Wie so häufig streuen Indiens Medien vor einer geplanten Gesprächsrunde zwischen hochrangigen Militärkommandeuren aus China und Indien haltlose Gerüchte über angebliche Konflikte in der Grenzregion. Das Verhalten zeigt Experten zufolge, dass die indische Seite nichts aus den Streitigkeiten im letzten Jahr gelernt hat.

„Zangnan“ bezeichnet den südlichen Teil des Autonomen Gebiets Tibet. Foto: Xinhua

Das indische Militär hat nicht nur eine routinemäßige Patrouille chinesischer Grenztruppen behindert, sondern über das Sprachrohr der indischen Medien auch das Gerücht in die Welt gesetzt, dass „chinesische Soldaten beim Überschreiten der Grenzlinie festgenommen wurden". Dies ist ein Manöver nach dem Motto „Der Dieb schreit: Stoppt den Dieb“, das nach Ansicht chinesischer Analysten zeigt, dass die indische Seite nichts aus den Grenzkonflikten des letzten Jahres gelernt hat und für den jüngsten Vorfall verantwortlich gemacht werden sollte.

Der jüngste Zwischenfall hat eine relativ ruhige Phase an der chinesisch-indischen Grenze unterbrochen, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem China und Indien eine weitere Runde hochrangiger militärischer Gespräche führen wollen. Chinesische Experten warnten die indische Armee und die Medien davor, Chinas Zurückhaltung gegenüber solchen Gerüchten nicht fälschlicherweise als Toleranz gegenüber Verleumdungen zu interpretieren.

Die indische Nachrichtenagentur „News18“ zitierte am Freitag Regierungsquellen, wonach die indische Armee einige chinesische Truppen in der Region „Zangnan“ (der südliche Teil des Autonomen Gebiets Tibet) wegen eines „Übergriffs" in diesem Gebiet vorübergehend festgenommen habe. Diese Meldung wurde jedoch von der China Daily zurückgewiesen, die eine Quelle des chinesischen Militärs mit den Worten zitierte, der Bericht sei „frei erfunden".

Die Quelle berichtete weiter, chinesische Grenztruppen hätten am 28. September eine Routinepatrouille im Gebiet Dongzhang auf der chinesischen Seite der chinesisch-indischen Grenze durchgeführt und seien dabei auf „unangemessene Behinderungen" durch das indische Militär gestoßen. Die chinesischen Offiziere und Soldaten hätten daher entschlossen Gegenmaßnahmen ergriffen und seien nach Abschluss der Patrouillenmission zurückgekehrt.

Einige Teile der chinesisch-indischen Grenze sind nicht markiert. Mit der Absicht, chinesisches Territorium zu untergraben und bei künftigen chinesisch-indischen Grenzgesprächen mit China zu verhandeln, habe Indien immer wieder Unruhen an der Grenze provoziert und seine Truppenstärke erhöht, wodurch Chinas Territorium und Souveränität verletzt worden sei, so ein anonymer Militärexperte.

Die chinesischen Truppen würden jedoch unter keinen Umständen zurückweichen: „Wenn wir heute auch nur einen Zentimeter zurückweichen, bedeutet das die Schrumpfung des nationalen Territoriums. Das ist absolut inakzeptabel!", machte Li Xin, der politische Ausbilder eines Grenzverteidigungsbataillons, deutlich.

„Wenn es einen Feind gibt, der unser Territorium oder unsere Souveränität verletzen will, dann muss er über meine Leiche gehen!" fügte Huang Xinyu, ein junger Grenzschutzsoldat in Tibet, hinzu.

Der Hype in den indischen Medien kommt zu einem Zeitpunkt, an dem China und Indien Berichten zufolge die 13. Runde der Gespräche auf Kommandeursebene beginnen. Die Gespräche sind von chinesischer Seite allerdings bislang nicht bestätigt worden.

„Die indische Regierung, das Militär und die Medien greifen solche Grenzfragen gewöhnlich vor den Gesprächen zwischen den beiden Armeen auf, um die roten Linien der chinesischen Seite zu testen und die einheimische Meinung zu beeinflussen", erklärte Zhao Gancheng, Direktor des Zentrums für Asien-Pazifik-Studien am Shanghai Institute for International Studies.

Chinesische Experten wiesen darauf hin, dass China dagegen Zurückhaltung geübt und nur maßgebliche Informationen veröffentlicht habe, in der Hoffnung, eine harmonische Atmosphäre für die beiden Länder zu erhalten, um die Grenzfrage zu lösen.