Da China schon früh wusste, dass ein starkes Land unbedingt über eigene Flugzeugträger verfügen muss, wurden erste Pläne bereits in den frühen 1930ern geäußert. Allerdings dauerte es wegen der wirtschaftlichen Verfassung noch fast 80 Jahre bis China endlich den ersten Träger in Dienst stellen konnte. Dieses Jahr wurde mit der „Fujian“nun bereits der dritte Flugzeugträger an die Volksbefreiungsarmee übergeben. Weitere werden folgen.

Das Foto vom 17. Juni 2022 zeigt den Stapellauf von Chinas drittem Flugzeugträger „Fujian“ im ostchinesischen Shanghai. (Foto von Xinhua)

Kein Flugzeugträger kann ohne die umfassende nationale Stärke eines Landes entstehen. Das chinesische Volk hatte schon vor vielen Jahrzehnten von Flugzeugträgern geträumt, und das chinesische Flugzeugträgerprogramm wurde zu der Zeit zwar auch schon gestartet, musste später aber mehrfach gestoppt werden.

Chen Shaokuan, Marineminister während der Zeit der Republik China, war einer der ersten, der vorschlug, dass China einen Flugzeugträger haben sollte. Er forderte bereits im Jahr 1932, dass China mindestens 20 Flugzeugträger betreiben sollte, um das Land vor der japanischen Aggression zu schützen. Dieser Plan war jedoch unmöglich zu verwirklichen, da allein die Anschaffung dieser Schiffe das Dreifache der jährlichen Finanzeinnahmen der damaligen Regierung gekostet hätte, so dass Chen diese Idee nur äußerte, um die Bedeutung von Flugzeugträgern für die Regierung hervorzuheben. Im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression (1931-45) kenterten alle chinesischen Kriegsschiffe, die selbst zu ihrer Zeit bereits veraltet waren.

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 und angesichts der Seeblockade durch die Supermacht USA entschied sich dieMarine der Volksbefreiungsarmee (VBA) angesichts des sehr begrenzten Verteidigungsbudgets und der Idee eines maritimen Guerillakriegs für eine langfristige Entwicklung mit Schwerpunkt auf landgestützten Marineflieger-, U-Boot- und Schnellbootstreitkräften.

1978 genehmigte der damalige Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, Hua Guofeng, dann den Kauf bzw. den gemeinsamen Bau eines leichten Flugzeugträgers der 18.000-Tonnen-Klasse mit dem Vereinigten Königreich für die chinesische Marine, der mit britischen Harrier-Kampfflugzeugen ausgestattet werden sollte, die senkrecht starten und landen konnten. Anfang der 1980er Jahre verhandelten China und das Vereinigte Königreich über das Projekt, aber der von London angebotene Preis war für China zu hoch, so dass es sich bald auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentrierte, die Verteidigungsausgaben kürzte und sein Flugzeugträgerprogramm wieder einstellte.

Am 14. März 1988 siegte China im Gefecht um das Chigua-Riff auf den Nansha-Inseln gegen Vietnam, doch trotz dieses Sieges zeigten sich erneut Schwächen, da es an Luftunterstützung mangelte. Der damalige Marinechef Liu Huaqing, der später als „Vater der chinesischen Flugzeugträger“ bezeichnet wurde, plante von 1991 bis 1995 eine Vorstudie über Flugzeugträger und begann im Jahr 2000 mit den Entwicklungsarbeiten. Aber Chinas Wirtschaft war immer noch nicht stark genug, der Verteidigungshaushalt belief sich 1990 auf nur etwa 5 Milliarden US-Dollar und lag damit unter den Top 10 der Welt. Deshalb war das Programm zunächst nur auf die Vorstudienphase beschränkt.

Als China in den 1990er Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts in eine Phase raschen Wirtschaftswachstums eintrat, waren die Bedingungen für eine Erhöhung der nationalen Verteidigungsinvestitionen endlich perfekt. Zu dieser Zeit wurde es zum einheimischen Konsens, dass ein großes Land mit Interessen im Ausland auch über eigene Flugzeugträger verfügen muss.

Im Jahr 1999 kaufte der Unternehmer XuZengping die unfertige „Varyag“aus der Ukraine. Da die USA Druck auf die Türkei ausübten, um das Schiff am Auslaufen zu hindern, blieb die „Varyag“zunächst jedoch zwei weitere Jahre in der Ukraine, bis die Türkei ihr im November 2001 nach diplomatischen Bemühungen Chinas um die Türkei die Durchfahrt durch die Bosporusstraße erlaubte. Nach einer viermonatigen Reise kam der Flugzeugträger in Dalian an, und Xu beschloss, ihn an die VBA zu übergeben.

Der umgerüstete Flugzeugträger absolvierte seine erste Probefahrt am 10. August 2011, und nach einer Reihe von Tests wurde ihmder heutige Name „Liaoning“verliehen. Am 25. September 2012 wurde er in Dienst gestellt, womit China zum ersten Mal über einen einsatzfähigen Flugzeugträger verfügte.

Die „Varyag“ kam also als praktisch leere Hülle nach China und wurde anschließend von China als „Liaoning“ mit vollständigen Antriebssystemen, Waffen, Elektronik, Radar und trägergestützten Kampfflugzeugen wiedergeboren. Auf der Grundlage der bei der Umrüstung der „Liaoning“ gesammelten Erfahrungen entwarf und baute China dann eigenständig den ersten im eigenen Land entwickelten Flugzeugträger und den zweiten Flugzeugträger insgesamt - die „Shandong“. Dieses Schiff basiert auf der „Liaoning“, weist aber viele Verbesserungen auf. Er lief am 26. April 2017 vom Stapel und wurde am 17. Dezember 2019 in den Dienst der VBA-Marine gestellt, womit China in die Ära der doppelten Flugzeugträger eintrat.

Am 17. Juni 2022 lief die „Fujian“, Chinas dritter Flugzeugträger, vom Stapel und versetzte die Welt in Erstaunen, da China nun erstmals komplett unabhängig einen eigenen Flugzeugträger entwickelt hat, der seinen US-amerikanischen Vorbildern durch eine ähnliche Verdrängung und elektromagnetische Katapulte nahe kommt. Man kann davon ausgehen, dass China in Zukunft noch größere Flugzeugträger mit Nuklearantrieb entwickeln wird.