Am Freitag verkündete die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC), dass es zukünftig für Unternehmen mit einer Niederlassung in China deutlich höhere Anforderungen für einen Börsengang in den USA geben werde. In einem Reuters-Bericht hieß es sogar, dass Börsengänge chinesischer Unternehmen ausgesetzt werden könnten.

Die Börsengänge (IPO) von Unternehmen mit Niederlassungen in China an Börsen in den USA werden in den verbleibenden Monaten des Jahres wahrscheinlich ins Stocken geraten, warnten chinesische Brancheninsider und Wertpapierexperten am Freitag, nachdem die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) am Freitag erklärt hatte, dass solche potenziellen IPOs zusätzliche Risikoangaben machen müssten.

In einer Erklärung vom Freitag schrieb die SEC, dass IPO-Anträge von Emittenten, die mit in China ansässigen Unternehmen verbunden sind, nur dann für gültig erklärt werden, wenn sie bestimmte Angaben machen. Von der neuen Regelung betroffen sind in China ansässige Betriebsgesellschaften, die als sogenannte „Variable Interest Entities“ (VIE: Eine in den USA rechtlich geordnete besondere Form einer Zweckgesellschaft) strukturiert sind.

In einem früheren Bericht vom Freitag hatte Reuters sogar mitgeteilt, dass die US-Wertpapieraufsichtsbehörde die Bearbeitung von Börsenzulassungen chinesischer Unternehmen einstellen wird. Die Aktien der in den USA notierten chinesischen Unternehmen eröffneten am Freitag entsprechend auch mit Kursverlusten. Das Unternehmen NetEase brach zum Beispiel um über 10 Prozent ein, Bilibili fiel um 7 Prozent, während Alibaba um 3 Prozent abrutschte.

Die neuen Beschränkungen für chinesische IPO-Kandidaten, die von Marktbeobachtern als politisch motiviert angesehen werden, stehen im Gegensatz zu Chinas Versprechen, seine Marktöffnung weiter fortzusetzen und gleichzeitig einen offenen Ansatz bei der Wahl der Börsengänge seiner Unternehmen zu verfolgen. Die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde erklärte, sie sei offen dafür, Unternehmen die Wahl zu lassen, wo sie an die Börse gehen wollen. Sie unterstütze solche Unternehmen dabei, Entscheidungen auf der Grundlage ihrer eigenen Entwicklungsbedürfnisse zu treffen, hieß es in einem vielzitierten Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am späten Mittwoch.

Sollte die US-Regulierungsbehörde Börsengänge chinesischer Unternehmen tatsächlich aussetzen, wäre dies ein großer Rückschlag für die US-Kapitalmärkte, die dann - ohne chinesische Beteiligung - dem Namen eines internationalen freien Marktes nicht mehr gerecht würden, betonte Dong Dengxin, Direktor des Instituts für Finanzen und Wertpapiere der Universität Wuhan, am Freitag.

Dong merkte an, dass dieser Schritt aber keine großen Auswirkungen auf solche Unternehmen haben würde, da diese sich für eine Notierung an der Hongkonger Börse (HKEX) entscheiden könnten, die der NASDAQ und der New Yorker Börse komplett ebenbürtig sei.

„Die HKEX ist seit Jahren gut auf Börsengänge vom chinesischen Festland und Zweitnotierungen vorbereitet. Jetzt ist sie in der Lage, mit dem US-Markt zu konkurrieren, wenn es um die Beschaffung ausländischer Investitionen, die Bereitstellung von Finanzierungsmöglichkeiten und die Herstellung internationaler Geschäftsbeziehungen geht - während letzterer [der US-Börsenmarkt] zu einem politischen Instrument geworden ist", erklärte er.

Laut einem Bericht von Reuters unter Bezug auf Wirtschaftsdaten von Refinitiv haben chinesische Börsengänge in den USA in diesem Jahr bisher einen Rekordwert von 12,8 Milliarden US-Dollar erreicht.

„Chinesische Unternehmen werden den US-Markt allmählich verlassen, da eine Börsennotierung in den USA nach dem harten Vorgehen der USA gegen chinesische Unternehmen mit wachsenden Risiken und Kosten verbunden ist", prognostizierte Dong.