von Dr. Michael Borchmann, Wiesbaden

In der Region Frankfurt, in der ich lebe, feierte in diesen Tagen das China Competence Center unserer Industrie- und Handelskammern seinen 10. Geburtstag. Als Festredner hatte man Stephan Scheuer eingeladen, bis vor kurzem Korrespondent der renommierten deutschen Zeitung Handelsblatt in China. Scheuer erzählte seinen Zuhörern von einem China, wie es wirklich ist und nicht davon, wie es leider in der deutschen Medienöffentlichkeit oft verkürzt dargestellt wird. Und eine Passage von Scheuers Ausführungen ist mir besonders in Erinnerung geblieben, nämlich sein Mahnruf: Deutschland schaue in Sachen Innovation noch viel zu sehr primär auf Silicon Valley. Tatsächlich sei man in China in vielen Bereichen schon sehr viel weiter. Und die Dienstleistungen im online-Bereich seien ebenso wie der digitale Einkauf „meilenweit“ von der Situation in Deutschland entfernt. Das gelte ebenso für „ali-pay“ und „wechat-pay“. Die Digitalisierung erfasse in China inzwischen nahezu alle Lebensbereiche. Er bekräftigte das, was Xinhua schon anlässlich der CEBIT 2015 konstatiert hatte, nämlich dass China in den Kreis der „Internetsupermächte“ eingetreten sei und seine Unternehmen wie Alibaba zu den herausragenden Akteuren weltweit gehörten.

In dieses von Scheuer beschriebene energische Voranschreiten Chinas in die digitale Zukunft fügt es sich harmonisch ein, dass man in China bereits 2014 eine Welt-Internet-Konferenz ins Leben gerufen hat, im internationalen Sprachgebrauch auch nach ihrem Veranstaltungsort in Wuzhen in Zhejiang als „Wuzhen Summit“ bezeichnet. Ob wir dies nun wünschen oder nicht: Das „Internet of Things - IoT“, d.h. die zunehmende Vernetzung, erfasst mit immer größerer Beschleunigung alle unsere Lebensbereiche. Die Bandbreite reicht von der Wirtschaft (Smart Factory) über unser gesellschaftliches Leben (Smart City) bis hin zum ganz privaten Lebensbereich (Smart Home). Ja, im weiteren Sinne gehören hierzu auch autonomes Fahren oder tragbare Computersysteme. Und es wäre fahrlässig, dieser rasanten Entwicklung nicht mit offenen Augen und einer gezielten Steuerung zu begegnen. „Diese Entwicklung des Internets kennt keine nationalen und fachlichen Grenzen. Vernünftige Nutzung und Entwicklung ebenso wie vernünftige Steuerung erfordern daher eine engere Zusammenarbeit zwischen allen und gemeinsame Anstrengungen der Menschheit um eine große Cybergemeinschaft der Zukunft aufzubauen“: Mit diesen Worten hat der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die „Philosophie“ der regelmäßigen Welt-Internet-Konferenzen erläutert.

Zur Konferenz 2017, vom 3. bis 5.12. in Wuzhen, werden mehr als 1500 leitende Akteure aus den Bereichen Regierungen, Internationalen Organisationen, Wirtschaft, Technik und Zivilgesellschaft eingeladen. Sie steht unter dem Leitmotiv: ‚Developing Digital Economy for Openness and Shared Benefits' – ‚Entwicklung der digitalen Wirtschaft zum Wohle der gesamten Menschheit‘. Dies ist ein sehr naheliegendes Leitmotiv. Denn ohne wirtschaftliches Wachstum und ohne wirtschaftlichen Fortschritt keine gesellschaftliche Stabilität. Und es ist auch völlig stimmig mit den Zielen, die Staatspräsident Xi Jinping jüngst beim 19. Parteitag der KP Chinas ausgerufen hat: Den großen Umbau Chinas zu einer führenden Hi-Tech-Nation mit den Etappen 2020 und 2035, zu einer führenden innovationsgeprägten Volkswirtschaft. Selbstverständlich wird sich die Agenda des 4. Summit nicht in dem Leitthema erschöpfen, vielmehr gibt es in den zahlreichen Unterforen umfassende Möglichkeiten, auch all die anderen Aspekte des Internet of Things zu beleuchten. Dies reicht, um nur wenige Beispiel zu nennen, vom Sicherheitsbereich wie Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung sowie Jugendschutz über FinTech (u.a. digitale Bezahldienste) und künstliche Intelligenz bis hin zu den Optionen der Digitalisierung in Kulturaustausch und Bildung. Aus persönlicher Sicht möchte ich aber ein Unterforum ganz besonders hervorheben: „Internationale Kooperation auf der ‚Digitalen Seidenstraße‘“. Das Belt & Road Projekt ist das herausragende globale Wirtschafts- und Infrastruktur-Vorhaben unserer Zeit. Es liegt auf der Hand, dass sich dieses Vorhaben nicht von den digitalen Entwicklungen der Gegenwart abkoppeln lässt. Nein, es ist umgekehrt so, dass die Digitalisierung gerade diesem Vorhaben zusätzliche substantielle Optionen eröffnet.

Die Wuzhen Summits und dementsprechend auch der Summit 2017 sind also in meinen Augen ein unverzichtbares Gebot der Zeit. Gäbe es sie nicht, sie müssten ins Leben gerufen werden. In Deutschland gibt es das Sprichwort: „Man muss auf dem Bahnsteig stehen wenn der Zug abfährt“. Die Teilnehmer des Wuzhen-Summits stehen auf dem Bahnsteig, wenn der Zug „Digitalisierung“ losfährt.

【老外谈】德国专家:乌镇世界互联网大会指引数字化未来

作者:博希文博士(Dr. Michael Borchmann)

德国黑森州欧洲及国际事务司前司长、中国商务部投资促进事务局荣誉顾问

几天前,位于法兰克福地区的德国工商会中德经济合作部刚刚举办了成立十周年的庆祝活动。曾任德国《商报》的驻华记者史蒂芬·绍耶尔(Stephan Scheuer)受邀在庆典上致辞。绍耶尔向来宾们讲述了一个真实的中国,这个中国与德国媒体所描述的中国有所不同。绍耶尔的一段话令人印象尤为深刻:在创新方面,德国的关注点还过多地停留在硅谷,而事实上中国在很多领域已经远超硅谷。中国的网络服务和电子商务的发展程度已经“遥遥领先”于德国,比如支付宝和微信支付。如今,数字化已经遍及中国人生活的方方面面。他说,正如新华社在一篇关于2015年德国汉诺威消费电子、信息及通信博览会(CEBIT)的评论中所提到的,中国已经跻身“互联网强国”的行列,包括阿里巴巴在内的中国互联网企业已经成为具有世界影响力的企业。

正如绍耶尔所说,中国正在以矫健的步伐走向数字化的未来。早在2014年,中国就主办了第一届世界互联网大会。由于大会举办地在浙江乌镇,国际上也称之为“乌镇峰会”。无论我们想或不想,“物联网”,即日益强化的物物相连的网络,正在加速改变我们生活的各个方面。从经济领域的智能工厂到社会领域的智慧城市,再到个人生活的智能家居,网络无处不在。从广义上来讲,“物联网”还包括无人驾驶汽车和可穿戴设备。如果不对互联网的快速发展予以高度关注和精准把控,将会错失发展的机会。“互联网发展是无国界、无边界的,利用好、发展好、治理好互联网必须深化网络空间国际合作,携手构建网络空间命运共同体。”这是中国国家主席习近平在2016年世界互联网大会上所阐述的网络发展观。

2017年的世界互联网大会于12月3日至5日在乌镇举行,与会的1500多名嘉宾是来自各国政府、国际组织、企业、技术社群和民间团体的互联网领军人物。本届大会主题为“发展数字经济 促进开放共享——携手共建网络空间命运共同体”。这一主题与我们的生活息息相关,因为没有经济增长和科技进步,就没有社会的稳定,同时这完全符合习近平在刚刚结束的十九大上所提出的目标:从2020到2035年,中国科技实力将大幅跃升,跻身创新型国家前列。当然本届互联网大会的议题并不仅限于一个主题,一系列的分论坛涉及多方面的丰富内容,也包括物联网的各个领域。从包括刑事侦查和反恐以及青少年保护在内的安全领域,到金融技术(如数字支付)和人工智能,以及文化交流和教育领域的数字化,都是会议讨论的内容。特别值得一提的是分论坛“‘数字丝绸之路’国际合作”。“一带一路”倡议是这个时代最杰出的全球性经济和基础设施建设规划。这一规划显然不是与当前的数字化发展相脱节的,与之相反,数字化为“一带一路”开辟了更多的发展空间。

因此,包括本届大会在内的乌镇峰会是时代的产物,它的召开是具有历史发展的必然性。德国有句谚语“要在火车开走前登上站台”,指的是要抓住机遇、做好准备。乌镇峰会的参与者们已经登上了站台,准备乘坐“数字化”这趟快车。