Die Oppositionspolitikerin Xiomara Castro hat derzeit die besten Aussichten, die neue Präsidentin von Honduras zu werden, da sie mit 20 Prozentpunkten vor ihrem Konkurrenten Nasry Asfura liegt. Für die Sezessionisten auf der Insel Taiwan wäre dies ein herber Rückschlag, denn Castro hatte in der Vergangenheit angedeutet, diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China aufnehmen zu wollen.

Präsidentschaftskandidatin der Opposition in Honduras, Xiomara Castro (m.), feiert am 28. November in Tegucigalpa nach den ersten Ergebnissen mit 20 Prozentpunkten Vorsprung vor dem konservativen Kandidaten der Regierungspartei, Nasry Asfura. (Foto: VCG)

Die ersten Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Honduras zeigen, dass die Präsidentschaftskandidatin der Opposition, Xiomara Castro, mit 20 Prozentpunkten Vorsprung vor dem konservativen Kandidaten der Regierungspartei, Nasry Asfura, führt.

Chinesische Beobachter begrüßten den sich abzeichnenden Sieg Castros, die auf dem besten Weg ist, die erste weibliche Präsidentin des mittelamerikanischen Landes zu werden. Denn in der Vergangenheit hatte sie einmal versprochen, im Falle ihres Sieges sofort diplomatische und kommerzielle Beziehungen zu China aufzunehmen und die „Beziehungen" zu den Taiwaner Behörden dafür herunterzufahren.

Die Experten betonten, ein solches Ergebnis mit einer „massiven Wahlbeteiligung" zeige, dass die Honduraner die von den USA unterstützte Regierung zunehmend satt hätten. Stattdessen würden sie erkennen, dass ihnen eine Anerkennung des in der globalen Gemeinschaft dominierenden Trends des Ein-China-Prinzips im Vergleich zur „Dollar-Diplomatie" der Insel Taiwan greifbarere Vorteile bringen könnte. Gleichzeitig erkannten die Experten aber natürlich auch an, dass diese diplomatischen Themen bei der Wahl in dem lateinamerikanischen Land wahrscheinlich nicht ausschlaggebend gewesen seien.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, sagte am Montag zur Wahl Castros, dass China bereit sei, freundschaftliche und kooperative Beziehungen zu jedem Land aufzubauen, solange das Ein-China-Prinzip gewahrt werde.

Honduras sei eines der verbleibenden 15 Länder auf der Welt, die noch so genannte „diplomatische Beziehungen" zur Insel Taiwan unterhalten. Wenn Castros Sieg offiziell bestätigt werde und sie ihr Versprechen einhalte, könnte die veränderte Haltung der neuen Regierung von Honduras in dieser Angelegenheit gleichzeitig auch eine Vorbildwirkung für die 14 anderen Länder haben, erklärte Jiang Shixue, Professor und Direktor des Zentrums für Lateinamerikastudien an der Universität Shanghai. Wenn Honduras seine Beziehungen zu Taiwan wirklich abbrechen sollte, wäre das ein schwerer Schlag für die Sezessionisten und ein Alarmsignal für Länder wie Litauen, das vor kurzem in der Taiwan-Frage einen falschen Weg eingeschlagen hätte, indem es die Sezessionisten unterstützt habe, stellte er klar.

Die Einwohner Honduras und die lokalen Politiker könnten nicht übersehen, wie das Nachbarland El Salvador, das 2018 die „diplomatischen Beziehungen" mit der Insel Taiwan abgebrochen und formelle Beziehungen zu China aufgenommen hatte, seither floriert, so Beobachter. Es sei klar, dass sich viele Länder in dieser Region für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit China entschieden haben, um ihre eigenen Gesellschaften besser zu entwickeln. Im Gegensatz zu den zwielichtigen politischen Spenden, die diesen Ländern von der Insel Taiwan gewährt werden, bringen die Hilfe und die Investitionen des chinesischen Festlandes tatsächlich greifbare Vorteile für die Gesellschaft.

Trotz der Aussicht, dass Honduras im Falle einer Wahl Castros formale Beziehungen zu China knüpfen wird, würden die USA jedoch nicht damit aufhören, sich in den Prozess einzumischen, warnten Analysten. So besuchte beispielsweise letzte Woche eine US-Delegation unter der Leitung von Brian Nichols, dem stellvertretenden US-Außenminister für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre, Honduras. Nichols machte gegenüber den honduranischen Präsidentschaftskandidaten dabei deutlich, dass die USA wollen, dass Honduras seine langjährigen „diplomatischen" Beziehungen zur Insel Taiwan aufrechterhält.

Die USA warnten die zentralamerikanischen Staaten auch „vor den Risiken, die mit Chinas Annäherung an die Region verbunden sind", wie Reuters berichtete.

Die USA hätten langsam das Gefühl, die Kontrolle in ihrem „Hinterhof" zu verlieren, da sie befürchten, dass Honduras Ländern wie El Salvador, Panama und der Dominikanischen Republik folgen und Beziehungen zu China aufnehmen könnte. Die USA würden deshalb Druck von allen Seiten ausüben, um den Prozess zu behindern, was Sanktionen oder die Drohung, die Hilfe einzustellen, einschließen könnte, so Beobachter.