Der Verdacht, dass es sich bei einigen der sogenannten EVALI-Fälle in den USA im Jahr 2019 in Wahrheit bereits um COVID-19-Fälle gehandelt haben könnte, erhärtet sich immer weiter. Chinesische Wissenschaftler hatten sich kürzlich die Röntgenbilder der Brustkörbe von 250 dieser Patienten angesehen und kamen zu diesem Schluss. Ein renommierter Virologe fordert nun Aufklärung von den USA.

Archivbild vom Labor in Fort Detrick (Xinhua)

Es ist möglich, dass es sich bei einigen der Patienten mit der mysteriösen Lungenerkrankung im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten, die 2019 in allen 50 US-Bundesstaaten aufgetreten war, in Wahrheit um COVID-19-Patienten handelte. Dies hat eine Gruppe chinesischer Wissenschaftler und Radiologen nach der Auswertung von rund 250 Brust-CT-Aufnahmen aus veröffentlichten Forschungsberichten festgestellt. In der Folge forderten diese Wissenschaftler die USA auf, Patienten, die 2019 mit „E-Zigaretten- oder Vaping-assoziierten Lungenschäden“ (EVALI) diagnostiziert worden waren, auf COVID-19 zu testen.

Die Global Times erfuhr am Samstag aus mit der Angelegenheit vertrauten Quellen, dass chinesische Wissenschaftler nach der Untersuchung von 250 Brust-CT-Scans von 142 EVALI-Patienten, die aus rund 60 veröffentlichten Studien zu diesem Thema ausgewählt worden waren, festgestellt hätten, dass bei 16 EVALI-Patienten Virusinfektionen vorlagen. Das deute darauf hin, dass sie COVID-19 gehabt haben könnten. Fünf der Fälle wurden als „mäßig verdächtig" eingestuft. Die 16 EVALI-Patienten stammten alle aus den USA, und bei 12 Patienten hatten die Symptome bereit vor 2020 begonnen.

Die Forscher kamen daher zu dem Schluss, dass es unter den 2019 in den USA gemeldeten EVALI-Infektionen auch Fälle von Virusinfektionen gab, und die Möglichkeit, dass es unter diesen EVALI-Fällen auch COVID-19-Erkrankungen gab, könne nicht ausgeschlossen werden, so die Quellen.

Die Quellen erklärten, dass fünf Patienten als „mäßig verdächtig" eingestuft wurden, weil ihre CT-Scans die Merkmale von Scans nach COVID-19-Erkrankungen aufgewiesen hätten. Solche Scans würden aus glasigen Trübungen bestehen, die hauptsächlich in der Nähe der Peripherie der unteren Lungenflügel verteilt sind. In schwerwiegenden Fällen hätten die CT-Scans mehrere ausgedehnte Konsolidierungen (also die pathologische Flüssigkeits- oder Zellvermehrung im alveolären Lungengewebe) in beiden Lungenflügeln gezeigt. Diese klinischen Merkmale seien denen von COVID-19 sehr ähnlich.

Yang Zhanqiu, Virologe an der Universität Wuhan, erklärte am Freitag gegenüber der Global Times, es sei aufgrund der Ähnlichkeit der Symptome von EVALI und COVID-19 und der Tatsache, dass damals keine Nukleinsäure-Nachweiskits zur Verfügung standen, sehr wahrscheinlich, dass einige COVID-19-Patienten im Jahr 2019 tatsächlich als EVALI-Patienten fehldiagnostiziert worden waren. CT-Scans seien ein Teil des Beweismaterials, die USA könnten darüber hinaus nun noch Antikörpertests an Blutproben von EVALI-Patienten durchführen, um herauszufinden, wie viele von ihnen tatsächlich COVID-19-Patienten waren. Diese Daten sollten sie dann mit der globalen Gemeinschaft teilen, um der Welt zu helfen, dem COVID-19-Ursprung näher zu kommen, forderte Yang und betonte dabei: „Es ist eine sehr einfache Aufgabe."

Medienberichten zufolge wurde die durch E-Zigaretten verursachte Lungenerkrankung in den USA bereits im Juli 2019 gemeldet - demselben Monat, in dem die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) eine „Unterlassungsverfügung" erließen, um die meisten Forschungen in Fort Detrick zu stoppen. Nach Angaben der CDC stiegen die Notaufnahme-Fälle im Zusammenhang mit E-Zigaretten oder Vaping im August 2019 stark an und erreichten im September ihren Höhepunkt.

Bis zum 18. Februar 2020, als die ersten COVID-19-bedingten Todesfälle in den USA gemeldet wurden, wurden dem CDC in allen 50 Bundesstaaten insgesamt 2.807 hospitalisierte EVALI-Fälle oder Todesfälle gemeldet. Bis heute gibt es noch keine bestätigte Ursache für diese E-Zigaretten-Pneumonie, und auch die Ansteckungsfähigkeit der Krankheit ist immer noch unbekannt.