Zur Akquise von Kapital an der Hongkonger Börse erwägt die chinesische Regierung die Zulassung von Yuan-nominierten Börsengängen hochqualifizierter Unternehmen, die in der Seidenstraßeninitiative engagiert sind.

Dieser Schritt würde die Rolle des Hongkonger Aktienmarktes als Offshore-Renminbi-Kapitalmarkt stärken, so ein früherer stellvertretender Finanzminister, der jetzt einer Regulierungsbehörde vorsteht.

Die Regierung würde zu diesem Zweck einige der Top-Unternehmen auswählen, die in der Initiative engagiert sind und ihnen den Erwerb ausländischen Kapital erleichtern. Dafür lägen allerdings noch keine Zeitpläne vor, weil die Diskussion der Details noch in vollem Gange sei, so Zhang Xiaoqiang, Vizevorstand des China Center for International Economic Exchanges. Zhang wurde nach dem Entwicklungsplan für die Guangdong-Hongkong-Macao-Region gefragt, der bislang noch nicht veröffentlicht worden ist.

"Durch derartige Schritte hofft die Regierung, dass Hongkong eine größere Rolle bei der Finanzierung der Seidenstraßeninitiative spielen könnte und zugleich die Internationalisierung der chinesischen Währung fördern würde," sagte Zhang.

Hongkong liberale Handhabung von Kapitaltransfers und Währungskonvertierung mache die Stadt zum idealen Ort zur Akquise von Kapital für die Seidenstraßeninitiative, fügte Zhang hinzu.

Huang Shaoming, Leiter der Forschungsabteilung für Makroökonomie der Haitong International Securities, sagte, dass die Kapitalschöpfung am Offshore-Markt dabei helfen könne, Finanzierungslücken der Initiative zu schließen. Das sei umso wichtiger, als die Neigung, sich in Projekten dieser Initiative zu engagieren durch die Reduzierung der Unternehmenssteuer in den USA, und Chinas wachsenden Versuchen, den Verschuldungsgrad der öffentlichen Haushalte zu reduzieren, unter Druck geraten sei.

Huang stützt sich auf Angaben der Asian Development Bank, die davon ausgeht, dass bis zum Jahr 2020 mehr als fünfzig Prozent der Gelder zur Finanzierung der Infrastrukturprojekte in Asien durch nichtöffentliche Gelder aufgebracht werden müsse. Dabei könnte der Schritt der Regierung der gegenwärtigen Schwäche von Aktien, die an der Hongkonger Börse in Yuan aufgelegt werden, abhelfen.

Im Mai 2011 legte der Immobilientrust Hui Xian des Hongkonger Finanzmagnaten Li Ka-shing den ersten Börsengang in Yuan-nominierten Anteilen vor und akquierte auf diese Weise Kapital in Höhe von 12,1 Milliarden Yuan (1,85 Mrd. US-Dollar).

Seitdem gab es in Hongkong keinen bedeutenden Börsengang auf der Grundlage der chinesischen Währung mehr. Wertpapiere, die in Renminbi gehandelt werden, spielen an der Hongkonger Börse nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Mehr ausländisches Anlagekapital würde sich in Renminbi-nominierten Aktien engagieren, vorausgesetzt, die Wechselkursrisiken würden in den kommenden Jahren durch eine Stabilisierung des Wertes der chinesischen Währung abgefedert werden, meint Billy Mak Sui-choi, Professor an der Abteilung für Finance and Decision Sciences an der Hongkonger Baptist University.

Er erwarte mittelfristig einen stabilen Renminbi-Wechselkurs, während dessen Langzeitperspektive vom chinesischen Wirtschaftswachstum abhänge.