Die fehlende Kompatibilität von Internetdiensten verschiedener Anbieter wird immer mehr zu einem Problem. Dies wird vor allem in der Coronakrise deutlich, da es häufig zu Problemen bei der Anzeige der Gesundheitscodes kommt. Bei einem Treffen mit Internetgiganten wie Alibaba und Tencent forderte Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie die Anbieter nun auf, ihre Plattformen für die Dienste ihrer Konkurrenten zu öffnen.

Technologieunternehmen wie Alibaba und Tencent abgehalten, um sie aufzufordern, die gegenseitige Sperrung von Verlinkungen auf ihren Plattformen zu beenden, berichtete die chinesische Zeitung The 21st Century Business Herald am Samstag. Das Ministerium schlug den Unternehmen am Freitag Standards für Instant-Messaging-Dienste vor und teilte ihnen mit, dass alle Plattformen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens freigeschaltet werden müssten, so die Zeitung unter Berufung auf Quellen. Zu den Unternehmen, die an dem Treffen am Freitag teilnahmen, gehörten neben Alibaba und Tencent auch ByteDance (Mutterkonzern von Tiktok), Baidu, Huawei und Xiaomi.

Chinas Internet wird von einer Handvoll Technologieriesen beherrscht, die in der Vergangenheit Links und Dienste von Konkurrenten auf ihren Plattformen blockiert haben, was von Analysten als „Walled Gardens" (auf Deutsch etwa: Gärten mit Trennwänden) bezeichnet wird. Dies werde zu einem immer größeren Problem, nachdem sich die Internetnutzung immer mehr von PCs auf Mobiltelefone verlagert habe, erklärt Liu Xu, wissenschaftlicher Mitarbeiter am National Strategy Institute der Tsinghua-Universität in Beijing. Während der COVID-19-Pandemie wurden WeChat von Tencent und Alipay von der Ant Group zu den am häufigsten verwendeten Terminals zum Scannen von Gesundheitscodes, was die Abhängigkeit der Nutzer von WeChat und Alipay deutlich mache, so Liu.

„Tencent und Alibaba, zusammen mit der Alibaba-Tochter Ant Group, haben jedoch zwei Ökosysteme gebildet, die nicht miteinander verbunden werden können, was für die Nutzer nicht gut ist. Gleichzeitig zwingt es auch andere Internetunternehmen dazu, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden", machte er deutlich.

Ein gutes Beispiel für die durch die gegenseitige Blockade verursachten Probleme sei das zu Alibaba gehörende „DingTalk“. Der Gesundheitscode von DingTalk konnte im März letzten Jahres nicht auf der WeChat-Plattform geteilt werden, was dazu führte, dass die DingTalk-Nutzer Schwierigkeiten hatten, ihre Arbeit in verschiedenen Provinzen wieder aufzunehmen.

Im Juli berichtete das Wall Street Journal, dass Alibaba und Tencent allmählich eine gegenseitige Öffnung ihrer Dienste in Erwägung ziehen würden, etwa durch die Einführung von Tencents „WeChat Pay“ auf Alibabas E-Commerce-Marktplätzen „Taobao“ und „Tmall“.