Die chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge machen der zivilen Luftfahrtindustrie zu schaffen, sagte ein Fachmann am Donnerstag. Aber mit den Herausforderungen entstehen auch neue Chancen.

"Bisher glaubten wir, dass der Markt für Reisen mit Hochgeschwindigkeitszügen in einem Radius von 800 Kilometern liegt", sagte Han Zhiliang, Präsident von Chinas verkehrsreichsten Flughafen, dem Beijing Capital Airport. "Aber mit der Entwicklung des Streckennetzes könnte er sich auf 1000 Kilometer ausweiten."

Chinas zivile Luftfahrt stehe in den nächsten fünf Jahren vor mehreren großen Herausforderungen, so Han. "Anders als Flüge sind Züge weniger stark Wetterschwankungen ausgesetzt. Die Preise sind günstiger. Das Streckennetz entwickelt sich schnell. Die meisten Regionen mit einem Flugplatz haben auch Zugang zu einem Hochgeschwindigkeitszug."

Die Auswirkungen der Hochgeschwindigkeitszüge auf die drei wichtigen staatlichen Fluggesellschaften Air China, China Southern Airlines und China Eastern Airlines zeigen sich in deren letzten Halbjahresbilanzen.

Air China schrieb im Bericht, dass China das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt aufgebaut habe und immer weiter in den Westen vordringt. Viele Nutzer bevorzugen den Zug für Kurz- und Mittelstrecken wegen der höheren Frequenzen, der günstigen Preise sowie der höheren Pünktlichkeit und Bequemlichkeit. Der zunehmende internationale Wettbewerb und die schwierige globale Situation machen ebenfalls der chinesischen Luftfahrtindustrie zu schaffen.

Doch große Herausforderungen bieten auch große Chancen. Chinas anhaltendes Wirtschaftswachstum und die Öffnungspolitik helfen der Entwicklung der zivilen Luftfahrt, so Han. 2016 transportierten chinesische Airlines rund 490 Millionen Passagiere. Nur die Fluglinien in den USA hatten mit fast 903 Millionen Personen mehr Passagiere. „China hat das Potential, die USA zu überholen“, sagte Han. Die Seidenstraßeninitiativen würden zudem die internationale Kommunikation stärken, was auch die Zahl der Passagiere erhöhen dürfte.