Die Unterzeichnung der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), die Bildung der weltgrößten Freihandelszone, welche die USA und die EU ausschließt, scheint in Europa ein Gefühl der Dringlichkeit geschürt zu haben.

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Einige europäische Medien haben sich besorgt über die Möglichkeit geäußert, dass die EU als Wirtschaftsgemeinschaft durch die RCEP an den Rand gedrängt werden könnte. Provokativere Kommentatoren forderten, die EU solle sich auf die Zusammenarbeit mit Indien konzentrieren, um zu vermeiden, dass sie ein Außenseiter in der panasiatischen Industriekette werde.

Während die Besorgnis Europas angesichts des Aufstiegs eines wettbewerbsfähigen Freihandelsblocks verständlich ist, erscheint es dennoch unangebracht, seine Hoffnungen auf engere wirtschaftliche Beziehungen mit asiatischen Volkswirtschaften auf Indien zu setzen. Indien ist in der Tat ein großer Markt, aber es kann den Freihandelsblock von 15 asiatisch-pazifischen Ländern in Bezug auf Kaufkraft oder Industrieketten keineswegs ersetzen.

Darüber hinaus macht es Indiens protektionistischer Ansatz im Handelsbereich dem südasiatischen Land schwer, Teil der regionalen Wirtschaftsintegration Asiens zu sein.

Das Gefühl der Dringlichkeit könnte Europa besser als treibende Kraft dienen, um seine Zusammenarbeit mit China und der gesamten asiatischen Industriekette zu verstärken. Das bilaterale Investitionsabkommen zwischen China und der EU könnte der beste Weg zur Verwirklichung seiner Vision sein.

Die Verhandlungen über das Investitionsabkommen zwischen China und der EU haben 33 Gesprächsrunden durchlaufen. Beide Seiten versuchen laut Medienberichten, die Verhandlungen bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Wenn das bilaterale Investitionsabkommen gelingt, wird dies die Zusammenarbeit zwischen der EU und der gesamten asiatischen Industriekette weiter verbessern. Investitionserleichterungen und Freihandel zwischen den Volkswirtschaften der EU und Chinas würden beiden Seiten gegenseitige Vorteile bringen.

Insbesondere könnte der China-EU-Investitionsvertrag europäischen Investoren und Unternehmen einen besseren Zugang zum chinesischen Markt bieten, während China entsprechende Rahmenbedingungen benötigt, um seine Handels- und Investitionsnetze inmitten der turbulenten Weltwirtschaft zu stabilisieren.

China hat mit seiner Entschlossenheit zur Öffnung kontinuierliche Anstrengungen unternommen, um die Verhandlungen voranzutreiben.

Wenn es der EU mit ihrem Streben nach engeren Beziehungen zu den asiatischen Volkswirtschaften wirklich ernst ist, muss sie gegenseitige Aufrichtigkeit und nicht nur Angst zeigen. In dem potenziellen Investitionsabkommen muss die EU chinesischen Unternehmen ein faires und offenes Investitionsumfeld bieten und sicherstellen, dass chinesische Technologieunternehmen fair behandelt werden können.

Lange Zeit hat der starke Einfluss der USA in Europa einige in akademischen und politischen Kreisen dazu veranlasst, eine unabhängigere politische Haltung zu fordern. Wenn Europa seine Verbindungen mit Asien im Handelsbereich stärken kann, könnte ein diversifizierteres Handelsnetz dem Kontinent auch mehr Flexibilität im Umgang mit wirtschaftlichen und geopolitischen Fragen geben.