Ein Sondergipfel der USA und der ASEAN, der seit einiger Zeit verschoben worden war, ging am Freitag in Washington zu Ende.

Der Gipfel, der von den USA als wichtiger Teil der so genannten „Indo-Pazifik-Strategie“ betrachtet wird, hat von Anfang an die „amerikanische Arroganz“ offenbart. Von der einseitigen Bekanntgabe des Zeitplans des Gipfels Ende März bis hin zu der Tatsache, dass US-Präsident Joe Biden keine bilateralen Treffen mit der Begründung anberaumt hat, er sei „sehr beschäftigt“, gibt es viele Details, die zeigen, dass die USA diesen Gipfel, den sie angeblich anlässlich des 45-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen den USA und der ASEAN veranstalten, nicht sehr ernst genommen haben. Und die Aussage, „die ASEAN-Spitzenpolitiker zum ersten Mal in der Geschichte im Weißen Haus zu begrüßen“, impliziert den Subtext, dass die USA die ASEAN in 45 Jahren nie wirklich gleichberechtigt behandelt haben.

Der Mangel an diplomatischem Anstand ging mit einem Mangel an tatsächlichen Investitionen seitens der USA einher. Die USA haben zugesagt, dieses Mal 150 Millionen US-Dollar in die ASEAN zu investieren. Wenn man bedenkt, dass die ASEAN zehn Länder umfasst, ist dieser Betrag im Durchschnitt erbärmlich gering. Dies geschieht zwei Tage, nachdem das US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf zur Unterstützung der Ukraine in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar verabschiedet hat.

Die ASEAN hat immer auf ihrer Unabhängigkeit und Autonomie bestanden. Die ASEAN hat den Versuch der USA klar erkannt, die Länder der Region zu zwingen, sich für eine Seite zu entscheiden. Der neu gewählte philippinische Präsident Ferdinand Marcos hat deutlich gemacht, dass sich sein Land nicht mit den Großmächten verbünden und stattdessen eine eigene Außenpolitik entwickeln wird.

Auf dem Gipfeltreffen wurde der von den USA vorgeschlagene so genannte „Indo-Pazifik-Wirtschaftsrahmen“ von den ASEAN-Ländern nur lauwarm aufgenommen. Selbst die US-Medien gaben zu, dass dieser Wirtschaftsrahmen keinen konkreten Inhalt hat. Außerdem wurde in der gemeinsamen Erklärung des Gipfels Russland nicht genannt, was darauf hindeutet, dass die ASEAN in der Ukraine-Frage nicht den Vereinigten Staaten folgt, sondern ihre einheitliche Position beibehält.

Interessanterweise heißt es in der gemeinsamen Erklärung, dass die bilateralen Beziehungen auf dem 10. ASEAN-US-Gipfel im November dieses Jahres zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ aufgewertet werden sollen. Laut thailändischen Medienberichten war es jedoch die ASEAN, die beschloss, die Aufwertung der Beziehungen auf November zu „verschieben“. Analysten meinen, dies spiegele die vorsichtige Haltung der ASEAN gegenüber den USA wider.

Nach dem Gipfel wird US-Präsident Joe Biden Südkorea und Japan besuchen und an einem vierseitigen Sicherheitsdialog in Tokio teilnehmen. Dies wird seine erste Asienreise seit seinem Amtsantritt sein. Die asiatischen Länder begrüßen Verhalten, das zur friedlichen Entwicklung Asiens beiträgt, akzeptieren jedoch keine Maßnahmen, die den regionalen Frieden und die Stabilität untergraben und die regionale Solidarität und Zusammenarbeit aushöhlen. Der Versuch der USA, eine „indo-pazifische“ Version der NATO zu schaffen und Rivalitäten zwischen verschiedenen Lagern zu schüren, wird in Asien niemals Erfolg haben.