China hat am Samstag einen Notstand der Stufe VI ausgerufen, da die nordchinesische Provinz Shanxi unter den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten leidet. Mehr als 50.000 Einwohner wurden umgesiedelt, 166 Touristenattraktionen geschlossen und der Betrieb von 60 Kohlebergwerken eingestellt. Feuerwehrleute in Shanxi zogen Kinder aus den Fluten, trugen Bewohner auf dem Rücken und retteten und evakuierten 920 Menschen, nachdem schwere Regenfälle die Provinz in der vergangenen Woche überschwemmt hatten.

Am Samstag rief das chinesische Ministerium für Katastrophenschutz daher die Notfallstufe IV für die Überschwemmungen in Shanxi und der Nachbarprovinz Shaanxi aus und entsandte Arbeitsteams in die betroffenen Gebiete.

Mehrere Städte in Shanxi wurden in den letzten 10 Tagen von heftigen Regenfällen mit einer Stärke von 100-250 mm heimgesucht, und in einigen Gebieten fiel in der letzten Woche sogar so viel Regen wie sonst im gesamten Oktober, wie Daten des Nationalen Meteorologischen Zentrums zeigen.

Aufgrund der seit dem 3. Oktober andauernden Regenfälle und einer Flut von Wasser aus flussaufwärts gelegenen Gebieten erlebte der untere Fenhe-Fluss den größten Hochwasserstand der letzten 40 Jahre. Gegen 7:40 Uhr am Samstag stieg der Wasserdurchfluss im Hejin-Abschnitt des Unterlaufs des Fenhe-Flusses auf 985 Kubikmeter pro Sekunde an - nach Angaben der örtlichen hydrometrischen Station das stärkste Hochwasser seit 1954. Entlang des Fenhe-Flusses kam es unter anderem in Taiyuan, Yangquan, Linfen, Yuncheng, Jinzhong, Luliang zu schweren Überschwemmungen.

Um den Schutz von Menschenleben und Eigentum zu gewährleisten, beschloss die örtliche Regierung, den Strand des Gelben Flusses in der Nähe eines Dorfes in der Stadt Hejin zu nutzen, um dort das Hochwasser zu speichern und umzuleiten. So konnte das Wasser direkt nach Westen in den Gelben Fluss fließen, was den Druck auf den örtlichen Hochwasserschutz verringert hat.

Die von der Flut betroffenen Kohlebergwerke in Shanxi stellten ihre Produktion vorübergehend ein, was einige Beobachter dazu veranlasste, mit Sorge auf die möglichen Auswirkungen auf die Stromerzeugung in den kommenden Wochen und Monaten zu blicken.

Dong Dengxin, ein Wirtschaftswissenschaftler, wurde von Jimu News mit den Worten zitiert, dass die Auswirkungen der Überschwemmungen in Shanxi auf die Ernten zwar erheblich sein könnten, dass man sich aber keine allzu großen Sorgen über die Auswirkungen auf die Kohleindustrie machen müsse. „Shanxi ist als eine der wichtigsten kohleproduzierenden Provinzen sehr wichtig für die Kohleversorgung des Landes", betonte Dong.

Er räumte auch ein, dass die Katastrophe kurzfristige Auswirkungen auf die Kohle- und Stromversorgung des Landes haben werde, zeigte sich jedoch gleichzeitig zuversichtlich, dass die Kohleförderung in Shanxi nach Abschluss der Rettungs- und Flutbekämpfungsmaßnahmen schnell wieder aufgenommen werden könne.