Bundeskanzlerin Merkel hat sich am Freitag weltweiten Spitzenpolitiker angeschlossen und die Einführung neuer Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium durch US-Präsident Trump kritisiert.

Niemand würde einen solchen Wettlauf gewinnen, sagte Merkel vor Journalisten in München. Deutschland würde die Europäische Union unterstützen, wenn sie sich letztlich dazu entschließen würde, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, so Merkel weiter, forderte aber als ersten Ausweg diplomatische Gespräche zur Lösung des Handelskonflikts. Die EU erwägt derzeit, ihre eigenen Abgaben auf US-Importe im Wert von rund 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen und Washington gerichtlich vor die Welthandelsorganisation (WTO) zu bringen.

Dennoch sagte Merkel am Freitag, dass ihre Regierung ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus habe. Sie beharrte darauf, dass Berlin weiterhin für den Abbau von Handelsbarrieren sei, anstatt neue zu schaffen, und hoffte, dass die EU von den von Trump angekündigten Zöllen befreit würde. Merkels Intervention war nur eine von vielen, die von Staatsoberhäuptern, internationalen Regierungsorganisationen und Think Tanks gegen Washingtons Hinwendung zu einer protektionistischen Handelspolitik eingeleitet wurden.

Trump hatte am Donnerstag offiziell 25 Prozent Zölle auf Stahlimporte und 10 Prozent auf Aluminium abgesegnet, mit ersten Ausnahmen für Kanada und Mexiko, und gesagt, dass für andere Länder durch Verhandlungen Ausnahmen möglich seien. Der britische Handelsminister Liam Fox, der zuvor seine Zuversicht zum Ausdruck brachte, dass sein Land nach dem Austritt aus der EU ein großzügiges Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten erzielen würde, bezeichnete Trumps Entscheidung als "absurd". Aufgrund der stark exportorientierten Wirtschaft verzeichnete Deutschland 2017 erneut den größten Einzelhandelsüberschuss der Welt und wäre daher besonders den negativen Folgen eines internationalen Handelskriegs ausgesetzt.