Ökonomen gehen davon aus, dass China auch im zweiten Quartal ein robustes Wachstum seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) beibehalten wird. Da jedoch weiterhin Unsicherheiten bestehen, werde in der Geldpolitik höchstwahrscheinlich zunächst kein drastischer Richtungswandel vorgenommen.

Eine Luftaufnahme von Containern am automatischen Dock des Hafens von Qingdao, Provinz Shandong. (19. Februar)

Ökonomen prognostizierten am Montag, dass China auch im zweiten Quartal eine neutrale Geldpolitik beibehalten werde, da stärkere Investitionen zu einer soliden wirtschaftlichen Erholung führen würden, während es zusätzliche Bemühungen zur Risikokontrolle geben sollte.

Da sich der Konsum weiter erholt und die Exporte stark bleiben, wird erwartet, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im zweiten Quartal ein robustes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beibehalten kann. Auch die Investitionen in der verarbeitenden Industrie könnten sich wieder erholen, nachdem sich das Wachstum der Industriegewinne erholt habe, schätzten die Experten.

Ein hochrangiger Beamter der Zentralbank hatte letzte Woche die Wichtigkeit der Ankurbelung der Kreditvergabe an den verarbeitenden Sektor betont. Die Maßnahmen würden die Finanzinstitutionen dazu anleiten, ihre mittel- bis langfristigen Kredite zu erhöhen und ein angemessenes Wachstum der Kredite an das verarbeitende Gewerbe - insbesondere an High-Tech-Firmen - beizubehalten, erklärte Zou Lan, Leiter der Finanzmarktabteilung der Zentralbank.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des verarbeitenden Gewerbes in China stieg im März stärker als erwartet auf 51,9 – im Februar waren es noch 50,6. Einige Indikatoren für den Inflationsdruck, insbesondere die Erzeugerpreisinflation, seien aufgrund des globalen Booms der Rohstoffpreise und der inländischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in Nordchina gestiegen, so Lu Ting, Chefökonom für China bei Nomura Securities.

Höhere Werte bei den wichtigsten Indikatoren für die Wirtschaftsleistung könnten der Marktstimmung zwar einen gewissen Auftrieb geben. Die jüngsten Wirtschaftsdaten werden Lu zufolge jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf die Politik haben, und die Zentralregierung werde weiter an ihrer „keine drastische Veränderung"- Haltung festhalten.

In seiner letzten öffentlichen Rede hatte Yi Gang, Gouverneur der Zentralbank, Ende März versprochen, dass China weiterhin eine „normale" Geldpolitik durchführen und ihre Konsistenz, Stabilität und Nachhaltigkeit beibehalten werde.

„China hat immer noch Spielraum in Bezug auf die Bereitstellung von Liquidität und die Mäßigung der Zinssätze", sagte Yi und fügte hinzu, dass es für die Geldpolitik darum gehe, eine gute Balance zwischen der Unterstützung des Wachstums und der Vermeidung von Risiken zu finden.

Die breite Geldmenge (M2) wächst derzeit um zehn Prozent, was der Geschwindigkeit des nominalen BIP-Wachstums entspricht. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen liegt bei 3,2 Prozent, und der 7-Tage-Satz für sogenannte inverse Repogeschäfte – einer der Leitzinsen der Zentralbank, bei dem es um Rückkaufvereinbarungen geht - liegt bei etwa 2,2 Prozent.

„Aber da das Fundament der inländischen Wirtschaftserholung nicht solide ist und die Inflation die Politik wahrscheinlich nicht einschränken wird, sollte die Geldpolitik kurzfristig nicht gestrafft werden", empfahl Shen Jianguang, Chefökonom bei JD Digits, der digitalen Technologietochter von JD.com.

Beijing hat sich für 2021 ein Ziel von mindestens sechs Prozent Wachstum gesetzt, was im Vergleich zu den „über 8 Prozent"-Prognosen vieler internationaler Organisationen und Finanzinstitute relativ niedrig ist.

„Wir prognostizieren für dieses Jahr ein starkes Wachstum von über acht Prozent, und zwar aufgrund der Eindämmung der Pandemie und der sehr schnellen Erholung des Produktionssektors", gab die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, letzte Woche bekannt.

Dank der schnellen wirtschaftlichen Erholung, die bereits auf das Niveau vor der Pandemie zurückgekehrt ist, könnten die politischen Entscheidungsträger ihre Aufmerksamkeit auf die Kontrolle potenzieller Risiken richten, insbesondere auf die Vermeidung von Blasen im Immobiliensektor oder die Begrenzung des Anstiegs der Staatsverschuldung, so die Analysten.

„Einflüsse von externen Faktoren sollten ebenfalls berücksichtigt werden", so Shen. Die geldpolitische Lockerung im Ausland und die massiven fiskalischen Anreize in einigen entwickelten Volkswirtschaften könnten die Inflation in die Höhe treiben, was zu einer Abwertung der Währungen, einschließlich des US-Dollars, führen werde. „Daher ist es notwendig, die internationale Verwendung des chinesischen Renminbi zu fördern."

Die US-Regierung hat letzte Woche einen Investitionsplan vorgeschlagen, mit dem mehr als zwei Billionen US-Dollar an Regierungsgeldern in die traditionelle Infrastruktur, wie Straßen und Brücken, gesteckt werden sollen. Der Plan sieht überdies auch umfangreiche Subventionen für die Produktion vor und versucht, den Klimawandel mit Plänen zur Modernisierung von Häusern und anderen Gebäuden sowie zur Förderung von Elektrofahrzeugen anzugehen.

Das US-Konjunkturpaket und das Ausmaß, in dem es die US-Wirtschaft und ihre Handelspartner ankurbelt, werde sich auch auf die Nachfrage nach Exporten in China und einigen asiatischen Ländern auswirken, schätzt Hoe Ee Khor, Chefökonom des ASEAN+3 Macroeconomic Research Office.