Navina Heyden liebt die chinesische Kultur und erklärt ihren deutschen Zuhörern in ihren Online-Beiträgen regelmäßig Aspekte des chinesischen Lebens. In einem Artikel mit der „Welt“ wurde sie dafür im Juni als „Chinas heimliche Propagandisten“ bezeichnet. Nun erhielt gerade dieser Artikel voller Lügen den Deutschen Journalistenpreis (GJP). Heyden versucht nun gegen diese Auszeichnung vorzugehen.

Navina Heyden

Navina Heyden, eine deutsche Bloggerin, die die chinesische Kultur mag und oft über China berichtet, wurde von der Zeitung „Die Welt“ als „Chinas geheime Online-Armee" verunglimpft und war Opfer von Cybermobbing. Sie verklagte die Zeitung daraufhin vor einem Frankfurter Gericht und gewann den Prozess auch, doch vor kurzem wurde zu ihrer großen Überraschung ausgerechnet der Artikel, der voller Lügen ist und sie durch die unethische Veröffentlichung ihrer persönlichen Daten zum Opfer von Cybermobbing gemacht hatte, mit dem Deutschen Journalistenpreis (GJP) ausgezeichnet.

Im Mai hatte die„Welt“ Kontakt mit ihr aufgenommen und sie um ein Interview gebeten. Heyden sagte, die Zeitung habe ihr damals gesagt, sie wolle erörtern, „warum es so viele Fake News über China im Internet gibt", und so stimmte das Mädchen dem Interview zu, obwohl sie sich der ständigen Vorurteile der deutschen Medien gegenüber China bereits damals bewusst gewesen sei.

Der später veröffentlichte Artikel schockierte Heyden jedoch, da er sie mit der Überschrift „Chinas heimliche Propagandisten“ als geheime bewaffnete Kraft im Internet bezeichnete. Die Zeitung enthüllte auch Heydens richtigen Namen, Bilder und Wohnort ohne ihre Erlaubnis und setzte sie damit der Cybergewalt der Anti-China-Kräfte aus. Heyden klagte deshalb gegen die Axel Springer SE, einen Anteilseigner der Zeitung, und erzielte einen vorläufigen Erfolg.

Im Oktober wurde ausgerechnet dieser Artikel dann jedoch mit dem diesjährigen Deutschen Journalistenpreis (GJP) in der Kategorie „IT & Kommunikation" ausgezeichnet. Schockiert über die Auszeichnung schrieb Heyden einen Brief an das Komitee, erhielt aber bisher keine Antwort. Deshalb entschied sie sich, eine Petition auf change.org zu starten, einer in San Francisco ansässigen Petitions-Website, um das GJP-Komitee aufzufordern, die diesjährige Auszeichnung für die Zeitung zurückzuziehen. Heyden listete dafür sieben Falschaussagen in dem Artikel auf. Zum Beispiel hieß es in dem Artikel, dass „Heydens Partner ihr einen schriftlichen Text geben würde, um ihr zu zeigen, was sie sagen soll". Tatsache ist jedoch, dass Heyden zufolge ihr Partner während des Interviews mit der „Welt" nur neben ihr gesessen und Videospiele gespielt habe, da dieser Raum der einzige Ort im Haus sei, an dem die Sonne scheint. Heyden berichtete, dass die Zeitung den Inhalt später in „Heydens Partner saß neben ihr und hörte dem Gespräch zu" geändert habe, nachdem sie ein Mahnschreiben erhalten hatte.

Heyden kritisierte, dass der Artikel der „Welt“, der sie beschuldigen würde, „Teil von Chinas politischem Propagandanetzwerk" zu sein, andeuten würde, dass sie von der chinesischen Regierung unterstützt wird, und Misstrauen verbreiten würde. Obwohl sie der Meinung ist, dass es sich hierbei um reine Verleumdung und Erfindung handelt, können sich die Medien nach deutschem Recht verteidigen, so dass sie aufgeben muss. „Schließlich klage ich gegen ein Medienkonglomerat. Das ist sehr schwierig."

„Auch wenn wir keine sofortige Besserung erreichen können oder das Gericht sich vielleicht immer noch weigert, seine Entscheidung zu ändern, werden wir einen Fußabdruck in der Geschichte hinterlassen, dass wir für soziale Gerechtigkeit gekämpft haben", schrieb Heyden in ihrer Petition.

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