Am Samstag, zeitgleich mit dem Besuch von Chinas Außenminister Wang Yi, haben Japan und Vietnam ein Abkommen über den Transfer von militärischen Geräten und Technologien unterzeichnet. Chinesische Militärexperten erklären, dass Japan damit seinen militärischen und sicherheitspolitischen Einfluss in der Region stärken und seine pazifistische Verfassung schrittweise ändern wolle.

Japan und Vietnam haben am Samstag ein Abkommen über den Transfer von Militärausrüstung und -technologien unterzeichnet, das sich laut ausländischen Medien gegen China richtet. Experten zufolge zielt Tokios militärische Zusammenarbeit mit Hanoi darauf ab, seinen Einfluss in regionalen Sicherheitsfragen auszuweiten. Die Ausrüstungsexporte seien nun ein Versuch, die von Japans Verfassung aufgelegten militärischen Beschränkungen aufzuweichen.

Die Vereinbarung wurde am Samstag bei einem Treffen zwischen dem japanischen Verteidigungsminister Nobuo Kishi und seinem vietnamesischen Amtskollegen Phan Van Giang in Hanoi getroffen. Das Treffen fand damit zeitgleich mit dem zweitägigen Besuch des chinesischen Staatsrats und Außenministers Wang Yi in Vietnam statt, welches am Freitag begonnen hatte.

Nach Angaben des japanischen Verteidigungsministeriums werden Japan und Vietnam in weiteren Gesprächen Einzelheiten über den Transfer von spezifischer Ausrüstung - einschließlich Marineschiffen - ausarbeiten. Kishi sagte in einer Online-Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen, dass Japan die Gespräche mit Vietnam über den Verkauf von Schiffen der Selbstverteidigungskräfte beschleunigen werde, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtete.

Japans Abkommen über den Transfer von Verteidigungsausrüstung und -technologie nach Vietnam ziele nicht nur darauf ab, die Verteidigungszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erheblich zu verbessern, sondern sei überdies auch ein neuer Schritt, um Tokios Präsenz im indopazifischen Raum in Bezug auf regionale Sicherheitsfragen zu verstärken. Hierbei würde vor allem die Region Südostasien oberste Priorität genießen, erläuterte Zhang Yong, Generalsekretär des Zentrums für chinesisch-japanische Beziehungen am Institut für Japanstudien der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Der Export von selbst hergestellter Verteidigungsausrüstung sei im Grunde Japans neuester Versuch, seine militärischen Beschränkungen aufzuweichen und folgedem alten Weg des früheren japanischen Premierministers Shinzo Abe, der Japans militärische Rolle im Ausland stärken wollte. Laut Kyodo News ist das japanisch-vietnamesische Abkommen auch eine Reaktion auf Chinas „wachsendes Selbstbewusstsein in regionalen Gewässern“.

Auch chinesische Beobachter erklärten, dass Japans Schritt eindeutig auf China abziele, da das Land in letzter Zeit eine Reihe von provokativen Maßnahmen gegen China durchgeführt habe, darunter die Durchführung von Militärübungen gegen China mit Ländern innerhalb und außerhalb des indopazifischen Raums und wiederholte Provokationen im Zusammenhang mit der Taiwan-Frage. Einige japanische Politiker haben Chinas rote Linie überschritten, indem sie sich zu Taiwan geäußert und vorgeschlagen hatten, Japan solle die Insel gegen das chinesische Festland unterstützen. Die jüngste Äußerung kam am Mittwoch vom stellvertretenden japanischen Verteidigungsminister Yasuhide Nakayama, der laut einem Bericht in der Newsweek einen Angriff auf die Insel Taiwan mit der nationalen Sicherheit Japans in Verbindung brachte. Zhang sagte, Japan verhalte sich gegenüber China zunehmend defensiv, da die USA ihre Bemühungen, Japan auf ihre Seite zu ziehen, intensiviert hätten und ihre Allianz weiter stärken würden.

Der chinesische Staatsrat und Außenminister Wang Yi besuchte am Freitag Vietnam als erste Station seiner Reise nach Südostasien, wo er sich mit dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Vietnams, Nguyen Phu Trong, dem vietnamesischen Premierminister Pham Minh Chinh und anderen hochrangigen Beamten traf. Während der Treffen betonte Wang, dass China und Vietnam sich an den bereits erzielten politischen Konsens in der Frage des Südchinesischen Meeres halten und einseitige Maßnahmen vermeiden müssten, die die Situation verkomplizieren und die Streitigkeiten weiter eskalieren könnten.