Um die Schüler von voreingenommenen und irreführenden Meinungen über die Opiumkriege mit Großbritannien zu befreien, wurden die Geschichtslehrbücher in Hongkong überarbeitet. Die neuen Bücher, die noch dieses Jahr genutzt werden sollen, sollen unter anderem die nationale Identität fördern.

Das neue Semester in der Schule Tung Chung im Bezirk New Territories, Hong Kong beginnt mit einer Zeremonie zum Flaggenhissen der chinesischen Nationalflagge. (2. September 2019)

Eine Überarbeitung der Geschichtslehrbücher für Schüler der Sekundarstufe in Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong solle sie von voreingenommenen und irreführenden Inhalten in Bezug auf den ersten Opiumkrieg (1840-42) zwischen China und Großbritannien befreien, kündigte ein Direktor einer Sekundarschule in der Stadt am Mittwoch gegenüber China Daily an.

Laut einem Bericht der Hongkonger Zeitung „Ming Pao“ vom Montag enthalten die derzeitigen Schulbücher einige Diskussionsthemen, in denen die Schüler gefragt werden, ob der Krieg hätte vermieden werden können, wenn China eine offenere Handelspolitik verfolgt hätte, oder ob es klug gewesen sei, dass China damals Opium verbot.

In einem Interview am Mittwoch informierte Tang Fei, Direktor der Hongkonger Heung To Secondary School (Tseung Kwan O), dass die Verleger der Schulbücher die irreführenden Informationen, wie vom Bildungsbüro gefordert, bereits überarbeitet und dem Büro zur endgültigen Genehmigung vorgelegt hätten. Nach Angaben des Büros ist die Überarbeitung der Lehrbücher für das zweite und dritte Jahr der Sekundarschulen in der Stadt - auch bekannt als „Form“ 2 und 3 – mittlerweile fast abgeschlossen. Die Überarbeitung des Geschichtsunterrichts hatte mit der Klasse 1 im September 2020 begonnen. Tang gab bekannt, dass der überarbeitete Lehrplan für die Schüler der „Form 2“ voraussichtlich im September eingeführt werde.

Der Krieg wurde von Großbritannien gegen China in der Mitte des 19. Jahrhunderts geführt, als China von der Qing-Dynastie (1644-1911) regiert wurde. Aufgrund Chinas Weigerung, den Opiumhandel zuzulassen, begann Großbritannien den Krieg und zwang China anschließend, eine Reihe von ungleichen Verträgen zu unterzeichnen - darunter die Abtretung der Insel Hongkong an Großbritannien.

Nicholas Muk Ka-chun, ein Geschichtslehrer der Pui Kiu Middle School, stimmte zu, dass die Überarbeitung ein wichtiger Schritt sei, um die Wahrheit über den ersten Opiumkrieg zu klären. Die bisherigen Lehrbücher würden dazu neigen, den Ausbruch des ungerechten Krieges der Qing-Regierung „in die Schuhe zu schieben", weil sie der Abschottungspolitik der Ming-Dynastie (1368-1644) gefolgt sei und Großbritanniens Forderung, Opium in China zu verkaufen, abgelehnt habe, fügte Muk hinzu. „Die Überarbeitung erlaubt uns, diese Geschichte aus der Perspektive unseres eigenen Landes zu betrachten", erklärte er.

Er wies darauf hin, dass die Überarbeitung den Schülern helfen werde, die Kolonialgeschichte Hongkongs besser zu verstehen und zu erkennen, welche Demütigung ein schwaches Land erleiden kann. Dies werde in der Folge ihr Gefühl der nationalen Identität weiter stärken.

Tang betonte, dass die Änderungen in den Lehrbüchern über die Geschichte des zeitgenössischen Chinas notwendig seien, damit die Schüler bei Schlüsselfragen zu den zentralen nationalen Interessen zwischen richtig und falsch unterscheiden können. Neben der inhaltlichen Überarbeitung der Lehrbücher schlug Tang auch vor, dass die Behörden mehr Anstrengungen unternehmen sollten, um die Fähigkeit der Lehrer, Fragen zu stellen, zu verbessern. Dies bezeichnete er noch als eine Schwäche des derzeitigen Bildungssystems.

Als Beispiel zitierte er eine Geschichtstestfrage in der Hongkonger Universitätsaufnahmeprüfung im Mai, in der die Schüler gefragt wurden, ob sie der Meinung seien, dass Japans Invasion Chinas mehr Nutzen als Schaden für China gebracht habe.