Trotz der ernstgemeinten und klaren Warnungen aus Beijing ist die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gestern auf der Insel Taiwan gelandet. Als Reaktion darauf hat Chinas Armee eine Reihe von Übungen in unmittelbarer Nähe der Insel begonnen.

DF-17-Raketen, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt werden, bei der Parade zum Nationalfeiertag in Beijing am 1. Oktober 2019. Bild: Fan Lingzhi/GT

Die chinesische Volksbefreiungsarmee (VBA) hat am Dienstag mit gemeinsamen Militärübungen rund um die Insel Taiwan begonnen, bei denen u.a. auch J-20-Tarnkappen-Kampfjets zum Einsatz kamen und konventionelle Raketen getestet wurden, die Analysten zufolge die Insel überfliegen könnten. Dies ist eine unmittelbare Reaktion auf die Ankunft der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die kurz zuvor auf der Insel gelandet war. Diese Übungen, die wahrscheinlich sogar größer sein werden als die in der Krise von 1996, dienen Experten zufolge aber nicht nur als Warnung an die USA und die Abtrünnigen der „Unabhängigkeit Taiwans", sondern auch als Test für die Volksbefreiungsarmee, die Insel notfalls mit Gewalt wiederzuvereinigen.

Oberst Shi Yi, ein Sprecher der Östlichen Kommandoeinheit, teilte in einer Erklärung am Dienstag mit, dass gemeinsame See- und Luftübungen in den See- und Luftraum nördlich, südwestlich und südöstlich der Insel Taiwan verlegt, Schießübungen mit Langstreckenraketen in der Straße von Taiwan abgehalten und Teststarts für konventionelle Raketen östlich der Insel Taiwan durchgeführt würden. Das bedeute, dass die Insel Taiwan in fünf Richtungen von VBA-Übungen umgeben sein wird. Analysten erklärten die konkreten Effekte, die diese Maßnahmen haben sollten: Die gemeinsamen See- und Luftübungen im Norden, Südwesten und Südosten werden voraussichtlich dazu beitragen, die Fähigkeiten von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen zu verbessern, damit China die Luftüberlegenheit und die Kontrolle über das Meer erlangen kann. Bei den Schießübungen in der Straße von Taiwan werden wahrscheinlich Langstrecken-Mehrfachraketenwerfer zum Einsatz kommen, die Ziele auf der Insel Taiwan direkt vom Festland aus treffen können. Die Teststarts für konventionelle Raketen im Osten der Insel bedeuten, dass die Raketen vom chinesischen Festland aus über die Insel Taiwan fliegen können.

Die Operation würde somit angesichts der jüngsten Provokationen eine klare Abschreckung gegenüber den USA in der Taiwan-Frage und eine ernsthafte Warnung an die Sezessionisten, die die „Unabhängigkeit Taiwans" anstreben, darstellen, betonte Shi.

Nur wenige Stunden nach der Erklärung wurde vom chinesischen Zentralfernsehen ein Video veröffentlicht, das die Teilnahme von J-20-Tarnkappen-Kampfjets an den Übungen zeigt.

Gu Zhong, stellvertretender Stabschef der Östlichen Kommandoeinheit, ließ wissen, dass die Übungen auch gemeinsame Blockaden, See- sowie Landangriffe und das Ergreifen der Luftüberlegenheit sowie das Schießen mit Präzisionswaffen umfassen würden. Diese Übungen werden die Leistungsfähigkeit der Waffen und der Ausrüstung sowie die gemeinsamen Einsatzfähigkeiten der Truppen umfassend testen und auf alle Krisen vorbereiten, so Gu.

Gerade als Nancy Pelosi zur Landung ansetzte, meldeten chinesische Staatsmedien, dass ein oder mehrere Su-35-Kampfjets der chinesischen Luftwaffe die Straße von Taiwan überfliegen würden. Beobachter erläuterten, dass die Aktivitäten der VBA-Flugzeuge Teil der Übungen sein könnten. Der Flugzeugträger „Liaoning“ der chinesischen Marine sei am Sonntag von seinem Heimathafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong und der Flugzeugträger „Shandong“ am Montag von seinem Heimathafen in Sanya in der südchinesischen Provinz Hainan in Begleitung eines amphibischen Angriffsschiffs vom Typ 075 zu einer Reise aufgebrochen, berichteten Medien auf der Insel Taiwan am Dienstag.