Laut einem aktuellen Bericht des Beratungsunternehmens Ernst & Young war Europa im ersten Quartal dieses Jahres sowohl wert- als auch volumenmäßig das beliebteste Ziel für chinesische Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) im Ausland, nachdem es drei Quartale in Folge hinter Asien zurückgefallen war. Auch in Zukunft werde der Trend zur Beteiligung chinesischer Unternehmen an der globalen Industriekette anhalten und chinesische Direktinvestitionen im Ausland werden sich fortsetzen, so Ernst & Young.

Ein Blick auf den Hafen von Qinzhou im autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang am 27. Oktober 2021. [Foto/Xinhua]

Europa und Asien waren in den ersten drei Monaten des Jahres 2022 die beliebtesten Ziele für chinesische M&A-Geschäfte im Ausland, auf die mehr als 70 Prozent des Gesamtvolumens entfielen.

Der Wert der Deals in Europa erreichte 2,13 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, während das Deal-Volumen um 20 Prozent zurückging. Wertmäßig wurden die Investitionen vor allem in Deutschland, Italien und den Niederlanden getätigt, und zwar in den Bereichen Gesundheitswesen und Biowissenschaften, Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) sowie Finanzdienstleistungen, wie aus den Daten des Berichts hervorgeht.

Investitionen in Asien in Höhe von insgesamt 2,11 Milliarden US-Dollar wurden hauptsächlich in Indien, Singapur und Südkorea getätigt.

Dank der stetigen und anhaltenden Fortschritte der Seidenstraßen-Initiative (Belt and Road Initiative, BRI) und der gestiegenen Nachfrage nach regionaler Lieferkettenoptimierung im Rahmen der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), dem weltweit größten Freihandelsabkommen, wird dem Bericht zufolge erwartet, dass Asien weiterhin eine Schlüsselregion für Chinas Auslandsinvestitionen sein wird.

Chinas Direktinvestitionen im Ausland (ODI) stiegen im ersten Quartal um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichten 34,29 Milliarden Dollar, wie Daten des Handelsministeriums zeigen.

Die nicht-finanziellen Direktinvestitionen in Ländern entlang der BRI-Routen erreichten 5,26 Milliarden US-Dollar, 19 Prozent mehr als im Vorjahr, und machten 19,5 Prozent der Gesamtinvestitionen im ersten Quartal aus, ein Anstieg um 1,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Beeinträchtigt durch das Aufflackern von COVID-19 und die komplexen internationalen Bedingungen, belief sich der Wert der angekündigten Fusionen und Übernahmen in China auf 5,9 Milliarden Dollar, ein Rückgang von 65 Prozent im Jahresvergleich und ein Rekordtief in einem einzigen Quartal, so der Ernst & Young-Bericht.

„Chinas BIP-Wachstum war im ersten Quartal mit einem Plus von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im Allgemeinen stabil. Allerdings könnte die sich entwickelnde Pandemie-Situation die Geschäftstätigkeit der Unternehmen weiter beeinträchtigen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Dynamik der chinesischen Fusionen und Übernahmen im Ausland weiter verlangsamen könnte und die globalen Lieferketten durch geopolitische Faktoren beeinträchtigt werden könnten“, so Loletta Chow, globale Leiterin des Ernst & Young China Overseas Investment Network.

Unter diesen Umständen könnten mehr chinesische Unternehmen Direktinvestitionen auf der grünen Wiese, also die Neuerrichtung von Produktionsstätten, in Erwägung ziehen, um mit dem wachsenden Trend Schritt zu halten, sich dem Verbrauchermarkt anzunähern, fügte Chow hinzu.

In den letzten Jahren waren die M&A-Transaktionen in China in Übersee einer höheren Volatilität unterworfen, während sich die chinesischen Direktinvestitionen in Übersee stetig weiterentwickelten. Dabei wurden mehr Direktinvestitionen in Übersee getätigt, während das Ausland grenzüberschreitende M&A-Transaktionen strenger kontrollierte.

Mit Blick auf die Zukunft wird der Trend der Beteiligung chinesischer Unternehmen an der globalen Industriekette anhalten und chinesische Direktinvestitionen im Ausland werden sich fortsetzen, so Chow.