Als Reaktion auf die zunehmenden Provokation seitens der USA hat China kürzlich eine weitere Flugübung rund um die Insel durchgeführt – die dritte und bislang größte in diesem Jahr. Experten zufolge ging es hauptsächlich darum, neue Taktiken zu üben, um sich auf eine mögliche US-Intervention vorzubereiten.

Vier Kampfflugzeuge einer Brigade der Luftstreitkräfte unter dem Kommando der östlichen Einheit der Volksbefreiungsarmee steigen während einer Flugübung am 14. Mai 2022 in V-Formation in den Himmel auf. Foto: Xinhua

29 Kampfflugzeuge der chinesischen Volksbefreiungsarmee (VBA) sind am Dienstag in die selbsternannte Luftverteidigungszone der Insel Taiwan eingedrungen. Dies war die drittgrößte VBA-Luftübung um Taiwan in diesem Jahr, was nach Ansicht chinesischer Militärbeobachter darauf hindeutet, dass China neue Taktiken üben könnte, um einer möglichen Intervention der US-Flugzeugträger zu begegnen.

Vor dieser drittgrößtenLuftübung um Taiwan im Jahr 2022, hatten am 23. Januar bereits die größte Übung mit 38 Kampfflugzeugen und am 30. Mai die zweitgrößte Übung mit 30 Kampfflugzeugen stattgefunden, wie Medien auf der Inselberichteten. Der bisherige Rekord liegt bei 56 Kampflugzeugen am 4. Oktober 2021.

Die Übung der Luftstreitkräfte fand vor dem Hintergrund der zunehmend radikalen und gefährlichen Schritte der USA in der Taiwan-Frage statt, zu denen auch die Infragestellung der Ein-China-Politik und die Hervorhebung des rechtlichen Status der Straße von Taiwan gehören. Experten gehen sogar davon aus, dass sich die USA von ihrer jahrzehntelangen strategischen Zweideutigkeit in Bezug auf Taiwan abwenden und ihre China-Politik stattdessen noch mehr auf Wettbewerb und Konfrontation ausrichten. Diese Schritte erfolgten im Vorfeld des G7-Gipfels und des NATO-Gipfels, und Analysten zufolge planen die USA, ihre Verbündeten - insbesondere die in Europa - dazu anzustacheln, gemeinsam Unruhe in der asiatisch-pazifischen Region zu stiften, um ihr strategisches Ziel der Eindämmung Chinas zu erreichen.

Den von der taiwanesischen Verteidigungsbehörde übermittelten Flugrouten zufolge operierten die chinesischen Flugzeuge wahrscheinlich in drei Gruppen, erklärte ein chinesischer Militärexperte am Mittwoch.

Die erste Gruppe bestand aus einem elektronischen Kampfflugzeug des Typs Y-9, einem elektronischen Aufklärungsflugzeug des Typs Y-8 und sechs Bombern des Typs H-6. Sie flogen vom chinesischen Festland in den Südwesten Taiwans, überquerten den Bashi-Kanal südlich von Taiwan, erreichten die Südostseite der Insel und kehrten auf demselben Kurs zurück, nachdem sie kurz tief in das Philippinische Meer eingedrungen waren. Diese Gruppe führte wahrscheinlich eine sog. „Anti-Access-Area-Denial“-Übung (Zugangs- oder Gebietsverweigerungsübungen) gegen ein mögliches Eingreifen von US-Flugzeugträgern durch, da eine große Flotte von H-6-Bombern unter dem Schutz und mit Unterstützung von intelligenten Flugzeugen für die elektronische Kriegsführung Sättigungsangriffe (eine militärische Taktik, bei der die angreifende Seite einen Vorteil erzielen möchte, indem sie die technologische, physische und mentale Fähigkeit der verteidigenden Seite, effektiv zu reagieren, überwältigt) mitSchiffsabwehrraketen durchführen konnte.

Die zweite Gruppe bestand aus einem Y-20 Luftbetankungsflugzeug, zwei KJ-500 Frühwarnflugzeugen und 17 Kampfjets, die relativ weit von der Insel Taiwan entfernt und näher an den von Taiwan verwalteten Dongsha-Inseln im Südchinesischen Meer operierten. Die Kampfjets dienten wahrscheinlich dem Zweck, die Luftüberlegenheit zu erlangen und die Y-20-Luftbetankungsflugzeuge und die KJ-500-Frühwarnflugzeuge in einer sicheren Zone zu eskortieren, da letztere zwar selbst anfällig für Angriffe sind, aber auf dem Schlachtfeld entscheidende Vorteile bieten können.

Die dritte Gruppe, die lediglich aus einem Y-8-U-Boot-Kampfflugzeug bestand, patrouillierte in den Gewässern südwestlich der Straße von Taiwan. Sie könnte sowohl nach feindlichen Unterwasser- als auch nach Überwasseraktivitäten Ausschau halten und die Erkenntnisse anschließend mit anderen See- und Lufteinheiten teilen.

Es scheint das erste Mal zu sein, dass Chinas Volksbefreiungsarmee diese Kombination von Taktiken in den Routineübungen rund um die Insel Taiwan praktiziert. Die Übung sei sehr kampforientiert, was zeige, dass die Kampfbereitschaft der VBA jeden Tag verbessert wird, kommentierten Experten.

Die Abtrünnigen der sog. „Unabhängigkeit Taiwans" und die ausländischen sich einmischenden Akteure müssten die Entschlossenheit, das Vertrauen und die Fähigkeit der VBA verstehen, die Taiwanfrage notfalls auch mit Gewalt zu lösen, falls es dazu kommen sollte. Sie müssen daher sämtliche Provokationen einstellen oder die Konsequenzen tragen, machten sie klar.