ländern, einschließlich aus Deutschland, sagte er den Mitarbeitern. China behandle einheimische und ausländische Unternehmen gleich, heiße solche aus dem Ausland dazu willkommen, ihre Investitionen auszuweiten und garantiere den Schutz geistigen Eigentums. Die deutsche Kanzlerin hat bereits mehrfach ihren Wunsch geäußert, gemeinsam mit China Technologien für autonomes Fahren zu entwickeln. Li sagte dazu, China würde den internationalen Austausch in der Region mit anderen Volkswirtschaften gerne ausbauen.

Auf einem „Smart Workshop“ der Sany Heavy Industry Co. erfuhr Li, dass Daten aus einer Umfrage für Schwermaschinen in einen „Bagger-Index” zusammengeführt wurden, welcher einen großen Anstieg im Infrastrukturbau zeigt. Dies solle genauestens analysiert werden, um die ökonomische Vitalität der verschiedenen Regionen zeigen zu können. Der Premierminister fordert Hersteller einschließlich Sany dazu auf, industrielle Internetplattformen für Talente und innovative Ideen zu nutzen, was der integrativen Entwicklung für kleine und große Unternehmen helfen werde.