Chinas Staatspräsident Xi Jinping und der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, haben sich am Freitag dazu verpflichtet, die bilateralen Beziehungen auszubauen und den Multilateralismus in der Zeit nach der Pandemie zu bewahren.

Das Telefongespräch zwischen Xi und Michel fand nur zwei Tage nach dem Videogespräch zwischen dem chinesischen Präsidenten und der Regierungschefin des wichtigen EU-Landes Deutschland, Angela Merkel, statt. Die fast zeitgleich stattfindenden Gespräche auf höchster Ebene zwischen den Staats- und Regierungschefs Chinas und der EU haben gezeigt, dass ein politischer Konsens darüber besteht, sicherzustellen, dass die bilaterale umfassende strategische Partnerschaft auch weiterhin auf dem richtigen Weg bleibt.

Angesichts der vielen globalen Herausforderungen – zum Beispiel die immer noch grassierende COVID-19-Pandemie und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, der Klimawandel und diverse regionale Unruhen - erörterten Xi und Michel, wie China und die EU zusammenarbeiten könnten, um die Beziehungen zu stärken und der ganzen Welt zu helfen.

Erstens sollten China und die EU ihre strategische Kommunikation verstärken. In den letzten Monaten konnten die Beziehungen zwischen China und der EU bestenfalls als „wackelig“ beschrieben werden, da böswillige westliche Politiker und die dortige Presse Chinas Menschenrechtsbilanz verteufelten, während sie zeitgleich die Augen vor den Menschenrechtsverletzungen in ihrem eigenen Hinterhof verschlossen.

Wenn man die unterschiedlichen Historien, Kulturen, Sozialsysteme und Entwicklungsstufen berücksichtigt, ist es nicht verwunderlich, dass die beiden Seiten nicht in allen Fragen einer Meinung sind. Als zwei umfassende strategische Partner sollten sich China und die EU aber trotzdem weiterhin dem Dialog und dem gegenseitigen Respekt verschreiben und die Kerninteressen des jeweils anderen verstehen.

Darüber hinaus liegen große Chancen im Ausbau der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, denn die Volkswirtschaften Chinas und der EU sind enger miteinander verflochten als je zuvor. Im Jahr 2020 wurde China zum größten Handelspartner der EU und auch in den ersten acht Monaten dieses Jahres ist der Handel zwischen beiden Seiten im Vergleich zum Vorjahr um 32,4 Prozent gestiegen, was die Widerstandsfähigkeit des bilateralen Handels trotz der Pandemie anschaulich widerspiegelt.

Der Güterzugverkehr zwischen China und Europa markiert einen weiteren Höhepunkt in der bilateralen Zusammenarbeit. In einer Zeit, in der die Lieferketten in Eurasien Region wegen COVID-19 äußerst störungsanfällig waren, haben die China-Europa-Güterzüge die Versorgungssicherheit gestärkt und damit Unternehmen in China und Europa gerettet und gleichzeitig die Bemühungen zur Bekämpfung der Pandemie erleichtert. Eine stärkere wirtschaftliche Beziehung kommt daher nicht nur China und der EU zugute, sondern wird auch die Weltwirtschaft stabilisieren.

Neben der Förderung des Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit könnten beide Seiten zudem auch stärker kooperieren, um das ökologische Niveau und die digitalen Fähigkeiten in ihren Volkswirtschaften zu stärken. Auf diese Weise könnten neue Wachstumsmotoren geschaffen und die Neue Seidenstraßeninitiative aktiv mit der globalen EU-Konnektivitätsstrategie verknüpft werden.

Als zwei wichtige Akteure auf der Weltbühne sollten China und die EU überdies auch zusammenarbeiten, um eine friedliche und wohlhabende Welt zu gewährleisten. Zu diesem Zweck sollte die EU gemeinsam mit China den Multilateralismus gegen den Gegenwind des zunehmenden Protektionismus und Isolationismus vorantreiben und einige der dringendsten globalen Herausforderungen wie die globale Erderwärmung, die Pandemie und Terrorismus gemeinsam angehen.

Ein Mangel an Entwicklung ist die Hauptursache für die tiefgreifenden Probleme, von denen die Entwicklungsländer und die am wenigsten entwickelten Länder betroffen sind. Die Pandemie hat das Wohlstandsgefälle rund um den Globus sogar noch weiter vergrößert. Die EU kann gemeinsam mit China noch mehr dafür tun, um die Entwicklungsdefizite in der Welt zu verringern.

Bei der 76. Tagung der UN-Generalversammlung im September hatte Präsident Xi Jinping in einer per Video übertragenen Erklärung eine globale Entwicklungsinitiative vorgeschlagen, um die Entwicklung in der ganzen Welt angesichts der von COVID-19 verursachten schweren Schocks in Richtung eines ausgewogeneren, koordinierten und integrativen Wachstums zu lenken.

Die EU ist eingeladen, sich dieser Initiative anzuschließen und mit China und anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um den Entwicklungsländern dabei zu helfen, die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung so früh wie möglich zu erreichen.

China hat sich stets aufrichtig um eine Stärkung seiner strategischen Partnerschaft mit der EU bemüht. Im Gegenzug sollte Brüssel mit Beijing zusammenarbeiten, um etwaige Differenzen zu beseitigen und die gemeinsamen Interessen zu fördern.

Im Zeitalter der globalen Interdependenz wird eine starke Partnerschaft zwischen China und der EU der ganzen Welt zugutekommen.