Die neue Omikron-Variante von COVID-19 wird vorläufig keine größeren Auswirkungen auf China haben. Dies sagte Zhang Wenhong, Chinas führender Spezialist für Infektionskrankheiten, und fügte hinzu, dass das Land dank seiner schnellen Reaktion und seiner dynamischen „Null-Fälle“-Politik in der Lage sei, mit jeder Coronavirus-Variante fertig zu werden.

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Angesichts der unbekannten Gefahr, die von Omikron ausgeht – welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag zu einer „besorgniserregenden Variante“ erklärt hat, die ein höheres Risiko birgt als andere Virusstämme – verhängen viele Länder derzeit wieder Reisebeschränkungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Zhang, der Leiter des medizinischen COVID-19-Teams von Shanghai, schloss zum jetzigen Zeitpunkt größere Auswirkungen der neuen Variante auf China aus.

China befinde sich jetzt in einer „strategischen Chance“, die es durch seine Null-Fall-Strategie gewonnen habe, sagte Zhang am Sonntag auf Chinas Twitter-ähnlicher Plattform Sina Weibo. Er wies darauf hin, dass das Land die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen schaffe, um die Bekämpfung des Coronavirus zu unterstützen und die Verfügbarkeit von Impfstoffen und Medikamenten sicherzustellen, damit die Grenzen wieder geöffnet werden können. „Wenn wir mit der Delta-Variante fertig werden, können wir auch mit Omikron fertig werden", sagte Zhang.

Der Epidemiologe meinte, es sei schwer zu sagen, ob sich die weltweiten Bemühungen im Kampf gegen das Coronavirus nun in Luft aufgelöst hätten, und dass man rund zwei Wochen lang Daten und Labormaterialien sammeln müsse, um die neue Variante genau beurteilen zu können.

Er wies darauf hin, dass die Impfrate in Südafrika, wo die neue Variante einen sprunghaften Anstieg der Infektionen verursachte, mit nur 24 Prozent vollständig geimpften Personen sehr niedrig sei. „Wenn die Situation [in Südafrika] in Israel eintreten würde [wo mehr als 80 Prozent geimpft sind], dann würden wir zweifellos sagen, dass der Welt eine weitere Runde eines harten Kampfes gegen COVID-19 bevorsteht“, so Zhang.

Zhang warnte auch davor, dass, wenn sich bestätigen sollte, dass die neue Variante in der Lage sei, das derzeitige Immunsystem zu brechen, die Wissenschaftler das derzeitige Impfstoffsystem anpassen müssten, was möglicherweise bedeuten würde, dass jedes Jahr neue Impfstoffe entwickelt werden müssten.

Zhang sagte, dass er und seine Kollegen die neue Variante bereits untersuchen würden.

Jin Dongyan, Professor für Biomedizin an der Universität von Hongkong, erklärte gegenüber der Global Times, dass die meisten Varianten von Coronaviren nicht lange überleben würden. Viele der bisher aufgetretenen neuen Varianten hätten nicht überlebt, und wenn doch, könnten sich nur einige wenige zu vorherrschenden Varianten entwickeln.

Es habe bereits Hunderte von COVID-19-Varianten gegeben, die seit Beginn des Ausbruchs aufgetaucht seien, und nur Delta habe überlebt – gefolgt von den Beta- und Gamma-Varianten, die alle wieder verschwunden seien, so Jin. Er fügte hinzu, dass es fraglich bleibe, ob Omikron zur vorherrschenden Variante werde, und forderte die Öffentlichkeit auf, nicht in Panik zu verfallen.