Japans Verteidigungsministerium behauptete, am Sonntag vor einer südlichen japanischen Insel ein chinesisches U-Boot gesichtet zu haben. Chinesische Militärexperten äußern starke Zweifel an dieser Behauptung und erklären, dass es wahrscheinlich nur ein weiterer Vorwand sei, um Gründe für eine Änderung der pazifistischen Verfassung zu haben.

Ein neuartiges konventionelles U-Boot der chinesischen Volksbefreiungsarmee (VBA) nimmt am 23. April 2019 an einer Marineparade anlässlich des 70. Gründungsjubiläums der Marineeinheit der VBA auf dem Meer vor Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong teil. Foto: Xinhua

Japan habe am Sonntag vor einer südlichen japanischen Insel ein U-Boot entdeckt, das im Ostchinesischen Meer nach Westen fahre, wie AP berichtet. Das japanische Verteidigungsministerium ist angeblich der Meinung, dass es sich um ein chinesisches U-Boot handele, weil sich ein chinesischer Lenkwaffenzerstörer vom Typ 052D in der Nähe des U-Boots aufgehalten habe, berichtete AP weiter. Weder das U-Boot noch das Schiff seien in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen. Der Vorfall hat dem Bericht zufolge Japans Vorsicht im Ostchinesischen Meer erhöht, da China seine militärischen Aktivitäten verstärken würde.

China hat jedoch bisher keine entsprechenden militärischen Aktivitäten in dem Gebiet angekündigt und einige chinesische Beobachter haben daher deutliche Zweifel an den japanischen Spekulationen geäußert, da sie keinen Beweis für die Nationalität des angeblichen U-Boots vorlegen konnten.

Nach internationalem Recht können Schiffe und U-Boote frei in internationalen Gewässern fahren. Daher gäbe es kein Problem, selbst wenn chinesische Schiffe außerhalb der japanischen Hoheitsgewässer navigieren würden, erläuterte Song Zhongping, ein chinesischer Militärexperte und Fernsehkommentator, am Sonntag. Japan habe die mutmaßlichen chinesischen Marineaktivitäten aufgebauscht, weil es so noch mehr zur Stimmung der angeblichen „China-Bedrohung" beitragen wolle, um dadurch noch mehr Vorwände zu haben, seine pazifistische Verfassung zu überarbeiten, so Song.

Japan hatte in den letzten Wochen bereits mehrmals über intensive Aktivitäten der chinesischen Volksbefreiungsarmee (VBA) berichtet, darunter Durchfahrten von VBA-Kriegsschiffsflotten in der Miyako-Straße, der Tsushima-Straße und der La-Pérouse-Straße (auch Sōya-Straße genannt) - allesamt internationale Gewässer.

In Japans jüngstem Weißbuch zur Verteidigung, das im Juli veröffentlicht wurde, wird zum ersten Mal die Stabilität der Insel Taiwan erwähnt und die Situation der Diaoyu-Inseln erneut hervorgehoben. Sowohl bei der Insel Taiwan als auch bei den Diaoyu-Inseln handelt es sich allerdings um chinesische Hoheitsgebiete.

Japan und Vietnam hätten zudem am Samstag ein Abkommen über den Transfer von Verteidigungsgütern unterzeichnet, das sich gegen China im Ostchinesischen Meer und im Südchinesischen Meer richtet, so ein Bericht von AP am Sonntag.

Zu den jüngsten Marineaktivitäten Chinas in der Nähe Japans sagte Xu Guangyu, ein leitender Berater der Chinesischen Vereinigung für Rüstungskontrolle und Abrüstung (China Arms Control and Disarmament Association), in der vergangenen Woche, dass die Maßnahmen dazu beitragen würden, Frieden und Stabilität in der Region zu sichern, indem sie die rechtsgerichteten japanischen Kräfte abschrecken. Gleichzeitig gebe es jedoch keinen Grund für China, sich allzu sehr um Japan zu sorgen und auf jede japanische Provokation militärisch zu reagieren, da die japanischen Behörden ihre eigenen Ziele verfolgen würden, wie zum Beispiel die Wahlen, mahnte Xu.

Er machte zudem deutlich, dass sich Chinas Volksbefreiungsarmee in ihrem eigenen Tempo entwickle.