Die chinesische Wirtschaft wird im Jahr 2022 voraussichtlich um 5,5 Prozent wachsen. Dies gab ein führender Think Tank der chinesischen Regierung am Mittwoch bekannt. Damit erhöht sich die für 2020 bis 2022 prognostizierte durchschnittliche jährliche Wachstumsrate auf 5,34 Prozent.

Laut den jährlichen Prognosen des „Center for Forecasting Science (CEFS)“ der Chinesischen Akademie der Wissenschaften werde Chinas BIP auch 2022 ein stetiges Wachstum aufweisen, nachdem es im Jahr 2021 um geschätzte 8,2 Prozent gestiegen war.

Bao Qin, stellvertretender Direktor des CEFS, sagte, dass Chinas BIP-Wachstumsrate im ersten Quartal 2022 etwa 5,2 Prozent erreichen werde, während sie im zweiten und dritten Quartal 5,5 beziehungsweise 5,6 Prozent betragen könnte. Für das vierte Quartal werde dann ein BIP-Wachstum von 5,7 Prozent erwartet.

„Es ist zu erwarten, dass der Inlandskonsum 2022 mit einer nominalen Wachstumsrate von 5,4 bis 7 Prozent im Jahresvergleich ein anhaltendes Wachstum beibehält, das weiterhin die Hauptantriebskraft für das Wirtschaftswachstum sein wird“, sagte Bao auf einer Pressekonferenz in Beijing.

Laut Bao werde sich der Inlandsverbrauch aufgrund der reibungslosen Erholung der nationalen Wirtschaft, der Verbesserung der inländischen Kapazitäten zur Notfallvorsorge, der kontinuierlichen Entwicklung der Unternehmenstätigkeit, der weiteren Erholung des Offline-Konsums und wirksamer staatlicher Maßnahmen zur Ankurbelung des Verbrauchs weiter verbessern.

Den Prognosen zufolge werden die Importe und Exporte des Landes im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 6 Prozent auf über 6,41 Billionen US-Dollar ansteigen, wobei die Exporte um fast sieben und die Importe um über fünf Prozent zunehmen werden.

Das CEFS warnte allerdings davor, dass das Risiko eines Preisanstiegs, der die Erwartungen übersteige, bestehen bleibe, und schätzte, dass der Erzeugerpreisindex und der Verbraucherpreisindex im Jahr 2022 um etwa 4,3 beziehungsweise 2 Prozent steigen werden.

Unter Berufung auf die im vergangenen Monat abgehaltene Zentrale Wirtschaftskonferenz hob Zhu Baoliang, Chefvolkswirt des Staatlichen Informationszentrums, die Bedeutung einer Kombination aus konjunkturübergreifenden und antizyklischen Anpassungen zur Stabilisierung der Gesamtwirtschaft in diesem Jahr hervor, da nur dies kurzfristig zur Stabilisierung der Nachfrage und langfristig zur Bewältigung struktureller Probleme beitragen würde.

Für die Zukunft schlug Wang Tongsan, Wissenschaftler an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, vor, dass die Regierung detailliertere Maßnahmen zur Ausweitung der Investitionen ergreifen sollte.

„Während die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums eingeführt hat, sind die Maßnahmen zur Ausweitung der Investitionen nicht so detailliert, ausreichend und umfassend wie die Maßnahmen für den Konsum“, sagte Wang. „Um die Binnennachfrage weiter zu steigern, sollten mehr Anstrengungen unternommen werden, um das Gleichgewicht zwischen Investitionen und Konsum zu stärken.“

Laut dem jüngsten Weltwirtschaftsausblick der Weltbank wird sich das globale Wachstum nach geschätzten 5,5 Prozent im Jahr 2021 deutlich auf 4,1 Prozent im Jahr 2022 abschwächen, was auf das anhaltende Aufflammen der COVID-19-Pandemie, die nachlassende fiskalische Unterstützung und anhaltende Versorgungsengpässe zurückzuführen sei.