Massenimpfungen seien der einzige Weg für China, eine Herdenimmunität gegen das neuartige Coronavirus aufzubauen und in der Folge seine Grenzen für andere Länder wieder vollständig zu öffnen, betonte ein renommierter Gesundheitsexperte.

Die Nationale Gesundheitskommission teilte mit, dass China bis Sonntag fast 140 Millionen Impfdosen verabreicht habe - ein Anstieg von etwa 3,3 Millionen gegenüber Samstag. Die Zahl der vollständig geimpften Menschen in China sei damit allerdings immer noch weit von der geschätzten Schwelle für Herdenimmunität von mindestens 70 Prozent entfernt.

Im Gegensatz dazu seien einige andere große Volkswirtschaften dem Rest der Welt bei der Impfung ihrer Bevölkerung schonweit voraus, ließ Zhang Wenhong (Leiter des Zentrums für Infektionskrankheiten am Huashan-Krankenhaus der Fudan-Universität in Shanghai) wissen.

So stehe Israel zum Beispiel kurz davor, das Ziel der Herdenimmunität zu erreichen. Großbritannien sei ebenfalls schnell und habe bereits fast alle Menschen über 40 Jahren geimpft. Auch für die USA mit einer Gesamtbevölkerung von über 300 Millionen Menschen und täglich etwa 4 Millionen Impfungen sei das Ziel der Herdenimmunität in greifbarer Nähe, fügte er hinzu.

„Wenn es China nicht gelingt, seine Bevölkerung erfolgreich zu immunisieren und andere Länder beginnen, ihre Grenzen wieder vollständig zu öffnen, wird das Land hinsichtlich der Wiederaufnahme des Austauschs mit dem Rest der Welt mit einer ernsthaften Barriere konfrontiert sein", mahnte Zhang in einem Interview mit CCTV, das am Samstag ausgestrahlt wurde.

China sei jetzt in der Lage, lokale Ausbrüche und Infektionscluster mit einer Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zu unterdrücken, wie zum Beispiel schnellen Massentests, Quarantäne oder gezielten Abriegelungsmaßnahmen. Eine solche Strategie sei zwar effektiv, um alle inländischen Fälle zu beseitigen, aber sie würde keine langfristige Lösung bieten, so Zhang. Stattdessen würden die schnelle Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen einen weiteren sicheren und effektiven Weg bieten, um das Virus zu besiegen, fügte er hinzu.

Einige Regionen, in denen es zu lokalen Ausbrüchen kam, nachdem der COVID-19-Impfstoff im Juli zum ersten Mal verfügbar gemacht wurde, würden nun das Rennen in Bezug auf die landesweiten Impfraten anführen. Der Hauptstadtbezirk Daxing, der Anfang des Jahres mehr als 30 lokale Infektionen meldete, seibeispielsweise der erste Bezirk in China, der bereits 80 Prozent seiner Bevölkerung immunisiert hat. Die lokalen Behörden in Shijiazhuang in der Provinz Hebei - einer Stadt, die von Januar bis Februar über 860 Fälle verzeichnet hatte - erklärten, dass sie bis Ende Juni 50 Prozent der Einwohner impfen wollen. Die lokale Regierung von Ruili, einer an Myanmar grenzenden Stadt in der südwestchinesischen Provinz Yunnan, kündigte ebenfalls an, dass sie alle Menschen, die für eine Impfung in Frage kommen, bis Dienstag impfen werde. Die Stadt hat seit dem 30. März Dutzende von lokal übertragenen COVID-19-Fällen gemeldet.

Beijing gab ebenfalls am Freitag bekannt, dass bis Freitagnachmittag mehr als 10 Millionen Menschen in der Stadt gegen COVID-19 geimpft worden seien. Bis Ende Mai sollen alle Einwohner der Stadt ab 18 Jahren geimpft werden, wie die Zeitung Beijing Daily berichtet.

Zhang sagte, dass die Durchführung einer solch schnellen Impfkampagne eine wichtige Ergänzung zu Chinas bestehenden Instrumenten zur Viruskontrolle sei.