Indien ist ein aufsteigender Stern auf dem Gebiet der Fertigung auf dieser Welt geworden. Dies hat es überwiegend seinen billigen Arbeitskräften und möglichen neuen Kunden zu verdanken. Man sollte jedoch bedenken, dass indische Waren im Vergleich zu chinesischen Produkten noch immer zehn Jahre hinterher sind. Dies betrifft insbesondere Produkte des täglichen Bedarfs und Haushaltsgeräte.

In den vergangenen Wochen haben rechts stehende Organisationen in Indien zum Boykott chinesischer Waren aufgerufen. Dies steht im Zusammenhang mit einer anhaltenden militärischen Auseinandersetzung der beiden Länder in der Doklam-Gegend. Die Hindustan Times hat jedoch eine Online-Umfrage des Local Circle, Indiens führender Bürger-Engagement-Plattform, zitiert. Darin wurde kürzlich gesagt, 83 Prozent der 8.689 Befragten hätten gesagt, sie würden "chinesische Produkte ihren indischen Versionen vorziehen, weil sie glauben, sie seien billiger".

Es gibt komplexe Erklärungen für die Kostenvorteile chinesischer Produkte. Dazu gehören komplette inländische industrielle Verarbeitungsketten. Sie können dazu beitragen, die Produktionskosten zu senken. Indien versucht seit langem, China als weltweites Fertigungs-Zentrum zu ersetzen. Dieses Ziel kann jedoch nicht über Nacht erreicht werden, wie die Ergebnisse der Umfrage von Local Circles zeigen. Angesichts dieser Situation könnte die Einwerbung ausländischer Investitionen für Indien eine Beschleunigung zum Erfüllung seines Traumes darstellen.

Indien hat ein hohes Wirtschaftswachstum und eine junge Erwerbsbevölkerung. Es ist für ausländische Investoren im Fertigungssektor immer beliebter geworden. Es kann jedoch zwei bis drei Jahre dauern, um für den Bau einer Fabrik Erkundigungen einzuholen, Verträge abzuschließen und die Fabrik zu bauen. Dann dauert es noch einmal ein oder zwei Jahre, um Vertriebskanäle im Land aufzubauen. Erst dann haben die Bürger vor Ort die Möglichkeit, diese Produkte Made-in-India zu kaufen.

Veraltete Infrastruktur und ein ungünstiges Investitionsklima können die Kosten zwar erhöhen. Aber im Ausland ansässige Hersteller können Importzölle vermeiden, indem sie die Produktion und den Vertrieb ins Land verlegen. Insofern könnten Produkte Made-in-India wahrscheinlich einige Vorteile gegenüber ihren chinesischen Gegenstücken haben. Weiterhin könnten sie zur Eindämmung von Indiens Handelsbilanzdefizit mit China beitragen.

Viele chinesische Unternehmen, wie der Telekomausrüstungshersteller Huawei, haben Pläne zur Errichtung von Fertigungsstätten in Indien angekündigt. Das Land wird in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich umfangreiche ins Land strömende Investitionen erleben. Sein Konsummarkt wird reifen. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ausländische Unternehmen, die in Indien Geschäfte betreiben, genauso behandelt werden, wie einheimische Unternehmen.

Produkte Made-in-India müssen nicht unbedingt von einheimischen Unternehmen hergestellt werden. Huawei Smartphones, die in Indien hergestellt werden, sollten genauso behandelt werden, wie lokale Produkte. Schließlich kann das chinesische Unternehmen Jobs schaffen und Steuern für die Wirtschaft des Landes zahlen.

Indien kann in den nächsten zehn Jahren bei der Produktion mit China gleichziehen. Dabei kann es sein Handelsbilanzdefizit mit China verringern. Das Ziel wird jedoch für immer unerreichbar bleiben, wenn Indien ausländische Investoren unfair behandelt und sich nur auf einheimische Unternehmen verlässt, um zu einem weltweiten Fertigungs-Zentrum zu werden.