Die zunehmenden Spannungen wegen Pjöngjangs Raketentests scheinen für die chinesische Stadt Dandong weit entfernt zu liegen. Hier rattern Lastwagen über die Brücke nach Nordkorea und Menschen spazieren in Sichtweite der Grenzwächter den Yalu-Fluss entlang.

Der Yalu-Fluss bei Dandong

Nachdem die sommerliche Hauptreisezeit nun langsam zu Ende geht, sagen Angestellte in Hotels, Restaurants und Reisebüros, dass die nordkoreanischen Aktivitäten und die Drohungen, die sowohl Pjöngjang wie Washington ausstießen, nur einen geringen Einfluss auf das Leben der Menschen hatten. “Die Atomtests hatten keine Auswirkungen auf unser Leben”, erklärte etwa der Verkaufsleiter des am Fluss gelegenen Restaurants Andongge. “Alles verläuft wie gewohnt.”

Dandong ist die größte chinesische Stadt an der Grenze und der wichtigste Knotenpunkt für den Tourismus und den Handel mit Nordkorea. Die Beziehungen sind wegen des Strebens des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un nach ballistischen Interkontinentalraketen und Atomwaffen durchaus getrübt. Aber die Zwischenfälle würden selten diskutiert, sagte Wu Haixia, Manager des Hotels Huyue Inn. “Wir haben bisher nie gehört, dass Kunden über das Thema sprechen.”

Zwar ist die Grenze in der Nähe von Dandong mit einem Zaun gesichert und stark bewacht. Doch ein großer Teil von ihr ist offen. Insbesondere im Winter, wenn der Yalu und andere Fluss zufrieren, ist es leicht, die Grenze zu überqueren.

Auch wenn es aussieht, als sei die chinesische Seite der Grenze kaum beeinträchtigt, so ist doch zu sehen, dass die Bereitschaft der Chinesen zurückgegangen ist, Tagestrips nach Nordkorea zu unternehmen, sagte der Chef der dortigen Reiseagentur Pengyun. “Ein Teil der Kunden hat Sicherheitsbedenken und stellt bei den Beratungsgesprächen Fragen zu den Atomtests.”

Insgesamt hat es aber den Anschein, als würden sich die Chinesen in Dandong nur wenig Sorgen wegen der gegenwärtigen Lage machen. Laut einer 61 Jahre alten Besucherin aus Beijing haben sich die zwischenstaatlichen Beziehungen seit dem Koreakrieg massiv verschlechtert. Damals seien die beiden Länder “so nahe wie Lippen und Zähne” gewesen, sagte sie mit Verweis auf einen geläufigen Ausdruck jener Zeit. Doch auf die Frage, wie die Situation die Chinesen beeinträchtigt, meinte sie lediglich: “Das ist keine Erwähnung wert.”