Ein Turmdrehkran lädt Container von einem China-Europa-Güterzug im Hamburger Hafen.

Ab dem 1. Oktober wird Deutschland möglicherweise eine neue Gasumlage erheben. Es wird erwartet, dass ein solcher Schritt, der eine Reaktion auf die derzeitige Energiekrise und steigende Preise darstellt, den Inflationsdruck in Europas größter Volkswirtschaft erhöhen, die wirtschaftlichen Kosten in die Höhe treiben und die Wirtschaft, die bereits jetzt von einer Rezession bedroht ist, weiter belasten wird.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnte kürzlich, dass die hohen Energiepreise die deutsche Wirtschaft in eine Rezession stürzen werden. Im nächsten Jahr werde die deutsche Wirtschaft demnach um 0,7 Prozent schrumpfen, und die Inflationsrate werde voraussichtlich 8,7 Prozent erreichen.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben deutsche Politiker in letzter Zeit jedoch verstärkt über die „Verringerung der Abhängigkeit von China“ gesprochen, und der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte am 13. September, dass sein Ministerium an einer neuen, auf China bezogenen Handelspolitik arbeite.

Die zunehmende Rhetorik einiger deutscher Politiker bezüglich einer „wirtschaftlichen Abkopplung“ von China hat in letzter Zeit für Unmut in der deutschen Wirtschaft gesorgt. Viele ihrer Vertreter warnten, dass es nicht im Interesse Deutschlands sei, sich wirtschaftlich von China abzukoppeln. Sie sind der Meinung, dass eine angemessene Präsenz in China, einem wichtigen Wachstumsmarkt, sehr wichtig sei – nicht nur für einzelne deutsche Unternehmen, sondern auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt.

„Die staatliche Unterstützung und der Schutz der Geschäfte deutscher Unternehmen in China müssen grundsätzlich erhalten bleiben", sagte Friedolin Strack, Hauptgeschäftsführer des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA), kürzlich laut der Deutschen Welle.

Deutschland war in den letzten vier Jahrzehnten einer der größten Nutznießer von der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik. Egal ob große Industrieunternehmen oder kleine und mittelständische Betriebe – eine beträchtliche Anzahl deutscher Unternehmen hat auf dem chinesischen Markt große Gewinne erzielt.

Im Jahr 2021 hat das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland chinesischen Zolldaten zufolge 235 Milliarden Dollar (243 Mrd. Euro) erreicht. China ist damit seit sechs Jahren in Folge Deutschlands größter Handelspartner.

Die häufige Befürwortung der „Abkopplung von China“ und die Verlagerung der industriellen Kette aus China wären offensichtlich schädlich für die deutsche Wirtschaft und die Unternehmen, insbesondere wenn die deutsche Wirtschaft von einer Rezession bedroht ist. Dies würde die schwierige Inflations- und Beschäftigungssituation in Deutschland nur noch weiter verschlimmern und die ohnehin schon schwierige wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern.

Einem im August veröffentlichten Forschungsbericht des Münchner Ifo-Instituts zufolge würde eine wirtschaftliche „Abkopplung“ der EU und Deutschlands von China die deutsche Wirtschaft fast sechsmal so viel kosten wie der Austritt Großbritanniens aus der EU, der sogenannte Brexit.

Es ist zu hoffen, dass die deutschen Wirtschaftspolitiker in Zukunft noch vorsichtiger mit der Rhetorik der „Verringerung der Abhängigkeit von China“ sein werden.