Chinas wirtschaftliche Errungenschaften in den vergangenen Jahrzehnten haben eine wachsende Zahl von Entwicklungsländern dazu bewogen, Beamte nach China zu schicken, um das Geheimnis des chinesischen Erfolgs zu erlernen.

Viele Entwicklungsländer haben begonnen, alte Entwicklungsstrategien zu überdenken, die westlichen Modellen folgen, und wollen vermehrt von Chinas Erfahrungen und dessen Modell der Urbanisierung und Modernisierung lernen, sagen Experten.

Ahmed Ramy, Direktor der Abteilung Wirtschaftsforschung bei der ägyptischen Zentralbank, besuchte gemeinsam mit 23 Finanz- und Wirtschaftsbeamten aus anderen Ländern einen Kurs in Beijing, in dem die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung von China unterrichtet wird. Ägypten und China begann sich beide in den 1970er-Jahren zu öffnen, sagte Ramy. Doch weil China erfolgreicher war als Ägypten, möchte Ägypten nun von China lernen.

Die Schule für öffentliche Verwaltung und Management der Tsinghua-Universität empfing seit 2007 Offizielle und Wissenschaftler aus über 90 Ländern, sagte Rektor Xue Lan am Donnerstag zur Global Times. Darunter hätten sich nicht nur Entwicklungsländer befunden.

"Die Schule bietet zwei Masterprogramme auf Englisch zur internationalen Entwicklung und zur öffentlichen Verwaltung an. Viele Länder, zumeist aus Afrika, schicken ihre Offiziellen an unsere Schule", sagte Xue. Dabei würden die Schüler nicht gezwungen, die chinesische Ideologie zu übernehmen. "In den Kursen werden nicht nur das chinesische Modell durchgenommen, sondern auch die Lehren thematisiert, die die Schüler aus ihrer eigenen Entwicklung mitbringen."

Alternative zu westlichen Methoden

Viele Entwicklungsländer wurden von westlichen Ländern kolonisiert. Nachdem sie die Unabhängigkeit erlangten, hielten die meisten am alten westlichen System fest. Ihre ehemaligen Kolonisatoren erziehen die Eliten immer noch mit westlichen Ideologien und Entwicklungsmustern, sagte Wang Yiwei, Direktor des Instituts für Internationale Angelegenheiten an der Renmin Universität.

Wenn sie sehen, dass ein östliches Land, das nicht dem Weg der Verwestlichung folgt, in den vergangenen Jahrzehnten eine große Entwicklung durchlief und sogar eine ernstzunehmende Macht geworden ist, sind sie möglicherweise darüber enttäuscht, was sie im Westen gelernt haben, sagte Wang. "Deshalb schauen sie jetzt nach Osten."

"Wir sagen nicht, dass das chinesische Entwicklungsmodell perfekt oder auch nur besser ist als der westliche. Aber wir haben von vielen Ländern gelernt und folgen keinem blind. Wir folgen dem Weg der Entdeckung, der auf dem nationalen Zustand Chinas basiert. Das ist der Schlüssel zur erfolgreichen Entwicklung Chinas ", sagte Bai Ming, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der chinesischen Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit unter dem Handelsministerium.

"Es ist wahr, dass andere Entwicklungsländer von uns lernen sollten, aber sie sollten nicht versuchen, alles von China zu kopieren. Sie müssen einen Weg finden, der zu ihren eigenen Bedingungen passt", so Bai.

"Ein Student aus Afrika erzählte mir, dass er nach der Teilnahme an dem Kurs zwar die Erfahrungen und Vorstellungen von China über die Entwicklung verstand, aber gleichzeitig erkannte, dass er diese nicht in seinem Land anwenden konnte, weil dieses keine mächtige Regierung und keine mächtige Partei hat ", sagte Xue.

"Aber ihre Perspektive begann sich zu ändern. Obwohl wir nicht sagen können, dass sie alles von uns schätzen, hinterfragen sie inzwischen, was ihnen der Westen gelehrt hat und versuchen nun, die ideologischen Zwänge zu durchbrechen. Zum Beispiel beginnen sie zu verstehen, dass es neben der Verwestlichung noch andere Arten gibt, eine Urbanisierung und Modernisierung zu erreichen", fügte Xue hinzu.

Einige chinesische Erfahrungen wie "Stabilität ist die wichtigste Grundlage der Entwicklung" und "Infrastruktur ist die Grundbedingung für Wohlstand" hätten eine größere Akzeptanz erhalten, sagte Bai.

Einige der Beamte, die in China studieren, sind auch auf der Suche nach Investitionen aus China. Der nepalesische Beamte Ram Hari Neupane setzt sich beispielsweise in den Seminaren für Nepals hydroelektrische Ressourcen ein.

Trotzdem werden chinesische Entwicklungsmethoden von vielen Ländern akzeptiert und in die Praxis umgesetzt, sagte Xue. Als Beispiel nannte er die Sonderwirtschaftszonen, die von einigen afrikanischen Ländern übernommen wurden.

Der kenianische Kabinettssekretär für Transport und Infrastruktur, James Macharia, sagte der Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag, dass sein Land die Gründung von "Sonderwirtschaftszonen" in Naivasha vorgeschlagen habe, um die Vorteile der neugebauten Eisenbahn, der Nairobi-Naivasha Standard Gauge Railway, zu maximieren.