Als Antwort auf die Provokationen der USA, die diese Woche mit dem Besuch von Nancy Pelosi auf der Insel Taiwan ihren Höhepunkt erreicht hatten, führt Chinas Armee diese Tage beispiellose Übungen durch, mit denen die Insel vollständig umzingelt wird. Die Übungen machten die Fähigkeit der Volksbefreiungsarmee deutlich, die Insel notfalls auch mit Gewalt zu übernehmen.

Ein J-20-Kampfjet der Volksbefreiungsarmee steht am 17. Mai 2022 auf der Startbahn für die bevorstehende Luftkampfübung mit mehreren Kampfjets bereit. (eng.chinamil.com.cn/Foto von Yang Jun)

Die chinesische Volksbefreiungsarmee (VBA) begann am Donnerstag mit der zweiten Phase ihrer groß angelegten Militärübungen, die die Insel Taiwan vollständig abriegeln. Nachdem die erste Phase der Vorbereitungen abgeschlossen war, setzte sie nun auch Live-Feuerübungen ein, um auf den Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zu reagieren. Mit dem Besuch am Dienstag hatten die USA die Souveränität Chinas schwer verletzt.

Von Donnerstagmittag bis Sonntagmittag werde die Insel Taiwan von sechs großen Seegebieten und ihrem Luftraum im Norden, Nordosten, Osten, Süden, Südwesten und Nordwesten umzingelt. Bei diesen beispiellosen Übungen kommen hochmoderne Waffen zum Einsatz - darunter Raketenartillerie mit großer Reichweite, ballistische Schiffsabwehrraketen, Tarnkappen-Kampfflugzeuge und eine Flugzeugträgergruppe mit einem atomgetriebenen U-Boot. Zudem seien realistische Taktiken angewendet worden, die eine echte gewaltsame Wiedervereinigung simulierten und die Fähigkeiten der Volksbefreiungsarmee demonstrierten und verfeinerten, nicht nur die Insel zu übernehmen, sondern auch jegliche Einmischung von außen, einschließlich der USA, zu verhindern, so Experten.

Nachdem die Übungen um 12:00 Uhr mittags begonnen hatten, gab die Östliche Kommandoeinheit in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Armee gegen 13:00 Uhr Schießübungen mit Langstreckenartillerie in der Straße von Taiwan durchgeführt und dabei bestimmte Ziele auf der östlichen Seite der Straße genau getroffen und das erwartete Ergebnis erzielt habe. Von Internetnutzern aufgenommene Videoclips kursierten bald in den sozialen Medien und zeigten, dass die Langstreckenraketen von Pingtan in der ostchinesischen Provinz Fujian aus abgefeuert wurden - nur 125 Kilometer von der Insel Taiwan entfernt.

Mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern könnten Langstreckenraketen vom chinesischen Festland aus leicht Ziele auf der Insel Taiwan erreichen, erklärte Song Zhongping, ein Militärexperte und Fernsehkommentator vom chinesischen Festland.

Am Nachmittag habe die Raketentruppe der Östlichen Kommandoeinheit anschließend Feuerangriffe mit mehreren Typen konventioneller Raketen auf mehrere ausgewiesene Seegebiete östlich der Insel Taiwan gestartet, berichtete der Sprecher der Einheit, Oberst Shi Yi. Alle Raketen hätten ihre Ziele genau getroffen und damit ihre Fähigkeit zum Präzisionsschlag und zur Raumverteidigung unter Beweis gestellt, was den Erfolg der Trainingsmission unterstreiche, so Shi.

Neben dem Heer und den Raketentruppen führten auch die Marine und die Luftwaffe gemeinsame Militäroperationen durch, wobei mehr als zehn Zerstörer und Fregatten gemeinsame Blockaden, Alarm- und Aufklärungspatrouillen durchführten. Zudem hätten mehr als hundert Kampfflugzeuge - darunter Kampfjets und Bomber - gemeinsame Aufklärungs-, Luftangriffs- und Unterstützungsmissionen rund um die Insel Taiwan durchgeführt, wie die Medien berichteten.

Auf die Frage, ob die Übungen der chinesischen Armee zu einer neuen Normalität in der Straße von Taiwan würden, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums Hua Chunying am Donnerstag auf einer routinemäßigen Pressekonferenz, dass dies allein von den USA und den separatistischen Kräften in Taiwan abhänge. „Solange sie ihre sezessionistischen Aktionen fortsetzen, werden wir nicht aufhören, unsere Entschlossenheit zu zeigen, unsere nationale Souveränität und territoriale Integrität zu schützen", betonte Hua.