China wird in der zweiten Jahreshälfte eine Schlüsselrolle bei der Stützung der globalen Lieferkette spielen, da die Regierung politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft ergreift und gleichzeitig die Auswirkungen von COVID-19 mit gezielten Mitteln bekämpft.

Während große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Südkorea und die Vereinigten Staaten in den letzten Monaten Handelsdefizite verzeichneten, erreichte der Außenhandelsüberschuss Chinas in der ersten Jahreshälfte 2,48 Billionen Yuan (ca. 360 Mrd. Euro), da die Exporte in die Höhe schnellten, nachdem das Wiederaufleben von COVID-19 in der Region des Jangtse-Flussdeltas im Mai und Juni unter Kontrolle gebracht worden war, wie Daten der Allgemeinen Zollverwaltung zeigten.

Da der chinesische Handelsüberschuss im Juni deutlich auf 97,9 Milliarden US-Dollar (gegenüber 78,76 Mrd. USD im Mai) gestiegen ist, hat das Wachstum nach Ansicht von Experten dazu beigetragen, den Wechselkurs des Yuan gegenüber anderen wichtigen Währungen abzupuffern und die inländische Inflationsrate weiter zu stabilisieren, wodurch sich die Notwendigkeit einer Zinserhöhung oder von Interventionen am Wechselkurs verringert hat.

Als die US-Notenbank im zweiten Quartal die Leitzinsen drastisch anhob, um die galoppierende Inflation einzudämmen, stürzten der Euro, das Pfund und der japanische Yen gegenüber dem US-Dollar ab. Die Währungsabwertung in diesen großen Volkswirtschaften habe zu Stagflation und Abwärtsrisiken geführt, sagte Xu Hongcai, stellvertretender Direktor des wirtschaftspolitischen Ausschusses der China Association of Policy Science.

Da viele traditionelle Industriestaaten wie Deutschland und Südkorea große Mengen an Rohstoffen importieren müssen, um die Nachfrage ihres lokalen Produktionssektors zu befriedigen, haben die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts, die hohe Inflation in den USA und die weltweit steigenden Energie- und Rohstoffpreise dazu geführt, dass diese Länder seit dem zweiten Quartal viel mehr Geld für die Einfuhr von Energie und Produktionsmaterialien ausgeben müssen, erklärte Xu.

Auch wenn China aufgrund dieser Entwicklung mit importiertem Inflationsdruck konfrontiert sei, werde es – unterstützt durch seine laufende industrielle Transformation und Modernisierung – weiterhin an der Stabilisierung der globalen Versorgungskette arbeiten, sagte Wei Qijia, ein Forscher in der Abteilung für Wirtschaftsprognosen des staatlichen Informationszentrums.

Wei sagte weiter, dass Chinas hochkonzentrierte Lieferketten, effiziente Produktivität, relativ niedrige Kosten für industrielle Energie und Produktionsmaterialien sowie die starke Abhängigkeit vieler Handelspartner von seinen Industriegütern und Halbfertigprodukten die Wachstumsrate des chinesischen Handelsüberschusses in den kommenden Monaten in einem vernünftigen Rahmen halten werden.

„China strebt den Handelsüberschuss nicht absichtlich an. Das beschleunigte Wachstum des Handelsüberschusses in der ersten Jahreshälfte war hauptsächlich auf den epidemiebedingten Rückgang des Importvolumens zurückzuführen“, sagte Wei Jianguo, Vizepräsident des chinesischen Zentrums für Internationalen Wirtschaftsaustausch in Beijing.

Wei sagte voraus, dass sich das Wachstum des chinesischen Handelsüberschusses in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen könnte, da das Land voraussichtlich große Mengen an Energie, Mineralien und Maschinen importieren müsse, um die effektiven Infrastrukturinvestitionen zu beschleunigen und so eine stärkere wirtschaftliche Erholung zu erreichen.