Der Westen versinkt in einer Chaosflut. Am Mittwoch hat ein Schütze das Feuer auf Mitglieder des Kongress-Baseball-Teams der Republikaner eröffnet und vier Personen verletzt. Unter ihnen ist Steve Scalise, Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses. Nur Tage zuvor hatten die Generalstaatsanwälte in Washington DC und Maryland Klage gegen Präsident Donald Trump erhoben. Sie werfen ihm vor, gegen die Verfassung verstoßen zu haben. Europa ist von Terrorismus überschattet. Ein Feuer in London hat kürzlich mindestens 17 Menschen getötet, was ernste Versäumnisse der Verwaltung und der Rettungsdienste offenbart.

Die Einrichtungen im Westen sind noch immer einsatzbereit, aber die Qualität nimmt ab. Während Einigkeit und Zusammenhalt im Westen zurückgehen, werden viele Länder von politischem Streit und internen Auseinandersetzungen heimgesucht. Überwältigt von internen Problemen hat das Selbstvertrauen des Westens den härtesten Schlag seit dem Ende des kalten Krieges erlitten.

Der Westen ist ein Schlüsselfaktor für Chinas Aufstieg. Seit den Anfängen von Reform und Öffnung blickt China auf den Westen. Er ist auch eine Führungskraft bei Technologie und Kapital. Doch westliche Werte und ideologische Infiltration sind für China ernste politische Herausforderungen geworden. Parallel zu Chinas wachsender Stärke haben die USA und Japan gemeinsam größeren geopolitischen Druck auf China ausgeübt. Das momentane Chaos im Westen könnte zu einigen Veränderungen führen. Zunächst wird es weniger Gelegenheiten für westliche Länder geben, China als ihren gemeinsamen Gegner anzusehen. Durch wachsenden bilateralen Handel werden vielfältige Beziehungen zwischen China und dem Westen gebildet. Außerdem wird der Westen momentan von Widersprüchen geplagt.

Der ideologische Druck des Westens wird eine zeitlang ebenfalls geringer sein. Traditionelle Menschenrechts-Ideale sehen sich im Westen mehr und mehr Kontroversen gegenüber, was zunehmend die Konsequenzen von zuviel Demokratie und Freiheit ist. Außerdem haben die internen Auseinandersetzungen viel Aufmerksamkeit, die zuvor China zuteil geworden ist, auf andere Gebiete gelenkt. Die Theorie der Bedrohung durch China ist nicht stichhaltig. Der Westen macht sich mehr und mehr Sorgen über Dinge wie die Ankurbelung der Wirtschaft und die Terrorismusbekämpfung, ein Trend, der künftig noch zunehmen wird.

China muss auch den Westen neu bewerten. Zu Zeiten, in denen der Westen mit unterschiedlichen Problemen kämpft, muss sich China die Zeit nehmen, seine eigenen Angelegenheiten gut zu regeln. China sollte zuversichtlicher sein, ohne sich übermäßig darum zu kümmern, wie der Westen es sieht. Die Entwicklung in China und im Westen hat gezeigt, dass Chinas Weg richtig ist. Vereinzelte Kritik der öffentlichen Meinung im Westen wird nichts an der Realität ändern.

Es ist eine günstige Zeit für China, innerhalb des Landes einen Konsens zu finden. Viele der falschen Ideen in Chinas öffentlicher Meinung stammen von der Verehrung des Westens. Was dort passiert, wird das Verständnis der Öffentlichkeit korrigieren. China sollte das Ausmaß, wie durcheinander der Westen wird, aber nicht überschätzen. Es ist schwer zu sagen, ob das bedeutet, dass der Druck auf China abnehmen wird. China muss die Initiative ergreifen, indem es die Fähigkeit entwickelt, mit Notfällen und unvorhersehbaren Ereignissen umzugehen. Eine aufsteigende Macht wird Höhen und Tiefen erleben. Das wird für China nicht anders sein.