Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sagte zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuches in der Volksrepublik China, er erkenne die Rolle des Landes in der Globalisierung an und freue sich darauf, gemeinsam mit China an neuen Regeln für den globalen Handel zu arbeiten.

Für Europa, Frankreich und China müsse ein transparenterer und vorteilhafterer Kooperationsmechanismus etabliert werden, bemerkte Macron. In der strategischen Partnerschaft mit China befürworte er einen pragmatischen Ansatz. „Wir sagen die Wahrheit ohne unnötige Provokationen“, stellte er klar.

Die unsichere Zukunft Angela Merkels als deutsche Bundeskanzlerin habe ein Vakuum in der europäischen Führung hinterlassen und durch den Brexit sei Großbritannien marginalisiert worden, was Macron zu einer Stärkung der bilateralen Beziehungen mit China veranlasst habe, erläuterte der Direktor des Instituts für Internationale Angelegenheiten der Renmin-Universität, Wang Yiwei, in der Global Times. „Diese Faktoren werden Frankreich dabei helfen, eine führende Rolle in den EU-China-Beziehungen einzunehmen“, folgerte er.

Bei seinem Staatsbesuch wohnte der französische Präsident der Unterzeichnung von Abkommen in den Bereichen Luftfahrt, Energie, Landwirtschaft, Kultur, Bildung und Sport bei. Frankreich weise ein Handelsdefizit mit China auf und französische Unternehmen erwarteten einen besseren Zugang zum chinesischen Markt, sagte Macron der Zeitung am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der französischen Botschaft in Beijing. Er rief zudem zu ausgeglicheneren Wirtschaftsbeziehungen mit China auf.

Bilateraler Warenaustausch gewinnt an Schwung

Einige Projekte, die als Symbole der bilateralen Kooperation gelten, seien beschleunigt worden. Dazu zähle zum Beispiel der Ausbau des EPR-Kernreaktors in Taishan. Zudem sei eine erneute Öffnung des chinesischen Marktes für französisches Rindfleisch enorm wichtig, so Macron. China ist der achtgrößte Importeur von französischen Produkten, wie es aus der französischen Botschaft hieß.

Eines der Ziele von Macrons Staatsbesuch war der Aufbau gleichwertiger Beziehungen mit China. Die schleppende Erholung der französischen Wirtschaft nach der Finanzkrise habe die Regierung dazu gezwungen, ihren Fokus nach Osten zu verschieben. China könne dabei helfen, dem Land neue Impulse zu verleihen, sagte Bai Ming, der an der Chinesischen Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit forscht, am Mittwoch der Global Times.

„Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass sich das Defizit zwischen Frankreich und China verringert hat. Es ist deutlich niedriger als das Defizit zwischen China und den Vereinigten Staaten“, sagte Bai.

Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums erreichte das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2016 einen Wert von 47,13 Milliarden US-Dollar. Chinas Exporte nach Frankreich fielen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent auf 24,66 Milliarden US-Dollar, der Wert der Importe aus Frankreich belief sich auf 22,47 Milliarden US-Dollar.

Frankreich könnte von neuen Güterzugverbindungen profitieren

Um das Handelsdefizit zu verringern, wurden eine Reihe von Abkommen geschlossen, darunter ein Vertrag zwischen Airbus und China über den Kauf von 184 A320-Flugzeugen, der schon bald zum Abschluss gebracht werden solle, sagte Macron auf der Pressekonferenz.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekommt bei seinem Besuch der Chinesischen Akademie für Weltraumtechnologie in Beijing eine Miniatur des chinesisch-französischen Ozeanografiesatelliten CFOSAT geschenkt, Foto: AFP.

Auch andere französische Unternehmen vereinbarten neue Abkommen. Zum Beispiel schlossen die multinationale Flugzeugbaufirma Safran SA und Xiamen Airlines einen Deal über die Lieferung von Motoren im Wert von zwei Milliarden US-Dollar. Am Dienstag gab Airbus bekannt, dass das Werk in Tianjin bei der Produktion des A320 mehr Gewicht erhalten werde.

Doch Frankreich sollte bei der Erzielung einer ausgeglicheneren Handelsbilanz mit China auch über die traditionellen Sektoren hinausblicken, schlug Bai vor. „Eine Steigerung der High-Tech-Exporte wäre ein guter Ansatz“, bemerkte er.

Als Unterstützer der Seidenstraßeninitiative könnte Frankreich auch von Projekten wie dem Ausbau der Güterzugverbindungen zwischen China und Europa profitieren, analysierte Bai.

China und Frankreich verständigten sich zudem auf die Schaffung eines faireren und transparenteren Geschäftsumfeldes für Unternehmen beider Seiten und auf eine Senkung der Investitionsbarrieren. Doch einige „strategische Sektoren“ könnten noch nicht vollständig für Investitionen geöffnet werden, merkte Macron an.