Wegen einer Stellungnahme über die zukünftigen deutsch-chinesischen Beziehungen geriet die deutsche Bloggerin Navina Heyden bei einigen chinesischen Internetusern jüngst in Kritik. Doch eigentlich sollte man sich hier eine ganz andere Frage stellen: Sollte China überhaupt nach der angemessenen Anerkennung seines Aufstiegs durch den Westen streben?

Deutschland bekommt die Ampelkoalition. In Bezug auf das Verhältnis zwischen China und Deutschland rechnet man daher mit mehr Streitigkeiten in der Post-Merkel-Ära. Vor allem Annalena Baerbock, Co-Vorsitzende der Grünen und zugleich die designierte Außenministerin der Bundesrepublik, ist bekannt für ihre harte Gangart gegen China.

Auch Navina Heyden, eine deutsche Bloggerin, hat ähnliche Sorgen. In einem jüngsten Kommentar über die neue Ampelkoalition im chinesischen Internet schrieb sie: „(…) Die deutsch-chinesischen Beziehungen werden sicher eine Verschlechterung erfahren. In der neuen Regierung ist die Idee, China einzudämmen, stark ausgeprägt. Sowohl die Grünen als auch die FDP sind in Deutschland Marionettenparteien der USA.“

Heyden wird seit 2020 in Deutschland immer wieder hart kritisiert, vor allem, weil sie sich von der chinesischen Kultur begeistert zeigt und sich auf Twitter fair zu Chinas Kampf gegen COVID-19 geäußert hat. In diesem Jahr wurde die junge Deutsche in einem Bericht von der „Welt am Sonntag“ sogar als „Chinas heimliche Propagandistin“ gebrandmarkt. Gegen diese Bericht hat zwar das Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung erlassen, doch die verbalen Angriffe im Internet gegen die junge Studentin haben damit nicht aufgehört.

Drei Journalisten der Zeitung Welt haben Navia Heyden (rechts) per Video interviewt. Sie haben ihr freundlich vorgespiegelt, Hintergründe für ihre positive Einstellung zu China erfahren zu wollen und keine Publikation ohne ihre Zustimmung vornehmen zu wollen. All dies ist nicht eingehalten worden.

Auch mit ihrem neuesten Beitrag hat die deutsche Influencerin wieder einmal eine neue Debatte ausgelöst - diesmal wird sie dabei jedoch vor allem von einigen chinesischen Netizens kritisiert. Die in China derzeit oft zu hörende optimistische Einschätzung des zukünftigen deutsch-chinesischen Verhältnisses hält die Bloggerin für naiv: „Ich verstehe die Begründung mancher Chinesen nicht - solange China stärker wird, werden seine Beziehungen zur Welt besser? (…) Niemand in Europa würde so denken. Euer Aufstieg macht Angst und die Angst vergrößert Distanz und Feindseligkeit.“

Abgesehen von einiger Unterstützung für diese Sichtweise sieht man in den Kommentarspalten teilweise auch sehr scharfe Kritik bis hin zu Hasskommentaren. Nach Angaben ihres Manns ist Heyden davon sehr geschockt.

Anstatt die deutsch-chinesischen Beziehungen zu analysieren, hat sie mit ihrem neuesten Beitrag vielmehr eine Debatte über eine neue Frage eröffnet: Sollte sich China bei seiner Entwicklung daran stören, wie der Westen über das Land denkt?

„Westliche Medien und Eliten in Europa und den USA haben das Sprachrecht für sich in Anspruch genommen, um das Geschehen in China zu interpretieren. Im Kern geht es darum, die Legitimität und Richtigkeit des Weges und des Modells des westlichen Systems zu verteidigen", wurde Shen Yi, Professor an der School of International Relations and Public Affairs der Fudan University, von Global Times zitiert. „Es geht also nicht um Chinas Aufstieg, sondern darum, dass die westlichen Mächte einfach nicht akzeptieren werden, dass ein Land mit einer anderen Ideologie stärker wird“, begründete Shen.

Zugleich geht der Wissenschaftler davon aus, dass der Westen nicht bereit sein werde, China zu verstehen, selbst wenn China zu einer Rhetorik übergehe, die dem Westen ein besseres Gefühl gibt. „Warum sollte man sich daran stören, ob der Westen ein aufstrebendes China anerkennt oder China sogar Recht gibt? Der Westen will China jetzt nicht verstehen und auch in Zukunft nicht“ so der Professor weiter.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen China und den USA befinden sich derzeit immer noch in einem frostigen Stadium, doch ihre wirtschaftlichen Beziehungen haben sich langsam wieder erholt; Während die antichinesischen Stimmen in Deutschland sich mehren, hat sich die Wirtschaftskooperation zwischen den beiden Ländern – auch unter den schwerwiegenden Auswirkungen von COVID-19 – als widerstandsfähig erwiesen. Laut dem chinesischen Botschafter in Deutschland, Wu Ken, ist das bilaterale Handelsvolumen in den ersten drei Quartalen des Jahres um fast 30 Prozent gestiegen.

Der Aufstieg Chinas sei für die ganze Welt von Vorteil, auch für die westlichen Länder, betonte Sun Keqin, ein Forscher am China Institutes of Contemporary International Relations. „Und egal, wie sehr sich der Westen auch bemüht, er kann die Welt in dieser Ära der Globalisierung nicht mehr in zwei antagonistische Lager aufteilen", machte Sun klar.