Größere chinesische Städte, Entwickler und der Finanzsektor machen derzeit große Bemühungen, um sich einer von der Regierung geleiteten Kampagne anzuschließen, um den Markt für Mietwohnungen zu entwickeln.

Dieser Schritt folgt, da die obersten Behörden des Landes darauf abzielen, eine langfristige Lösung für den überhitzten Immobilienmarkt zu finden, indem die Menschen dazu ermutigt werden, Wohnungen eher zu mieten als zu kaufen. Für eine lange Zeit haben die rasch steigenden Preise für Eigentumswohnungen die städtischen Bewohner unter Druck gesetzt. Das hat es für die politischen Entscheidungsträger schwierig gemacht, Wohnen für die breite Masse erschwinglich beziehungsweise leistbar zu gestalten.

Nun möchte die Regierung den Markt für Mietwohnungen weiter bearbeiten, um die Preise für Wohnen zu stabilisieren und Spekulationen einen Riegel vorzuschieben. Ein Schlüssel dafür ist, dass Mieter mit denselben öffentlichen Dienstleistungen und angenehmen Lebensbedingungen ausgestattet werden sollen, welche auch die Besitzer einer Wohnung genießen. Eine neue Politik für Mietwohnungen ist in Beijing erst vor kurzem in Kraft getreten. Dabei werden die Erziehungs- und Bildungsrechte der Kinder von Mietern garantiert. Personen, welche eine von der Regierung subventionierte Wohnung mieten, sollen ihr „hukou“ (also ihre Haushaltsregistrierung) offiziell registrieren und auf ihre Mietwohnung übertragen können.

In der südchinesischen Stadt Guangzhou wurde vor kurzem ebenfalls eine neue Politikrichtlinie verabschiedet. Darin wird festgelegt, dass das Pro-Kopf-Wohngebiet in einer Mietwohnung nicht geringer als 5 Quadratmeter sein darf. Damit soll eine gesunde und sichere Umgebung für die Mieter sichergestellt werden. Mindestens zehn Städte haben Land für die Errichtung von Mietwohnungen umgewidmet, wie aus den Daten der Firma Centaline Property hervorgeht. In Beijing planen die Behörden, bis zum Jahr 2021 mindestens 6.000 Hektar an Land für Wohnbauprojekte zur Verfügung zu stellen, 30 Prozent davon sind für Mietwohnungen bestimmt.

Die Mitbewerber am Markt sehen sich bereits nach Möglichkeiten und Geschäftsmodellen um. China Vanke ist einer der landesweit größten Immobilien-Entwickler. Die Firma hat noch im Juli 12.000 bis 18.000 Wohnungen für langfristige Mietverträge angeboten. Mit Ende des Jahres soll diese Zahl auf 100.000 angehoben werden, wie Yu Liang bekannt gab. Er ist der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer des Unternehmens. AliPay ist die führende Plattform für Bezahlen auf mobilen Endgeräten. Das Unternehmen hat im letzten Monat angekündet, man wolle es den Kunden in acht Städten ermöglichen, Wohnungen über die Plattform zu mieten, ohne dabei eine Kaution hinterlegen zu müssen. Das Vergabeverfahren basiert dabei auf ihren Kreditwürdigkeit.

Finanzielle Innovationen ermöglichen es, den Managern von Mietobjekten neuen Zugang zu Finanzierungen zu bieten. Im letzten Monat wurde quasi eine Immobilien-Investment Treuhand geschaffen („real estate investment trust“ beziehungsweise „REIT“). Damit soll einem Eigentumswohnung-Manager in Beijing ermöglicht werden, Wertpapiere für Kleinanleger zu schaffen, die gegen das Einkommen aus Mietwohnungen gesichert sind. Es ist das erste Finanzprodukt seiner Art in China.

All diese neuen Maßnahmen sind Teil der Bemühungen, die Leistbarkeit der Wohnungen zu verbessern und den Markt für Immobilien mittel- und langfristig zu stabilisieren. Dies geht aus einem Report der globalen Rating-Agentur Moody's hervor.

Zhang Dawei, ein Analyst bei der Firma Centaline Property sagte, die Entwicklung von Mietwohnungen könnte dabei helfen, „ein dramatisches Auf und Ab am Wohnmarkt zu verhindern und eine irrationale Nachfrage zu vermeiden“. Chinas einst ungezügelter Immobilienmarkt hat bereits Anzeichen einer Abkühlung gezeigt. Die Preise in verschiedenen großen Städten sind aufgrund der Regulierungen der Regierung ins Stocken geraten. Die Behörden der Zentralregierung haben bei vielen Gelegenheiten bekräftigt, dass „Wohnungen zum Leben dienen sollten und nicht den Spekulationen“.

Für viele neue Siedler in den Städten ist der Kauf einer Wohnung zu teuer, während Mietwohnungen meist weniger Komfort, häufiges Siedeln, einen Mangel an öffentlichen Dienstleistungen und Streit mit unehrlichen Maklern bedeuten.