Kinder frühstücken in einem Kindergarten in Changsha. 6. September 2021

In vielen chinesischen Städten und Provinzen wurden in letzter Zeit bessere Elternurlaubsregelungen eingeführt, um die Belastungen, die durch Geburt und Kinderbetreuung für Familien entstehen, zu verringern.

Mehr als zehn Städte und Provinzen, darunter Beijing und Shanghai sowie die Provinzen Jiangxi und Qinghai, haben detaillierte Maßnahmen – wie beispielsweise längeren Elternurlaub – eingeführt, um junge Familien zu unterstützen.

Letzte Woche wurde in Schanghai eine Überarbeitung der „Verordnung über Bevölkerungs- und Familienplanung“ verabschiedet. Laut der überarbeiteten Verordnung wird der Mutterschaftsurlaub um 30 Tage auf 158 Tage verlängert, und beide Elternteile haben Anspruch auf fünf Tage bezahlten Jahresurlaub, bis ihr Kind drei Jahre alt ist.

Auch die Provinzen Qinghai und Jiangxi überarbeiteten ihre Vorschriften, um die Umsetzung der Drei-Kinder-Politik zu erleichtern.

Neben dem Mutterschaftsurlaub, der auf den nationalen Vorschriften basiert, gewähren die beiden Provinzen Müttern einen verlängerten Mutterschaftsurlaub von 90 Tagen.

China hat seine Familienplanungspolitik schrittweise angepasst. Die Zwei-Kinder-Politik wurde 2013 teilweise eingeführt und wird seit 2016 landesweit praktiziert. Im Mai kündigte die Zentralregierung eine neue Politik an, die Paare ermutigen soll, ein drittes Kind zu bekommen.

Statistiken der Nationalen Gesundheitskommission zeigen, dass die Zahl der Neugeborenen im Jahr 2016 auf 17,86 Millionen gestiegen ist. Dies war der höchste Wert in den letzten 20 Jahren, doch im letzten Jahr ging die Zahl leider wieder auf 12 Millionen zurück.

Den Volkszählungsdaten für das vergangene Jahr zufolge ist die Gesamtfruchtbarkeitsrate Chinas, also die durchschnittliche Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, auf 1,3 Kinder gesunken. Diese Zahl liegt unter der Warnlinie von 1,5.

„Die Fruchtbarkeitsrate ist in vielen Ländern zu einem Problem geworden, nicht nur in China, sondern auch in entwickelten Ländern wie den Vereinigten Staaten und Japan“, sagte Yang Hongshan, stellvertretender Dekan der Fakultät für öffentliche Verwaltung und Politik an der Renmin-Universität.

Die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs allein könne das Problem der niedrigen Geburtenrate allerdings nicht lösen, so Yang, der deswegen zusätzlich eine begünstigende Wohnungsbaupolitik sowie Subventionen für die Kinderbetreuung forderte.

„Nur mit verbesserten sozialen Dienstleistungen in Bereichen wie Bildung, Geburtenschutz und medizinischer Versorgung können die Belastungen, die entstehen, wenn Familien mehr als ein Kind haben, grundlegend gemildert werden“, sagte er.

Chinas 14. Fünfjahresplan (2021-25) sieht Verbesserungen im sozialen Unterstützungssystem des Landes vor, insbesondere bei der Betreuung von Säuglingen und Kindern.

„Diese Unterstützungsmaßnahmen sind notwendig, um die Belastungen zu verringern. Die Ausweitung des Elternurlaubs könnte jedoch auch zu anderen Problemen führen, wie etwa zu höheren Kosten für die Arbeitgeber und einer schwächeren Wettbewerbsfähigkeit der Frauen auf dem Arbeitsmarkt“, so Ren Yuan vom Bevölkerungsforschungsinstitut der Fudan-Universität. „Wenn die Politik in die Praxis umgesetzt wird, brauchen wir daher detailliertere Lösungen, um zu verhindern, dass sie negative Folgen für Frauen am Arbeitsplatz hat.“