Nachdem die US-amerikanische Fed diese Woche zwei Tageeine Sitzung abgehalten hatte und danach ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungenpräsentierte, sind sich chinesische Experten sicher, dass jegliche möglicheMaßnahmen der US-Notenbank wenig Einfluss auf Chins Geldpolitik haben werden. DieFed hatte angedeutet, dass in Kürze nicht mehr Staatsanleihen in einem solchgroßen Maßstab kaufen werden.

Makroökonomische Experten in China sagten am Donnerstag,dass das jüngste Signal der US-Notenbank (Fed), die monatlichen Käufe vonStaatsanleihen und Pfandbriefen im Wert von 120 Milliarden US-Dollar zureduzieren, Chinas derzeitige Finanzlage nicht übermäßig beeinflussen werde. Diesliege daran, dass die chinesischen Währungsbehörden der wirtschaftlichenErholung und der Preisstabilität in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlichweiterhin höchste Priorität einräumen werden.

Es sei unwahrscheinlich, dass die chinesischeGeldpolitik, die sich auf die Verhinderung einer Konjunkturabschwächung sowiedie Aufrechterhaltung der Finanzstabilität konzentriere, von möglichenAnpassungen der US-Geldpolitik beeinflusst werde, hieß es.

Am Mittwoch, nach Abschluss einer zweitägigen Sitzungeines wichtigen Fed-Ausschusses, hatte die US-Notenbank bilanziert, dass sichdie Wirtschaft des Landes rasch erhole. Daraus folgerte sie, dass die beidenZiele einer stabilen Inflation und einer niedrigen Arbeitslosigkeit in naherZukunft erreicht werden könnten. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank hatdaher am Mittwoch die US-Leitzinsen unverändert bei nahe Null belassen und dazuerklärt, dass er das derzeitige Niveau der Wertpapierkäufe vorerst beibehaltenwerde. Der Ausschuss deutete auch an, dass eine Drosselung im Laufe des Jahresmöglich sein könnte.

Die Übertragungs-Effekte („Spillover“) einer Änderungder Fed-Politik würden aber wahrscheinlich begrenzt sein, erklärte Li Chao, derzeitChefökonom bei Zheshang Securities und früher bei der chinesischen Zentralbank.„Es ist unwahrscheinlich, dass eine Änderung der Fed-Haltung Chinasmakroökonomische Politik in der zweiten Jahreshälfte beeinflussen wird.“

Ming Ming, ein hochrangiger Forscher bei Citic Securities,sagte, dass neben der Inflation und dem Auftreten von Varianten des neuartigenCoronavirus das Beschäftigungswachstum der dritte Faktor sein könnte, der dieEntscheidung der Fed über das sogenannte „Tapering“ (die Reduktioneiner vormals expansiven Geldpolitik) beeinflussenkönnte.

Dieses Tapering könnte zu Beginn des nächsten Jahresbeginnen, und eine Zinserhöhung könnte bis Ende 2022 erfolgen, so Ming.

Er wies auch darauf hin, dass die Fed in Vorbereitungauf den Tapering-Prozess einen Puffermechanismus aufgebaut habe, und bezog sichdabei auf zwei geldpolitische Maßnahmen in Form von ständigen Rückkaufsvereinbarungen- eine inländische für Primärhändler und weitere Banken und eine weitere fürausländische und internationale Währungsbehörden.

Am Donnerstag führte Chinas Zentralbank liquiditätsabschöpfendeRückkaufvereinbarungsgeschäfte („Reverse-Repo“) imWert von 30 Milliarden Yuan (4,64 Milliarden US-Dollar) mit einer Laufzeit vonsieben Tagen und einem unveränderten Zinssatz von 2,2 Prozent durch. Mit dieserMaßnahme wird Liquidität in das Interbankensystem eingespeist undsichergestellt, dass sich die derzeitigen finanziellen Bedingungen nichtverschärfen. Analysten zufolge wird Chinas Zentralbank auch in der zweitenJahreshälfte für ausreichend Marktliquidität sorgen und die Marktzinsen um dieLeitzinsen herum stabil halten.