Am Sonntag führte China erfolgreich einen weiteren technischen Test für antiballistische Raketen (ABM) in der mittleren Flugphase durch. Damit wurde ein solcher Tests erstmals zwei Jahre in Folge durchgeführt, insgesamt ist es Chinas sechster technischer ABM-Test.

Ein Mittelstrecken-Luftabwehrraketensystem, das zu einem Raketenbataillon einer Luftverteidigungsbrigade der 72. Gruppe der Volksbefreiungsarmee gehört, feuert während einer Luftverteidigungsübung in der nordwestchinesischen Wüste Gobi eine Boden-Luft-Rakete ab.Foto: Chinesisches Militär

China führte am Sonntag einen landgestützten technischen Test für antiballistische Raketen (ABM) in der mittleren Flugphase durch. Analysten sagten, das erfolgreiche Abfangen beweise die Zuverlässigkeit des antiballistischen Raketenschirms des Landes in einer Zeit, in der sich die Technologien sowohl für ballistische Raketen als auch für antiballistische Raketenabfangsysteme rapide verbessern.

Wie das chinesische Verteidigungsministerium am späten Sonntag in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat der Test, der nachts innerhalb der chinesischen Landesgrenzen durchgeführt wurde, das gewünschte Ziel erreicht.Der Test sei defensiver Natur gewesen und habe sich nicht gegen ein konkretes Land gerichtet, erklärte das chinesische Verteidigungsministerium.Es ist das zweite Jahr in Folge, dass China diese Art von Test durchführt. Ein ähnlicher Test seibereits im Februar 2021 durchgeführt worden, wie das chinesische Verteidigungsministerium damals mitteilte.

Mit dem jüngsten Test erhöht sich die Zahl der öffentlich bekannt gegebenen technischen Tests landgestützter chinesischer ABM auf sechs. Medienberichten und offiziellen Verlautbarungen zufolge hatte China zuvor ABM-Tests in den Jahren 2010, 2013, 2014, 2018 und 2021 durchgeführt. Es wurde nicht bekannt gegeben, in welcher Abfangphase der Test von 2014 durchgeführt wurde, während alle anderen fünf Tests in der mittleren Flugphase stattfanden.

Der Flug einer ballistischen Interkontinentalrakete besteht normalerweise aus drei Phasen. Die erste ist die Startphase, in der der Raketenbooster die Rakete in den Himmel befördert. Die zweite Phase ist die mittlere Flugphase, in der der Raketenantrieb gestoppt wird und die Rakete aus der Atmosphäre austritt. Zum Schluss folgt die Wiedereintritts- oder Endphase, in der die Rakete wieder in die Atmosphäre eintritt und auf ihr Ziel zustürzt.

Das Abfangen einer ballistischen Interkontinentalrakete während ihrer mittleren Flugbahn stelle eine große Herausforderung dar, da die Rakete, die in der Regel mit nuklearen Sprengköpfen bestückt ist, in dieser Phase mit sehr hoher Geschwindigkeit aus der Atmosphäre austritt, so die Experten.

Technisch sei es zwarrelativ einfach, eine ballistische Rakete in der Startphase abzufangen, da sie sich noch in Bodennähe befinde und beschleunige, aber es sei schwierig, an den Startplatz heranzukommen, der sich in der Regel tief in feindlichem Gebiet befinde. In der Endphase sei das Abfangen ebenfalls schwierig, weil die Geschwindigkeit der abtauchenden Rakete sehr hoch sei, so die Analysten.Heutzutage, da viele Länder auf der ganzen Welt Hyperschallraketen mit Gefechtsköpfen (Glider) im sog. „waverider“-Stilentwickeln ( d.h. dass ein so hohes Tempo erzeugt wird, dass die Raketen auf den von ihnen selbst erzeugten Schockwellen„reiten“), die ihre Flugbahn beim Wiedereintritt in die Atmosphäre während des Fluges anpassen können, was das Abfangen in der Endphase noch schwieriger macht, sei das Abfangen in der Mitte des Fluges daher noch wichtiger geworden.