Das Vertrauen internationaler Investoren in chinesische Aktien sei nochmals gestärkt worden, nachdem strengere Regeln in Kraft getreten sind, um börsennotierte Unternehmen auszusortieren, die sich Fehlverhalten schuldig gemacht haben oder schwache Fundamentaldaten aufweisen, so Experten.

„Wir begrüßen das neue Regelwerk, da es die Kosten für Falschmeldungen oder Finanzbetrug erhöht hat und somit die Corporate Governance auf dem A-Aktienmarkt verbessern wird", sagte Lynda Zhou, Chief Investment Officer für Aktien in China bei Fidelity International, einem globalen Vermögensverwalter. „Dies wird dazu beitragen, dass sich mehr an den A-Aktienmärkten notierte Unternehmen qualifizieren, um Teil des Anlageuniversums ausländischer Investoren zu werden", prognostizierte Zhou.

Das Risiko eines erzwungenen „Delistings“ (Börsenabgan) habe sich durch die neuen Regeln deutlich erhöht und diene als wirksame Abschreckung für potenzielles Fehlverhalten börsennotierter Unternehmen.

Die neuen Delisting-Regeln wurden von den Börsen in Shanghai und Shenzhen am 31. Dezember veröffentlicht und sind seitdem auf dem gesamten Markt für A-Aktien in Kraft getreten. Die Regeln haben den Delisting-Prozess verkürzt und die Delisting-Kriterien für Finanzkennzahlen, den Handel, die Nichteinhaltung von Vorschriften und Verstöße verschärft.

Nach den Änderungen werden börsennotierte Unternehmen zum Beispiel gezwungen sein, von der Börse zu gehen, falls sie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Falschangaben gemacht haben, und diese gefälschten Umsatzangaben 500 Millionen Yuan (77,4 Millionen US-Dollar) sowie die Hälfte des gesamten angegebenen Umsatzes für den Zeitraum übersteigen. Unternehmen, die schwerwiegende Mängel bei der Offenlegung von Informationen oder bei der Einhaltung von Vorschriften aufweisen und diese Mängel nicht beheben, werden aufgrund der neuen Regeln ebenfalls von der Börse genommen, um die Unternehmensführung und die Qualität der börsennotierten Unternehmen zu verbessern.

Die überarbeiteten Regeln werden auch darauf abzielen, Firmen mit eingeschränkten operativen Fähigkeiten vom Aktienmarkt auszuschließen, indem die Kriterien für das Delisting auf Basis von Finanzindikatoren verfeinert werden und ein Schwellenwert für ein Delisting basierend auf dem Marktwert hinzugefügt wird.

Unternehmen werden dann beispielsweise zu einem Delisting gezwungen sein, sollte ihr Marktwert an 20 aufeinanderfolgenden Handelstagen unter 300 Millionen Yuan fallen. Die Aktienkurse der mehr als 30 A-Aktien-Unternehmen mit einem Schlussmarktwert am 31. Dezember von weniger als 1 Milliarde Yuan - die nach den neuen Regeln von der Börse genommen werden könnten - seien in den ersten vier Handelstagen des Jahres 2021 um durchschnittlich 7,2 Prozent gefallen, so der Marktbeobachter Wind Info.

„Die neuesten Regeln stehen im Einklang mit Chinas langjährigen Marktreformen, die dazu beitragen, das Vertrauen der Investoren in die Qualität der im Inland gelisteten Vermögenswerte zu stärken", erklärte Han Tan, ein Marktanalyst bei FXTM, einer in Großbritannien ansässigen globalen Handelsplattform.

Chinesische Aktien würden noch mehr profitieren, wenn mehr dieser Marktreformen greifen, insbesondere da viele globale Investoren auf Chinas wirtschaftliche Erholung nach dem COVID-19-Ausbruch setzen würden, so Han.

China hat die Verbesserung seines Delisting-Systems zu einer seiner wichtigsten Aufgaben für die Finanzreform im Rahmen des 14. Fünfjahresplans (2021-25) gemacht. Die diesbezüglichen Bemühungen wurden bereits seit 2019 verstärkt. So wurden von 2019 bis 2020 beispielsweise 26 börsennotierte Unternehmen zu einem Delisting gezwungen - mehr als doppelt so viele wie in den sechs Jahren zuvor, wie Chinas oberste Wertpapieraufsichtsbehörde (CSRC) wissen ließ.