Nur gerade 3 Minuten und 1 Sekunde dauerte es, bis Alibaba am Single-Day auf seiner Online-Handelsplattform Waren im Wert von 10 Milliarden Yuan verkauft hatte. Damit brach der Online-Gigant seinen letztjährigen Rekord, als er die gleiche Menge in 3 Minuten und 57 Sekunden veräußerte.

Im Rechenzentrum von Alibaba in Shanghai behalten Hunderte Reporter aus aller Welt die Echtzeit-Verkaufszahlen im Auge. Gleichzeitig tippen sie etwas in ihre Smartphones. Die Szene erinnert an das Treiben an einer Börse. Als die Anzeigetafel 10 Milliarden erreichte, stieg ein Jubel auf. Der chinesische E-Commerce-Riese konnte ein weiteres bemerkenswertes Jahr verzeichnen.

Diese gewaltige Zahl an Bestellungen stellt für den Kurierunternehmen eine Herausforderung dar. Vor einem Jahr waren während des Ausverkaufs zum Single-Day, der jeweils auf dem 11. November fällt, 467 Millionen Pakete verschickt worden, was etwa 1,5 Prozent des jährlichen Totals ausmacht.

Um dieses enorme Volumen zu bewältigen, werden neue Technologien zur Effizienzsteigerung eingesetzt. Elektronische Bestellformulare, automatische Sortiermaschinen und Logistikroboter tragen zur Entlastung bei und senken die Arbeitskosten. Sortiermaschinen können in einer Stunde bis zu 18.000 Pakete verarbeiten, während Roboter rund 70 Prozent der manuellen Arbeit einsparen.

Dieses Modell, bei dem in der Logistik künstliche Intelligenz eingesetzt wird, verändert derzeit die Expresszustellungsindustrie des Landes explosionsartig. Es wird damit gerechnet, dass in der Woche nach dem 11. November insgesamt 1,5 Milliarden Pakete ausgeliefert werden.

Der Single-Day ist allerdings nicht nur zum Schlachtfeld für Händler und Einkäufer geworden, sondern auch für die IT-Ingenieure. Wenn Millionen Menschen gleichzeitig auf den Apps nach Schnäppchen suchen, belastet das die Server. In den vergangenen Jahren hatten es die Leute versäumt, ihre Zahlungen sofort zu bestätigen, da sie versuchten, die ersten zu sein, die gute Angebote bekommen.

2013 führte Alibaba einen gründlichen Stresstest durch, bei dem echte Online-Nutzer prüfen konnten, ob das System der Nachfrage nachkommt. In den ersten drei Jahren misslang das den Ingenieuren. Dieses Jahr wurde jedoch das "Project Vanguard" entwickelt. Dabei werden viele Tests von einem KI-System durchgeführt, das die Größe des Benutzervolumens abschätzt und auf dieser Grundlage entscheidet, welche Maßnahmen getroffen werden müssen. Trotz all dieser technologischen Zaubereien hatten einige Kunden Schwierigkeiten, ihre Einkäufe in den ersten zwei Minuten des diesjährigen Ausverkaufs abzuschließen.