Chinas Bevölkerung ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Ursache ist die niedrige Geburtenrate, die aufgrund von Covid-19 noch einmal zurückgegangen ist. Experten meinen jedoch, dass die demografische Dividende Chinas nicht sofort verschwinden wird.

Ende 2022 lag die Bevölkerung des chinesischen Festlandes bei 1,41175 Milliarden Menschen, darin eingeschlossen die 31 Provinzen, autonomen Regionen und Gemeinden sowie Armeeangehörige, doch ohne die Einwohner von Hongkong, Macao und Taiwan sowie die auf dem Festland lebenden Ausländer. Dies entspricht einem Rückgang um 850.000 Personen gegenüber dem Stand von Ende 2021, teilte das Nationale Statistikamt Chinas (NBS) am Dienstag mit. Es ist das erste Mal seit 1962, dass die Bevölkerung des Landes schrumpft.

Beobachtern zufolge ist das negative Bevölkerungswachstum das unvermeidliche Ergebnis der langfristig niedrigen Geburtenrate des Landes, doch die demografische Dividende werde nicht verschwinden. Su Hainan, wissenschaftlicher Mitarbeiter der China Association for Labor Studies, bezeichnete dies als natürliches Ergebnis der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, das dem Bevölkerungswachstum in Europa, den USA und Japan ähnele.

„Die Daten sind nicht unerwartet und entsprechen den Gesetzen der Bevölkerungsentwicklung“, sagte auch Yuan Xin, Professor am Institut für Bevölkerung und Entwicklung an der School of Economics der Nankai-Universität der Global Times. „Die Bevölkerung des Landes verzeichnete 2021 einen Nettozuwachs von 480.000 und 2022 einen Nettoabfall von 850.000. Für 1,4 Milliarden Menschen ist die Differenz sehr gering. Die Bevölkerung des Landes bewegt sich immer noch in der Phase des Nullwachstums.“

Yuan glaubt, dass es ungewiss ist, ob sich das Bevölkerungswachstum in Zukunft wieder erholen wird. Einige Menschen zögern eine Schwangerschaft aufgrund von Covid-19 hinaus, weil sie Impfungen erhalten oder Virusinfektionen durchlitten hätten, was nach der Stabilisierung der Epidemie zu einem kleinen Babyboom führen könnte.

Nach der Einführung der Drei-Kind-Politik im Mai 2021 haben die lokalen Regierungen ihre Bemühungen in Bezug auf wirtschaftliche Unterstützung und Dienstleistungen verstärkt, was einige dazu ermutigen wird, Kinder zu bekommen, so Yuan.

Der demografische Wandel bringe Herausforderungen für das Wirtschafts- und Sozialsystem mit sich, biete aber gleichzeitig neue demografische Chancen, so Yuan. Er wies Stimmen zurück, die behaupteten, die demografische Dividende des Landes sei völlig verschwunden.

„Die Bevölkerungszahl wird in der frühen Phase der Schrumpfung immer noch riesig sein, was bedeutet, dass das Land seinen riesigen Markt behalten wird. Die Gesamtbevölkerung wird 2035 immer noch über 1,4 Milliarden und 2050 immer noch über 1,3 Milliarden betragen“, prognostizierte Yuan.

Im Vergleich zu den westlichen Ländern wächst die alternde Bevölkerung in China viel schneller, und der Trend „alt zu werden, bevor man reich wird“, ist offensichtlich. Um das durch die alternde Bevölkerung verursachte Problem der Humanressourcen zu lösen, schlug Su vor, mehr Anstrengungen zu unternehmen, um die Berufsausbildung zu fördern, berufliche Talente zu unterstützen und die über 60-Jährigen zu ermutigen, im Berufsleben zu bleiben.