Archivbild: Im Frühjahr von 2014 wurden ca. 20.000 Vögel wegen der Ausbreitung von H7N9 in Hongkong geschlachtet.

In Chinas Sonderverwaltungsregion Hongkong sind zwischen Mai und Anfang August bisher 324 Todesfälle gemeldet worden, die auf saisonale Grippe zurückzuführen sind. Die Behörden der Stadt warnen jedoch vor einem Vergleich mit der SARS-Epidemie aus dem Jahr 2003. Solche Vergleiche seien irreführend. Für Guan Yi, den Direktor des Staatlichen Labors für Infektionskrankheiten und dem Zentrum für Grippeforschung CHP sagte, diese Zahlen ließen sich nicht miteinander vergleichen. Eine derart übertriebene Berichterstattung würde die Situation nur verschlimmern und zu Panik führen.

Tödliche verlaufende Fälle von Sommergrippe beträfen vor allem Senioren, da viele von ihnen ein geschwächtes Immunsystem und Vorerkrankungen aufwiesen. Sommergrippe könne auch weitere Komplikationen auslösen, die tödlich verlaufen könnten, fügte er hinzu.

Verglichen mit dem Jahr 2003, als es in Hongkong zum Ausbruch der SARS-Epidemie gekommen war, bestehe jedoch kein Grund zur Sorge, versicherte Guan Yi. Damals sei das Virus wesentlich gefährlicher gewesen und habe zu deutlich mehr Todesfällen geführt, erläuterte er. Zwischen März und Juni 2003 waren in Hongkong 299 Personen an der Epidemie gestorben, dies entsprach etwa 17 Prozent der Erkrankten.

Mit Blick auf die Grippefälle belief sich die Zahl der Todesfälle in der Wintersaison 2015 auf 442. 2016 waren es 171 Fälle, berichtete das Zentrum für Gesundheitsschutz der Stadt. Nach Angaben des Hongkonger CHP führt die Sommergrippe in etwa zwei Prozent der Fälle zum Tod.

Experte sieht keine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren

Währenddessen gab das Seuchenkontrollzentrum in Shenzhen seine bisher höchste Warnstufe für saisonale Grippe heraus. Das Risiko habe in den vergangenen drei Wochen stetig zugenommen. Da die Zahl der Neuinfektionen weiter gestiegen sei, erfordere die Situation ein hohes Maß an Wachsamkeit.

Doch für Song Tie, den stellvertretenden Direktor des Zentrums für Seuchenkontrolle in Guangdong, weist die Situation in diesem Jahr Ähnlichkeiten mit vergangenen Jahren auf, die Zahl der Neuinfektion habe ihren Höhepunkt lediglich etwas später erreicht.

In der südlich gelegenen Provinz Guangdong bricht die Grippe normalerweise zwischen Mai und Juli aus, doch je nach Virusstamm könne die Saison etwas früher oder etwas später beginnen, sagte Kong Dongfeng, ein leitender Mediziner am Shenzhener Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention.

Der am meisten verbreitete Grippeerreger ist der H3N2-Virus, der 75 Prozent aller Infektionsfälle in Guangdong auslöst. Im vergangenen Monat waren in Shenzhen 1468 Grippefälle gemeldet worden, im Juni waren es noch 848 Fälle gewesen.