In Südrussland wurde am Wochenende erstmals eine Übertragung des Vogelgrippe-Virus auf einen Menschen gemeldet. Chinas Experten warnen deshalb alle Länder mit Fällen der Vogelgrippe zu höchster Vorsicht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erscheint derzeit allerdings noch nicht möglich.

Ein Archivfoto von einer Geflügelfarm.

Medienberichten zufolge wurde der H5N8-Vogelgrippe-Virustyp bei sieben Arbeitern auf einer Geflügelfarm in Russland nachgewiesen - das erste Mal, dass er bei Menschen gefunden wurde. Chinesische Experten sagten, die Entdeckung sei auch eine Warnung für andere Länder, die Ausbrüche des Virus gemeldet haben. Sie rieten diesen Ländern, geeignete Mechanismen einzurichten, um eine Übertragung zwischen den Spezies zu verhindern.

Eine Übertragung des neuartigen Vogelgrippevirus von Mensch zu Mensch sei bisher nicht registriert worden, zitierte die russische Nachrichtenagentur Tass am Sonntag einen russischen Beamten. Alle sieben infizierten Personen seien bei guter Gesundheit und hätten nur leichte Symptome, fügte der Beamte hinzu.

Yang Zhanqiu, stellvertretender Direktor der Abteilung für Pathogenbiologie an der Universität Wuhan, sagte, ausgehend von dem derzeitigen milden Zustand der Patienten, erscheine die Pathogenität der Vogelgrippe nicht hoch. Dies lasse vermuten, dass der Ausbruch der Vogelgrippe H5N8 nicht so riskant sei.

Zhu Yi, ein außerordentlicher Professor an der China Agricultural University in Beijing, ist der Ansicht, die Entdeckung, dass der neue Stamm von Vögeln auf den Menschen übergegangen ist, werde nicht zu einem „Schwarzer Schwan“-Ereignis [Bezeichnung für das Eintreten höchst unwahrscheinlicher Fälle] führen - höchstens zu einem „Grauen Nashorn-Ereignis". Diese sogenannten „Graue Nashörner“-Ereignisse beziehen sich normalerweise auf nicht zufällige Ereignisse, die nach einer Reihe von Warnungen und sichtbaren Beweisen auftreten. Der H5N8-Stamm der Vogelgrippe wurde in den letzten Monaten in Europa, Südasien, Ostasien, dem Nahen Osten und Nordafrika gefunden, wobei bis zum russischen Bericht keine Fälle von menschlicher Infektion festgestellt worden waren.

Russische Wissenschaftler fanden den neuen Stamm der Vogelgrippe auf einer Geflügelfarm in Südrussland, wo im Dezember 2020 ein Ausbruch in der Vogelpopulation verzeichnet worden war, berichtete Tass.

Beide chinesischen Experten wiesen jedoch darauf hin, dass die Möglichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch nicht ausgeschlossen werden könne – vor allem falls das Virus mutiert. Zhu sagte, dass die Übertragung zwischen den Spezies einen Alarm für die Welt auslösen sollte, insbesondere für die Länder, in denen es ebenfalls zu Ausbrüchen der Vogelgrippe gekommen ist. Es sollten deshalb Mechanismen geschaffen werden sollten, um zu verhindern, dass das Virus von Wildvögeln auf Geflügel und dann auf Menschen übergeht.

„Es wäre eine noch schrecklichere Katastrophe als COVID-19, wenn sich herausstellt, dass die neuartige Vogelgrippe von Mensch zu Mensch übertragbar ist", warnte Yang weiter.

Die Sterblichkeitsrate bei menschlichen Infektionen mit der hochpathogenen Vogelgrippe könne bis zu 40 Prozent betragen, obwohl dies weltweit nur selten vorgekommen sei, erläuterte der Virologe.

China hatte in den letzten drei Monaten an mindestens vier Orten Fälle der H5N8-Vogelgrippe unter Wildvögeln gemeldet, die den Tod von mehr als 50 Vögeln, meist Wildschwänen, verursachten. Die hochpathogenen Vogelgrippeviren werden vor allem durch körperlichen Kontakt mit infiziertem Geflügel, dessen Sekreten und Exkrementen übertragen und könnten auch Infektionen über die Atemwege und den Verdauungstrakt verursachen. Während des jährlichen Vogelzugs kann es bei Wildvögeln leicht zu Kreuzinfektionen kommen.